"To Her Majesty of Great Britain, Buckingham Palace, London" und "Dear Queen Elizabeth, . . ." - so hatte Klaus Demmel im Mai seinen handgeschriebenen Brief begonnen. Der 50. Jahrestag des Queen-Besuchs in Schwäbisch Hall war der Anlass. Klaus Demmel, gehörte an jenem 24. Mai 1965 zu jenen Menschen, die der Monarchin zuwinkten.

Einen Zeitungsartikel vom Mai 2015 habe er seinem Sohn, der seit 30 Jahren in England lebt, nach London schicken wollen. Dabei entstand die Idee, die Seite auch an die Queen selbst zu schicken. "Ich wollte probieren, ob das überhaupt ankommen würde", erklärt Demmel. Als früherer Englisch-Lehrer macht ihm das Formulieren keine große Mühe - lediglich bei der richtigen Anrede holte er sich Tipps von einem gebürtigen Briten.

Ende Mai schickte Demmel den Brief ab. Und nach einigen Wochen hakte er die wieder Sache ab. Doch Anfang August landet ein ungewöhnlicher Umschlag in seinem Briefkasten: "Royal Mail" steht darauf und ein Stempel mit "Buckingham Palace".

Klaus Demmel öffnet den Brief - der Kopf ist mit dem Wappen des königlichen Palastes in dunkelrot geschmückt. "The Queen wishes me to write and thank you for your letter." So beginnt das Dankesschreiben der "Lady-in-Waiting" Susan Hussey im Auftrag der Queen. Susan Baronin Hussey von North Bradley ist eine der Kammerfrauen von Königin Elizabeth und auch als Taufpatin von Prinz William bekannt.

Demmels Brief wurde im Buckingham-Palast wirklich gelesen, "demnach auch der Queen vorgelegt". Das freut den 81-Jährigen sehr - denn seit jeher hat er ein Faible für England und die englische Sprache. Geboren wurde Klaus Demmel 1934 in Berlin, dort wuchs er auf, erlebte den Krieg, in dem England aber der Feind war. Im Januar 1945 kam die Evakuierung - mit seinen Eltern verließ er Berlin. Über Umwege landeten die Demmels in Heubach. Seine Englisch-Kenntnisse - ein Jahr hatte er bereits Unterricht gehabt - hätten ihm das Leben gerettet, erzählt Klaus Demmel. Immer wieder habe er von amerikanischen Soldaten Essen zugesteckt bekommen.

Er studierte Englisch, wurde Lehrer. 1971 kam er nach Breitenstein, war dort Rektor. Später wechselte er an die Hauptschule Schenkensee, war unter anderem Konrektor sowie Fachberater Englisch im Amtsbezirk Hall. Damit war auch die eine oder andere Reise nach England und Schottland verbunden.

Überhaupt pflegt Demmel eine Leidenschaft für Sprachen. Italienisch, Arabisch, Esperanto, Russisch - er hat sich schon mit vielen Sprachen vertraut gemacht. Nebenbei interessiert er sich auch für die Windsors - "aber eigentlich bin ich kein Royalist", sagt er lächelnd. Doch als Prinz Charles im Mai 2013 während einer Tagung in Langenburg weilte, stand auch Klaus Demmel am Straßenrand. Versuch', ihm die Hand zu schütteln, habe der in England lebende Sohn geraten. Es klappte, inklusive Smalltalk. Demmel schenkte Prinz Charles ein Buch, geschrieben von seiner Frau Dorothea: "Die Frau mit den bunten Flügeln" - eine Biografie über die Schriftstellerin Agnes Günther, die einst Dekansfrau in Langenburg war und mit dem Roman "Die Heilige und ihr Narr" dem Städtchen und der Landschaft ein literarisches Denkmal setzte. "Ich werde es lesen, um mein Deutsch zu verbessern", habe der britische Thronfolger damals auf Deutsch gedankt, erzählt Demmel. Tags darauf war der Haller erneut in Langenburg - diesmal auch mit dem halbjährigen Enkelsohn Jan. Vorm Café Bauer kam es erneut zur Begegnung: Der kleine Jan griff nach dem royalen Zeigefinger. Klaus Demmel hat die Szene fürs Familienalbum festgehalten. Und wie jene Fotos wird nun auch der Brief aus dem Buckingham-Palast im Hause Demmel in Ehren gehalten.