Ilshofen Qual der Berufswahl nach der mittleren Reife

Bei der Verabschiedung von Schule und Schulleiter Norbert Reinauer: Jugi Hensel, Anne Hofmann, Alina Etzel, Alissa Mathias, Tim Breyer und Robin Weiß (von links).
Bei der Verabschiedung von Schule und Schulleiter Norbert Reinauer: Jugi Hensel, Anne Hofmann, Alina Etzel, Alissa Mathias, Tim Breyer und Robin Weiß (von links). © Foto: Sonja-Alexa Schmitz
Ilshofen / Sonja Alexa Schmitz 25.07.2018
Wie geht es nach dem Abschluss an der Real- und Werkrealschule in Ilshofen weiter? Weil sie sich mit einer Entscheidung schwertun, gehen viele auf weiterführende Schulen.

Die Schulzeit an der Hermann-Merz-Real- und Werkrealschule ist für Anne, Alina, Alissa, Tim, Robin und Jugi vorbei. Ihre Wege trennen sich, was einige von ihnen traurig stimmt. „Wir waren immerhin fünf oder sechs Jahre zusammen“, sagt Alina. „Erst freut man sich auf den letzten Schultag, aber wenn es dann so weit ist, wird man irgendwie traurig“, findet auch Anne.

Nicht nur der Abschied fällt schwer, auch mit der Berufswahl tun sich die jungen Leute nicht leicht. Das sieht auch Schulleiter Norbert Reinauer so. Sie stehen vor einer Entscheidung und können letztlich keine treffen. Der Ausweg sieht dann bei vielen so aus: weiterführende Schule. Ein Aufschub. „Schule, das System kennen sie. Also bleiben sie lieber dort statt ins Berufsleben zu starten“, sagt der Rektor.

„Ich wollte eigentlich eine Ausbildung machen“, erzählt Anne aus der Werkrealschule, „und habe mich umgehört, was es so gibt. Auf keinen Fall Büro, lieber etwas soziales und kreatives.“ Aber die 15-Jährige fand nichts Passendes. Das einwöchige Praktikum bei einem Friseur wie auch eine Woche zum Schnuppern im Sonnenhof haben ihr nur gezeigt, was sie nicht machen will. Also hat sie entschieden, erst mal auf die hauswirtschaftliche Sibilla-Egen-Schule in Hall zu gehen.

Zwei Praktika statt einem

In der Hermann-Merz-Schule legt man Wert auf die berufliche Orientierung. Sie schickt die Werkrealschüler zweimal zwei Wochen, die Realschüler zweimal eine Woche ins Praktikum. Das ist doppelt so lange wie vorgeschrieben.

In der achten Klasse besuchen die Schüler das Berufsinformationszentrum, eine Angestellte der Arbeitsagentur kommt in die Schule und berät jeden Einzelnen. Außerdem soll den Jugendlichen die von der Schule ausgerichtete Berufsorientierungsmesse Ideen geben. „Früher war die in der Stadthalle. Da passen wir jetzt nicht mehr rein und mussten auf die Turnhalle ausweichen. Früher waren wir froh um Arbeitgeber, heute sind die froh, wenn sie Lehrlinge finden.“

Norbert Reinauer legt eine grobe Statistik vor. Sie ist noch nicht abschließend, gibt aber eine Richtung vor: Von der Realschule gehen 32 auf eine weiterführende Schule, 27 machen eine Ausbildung. Von den Werkrealschülern bleiben 21 auf einer weiterführenden Schule und 14 werden Auszubildende.

Problemlos zur Ausbildung

Tim Breyer musste nicht lange überlegen. Der Realschüler hat sich für die Firma Kärcher entschieden und beginnt dort eine Ausbildung als Industriekaufmann. Das ist in der Nähe und ein guter Arbeitgeber, sind einige Argumente dafür. Robin Weiß hat im Ferienjob und beim Praktikum bei Bausch + Ströbel gearbeitet. Das hat ihm so gut gefallen, dass er jetzt eine Lehre als Mechatroniker bei dem Ilshofener Unternehmen macht. Er hat sowieso immer schon gerne mit seinem Vater in der Werkstatt gebastelt. Den Ausbildungsplatz haben Robin und Tim ohne Probleme bekommen.

Kein bisschen überlegen musste Alissa Mathias. Die 15-Jährige wusste schon als Kind, dass sie den Hof ihrer Eltern übernehmen wollte. Sie beginnt eine Ausbildung zur Landwirtin. Alina Etzel tat sich schwer. Viele hätten ihr gesagt: „Mach doch Abi!“ Und das tut die 16-Jährige jetzt auch. Sie möchte studieren, vielleicht Sport oder auf Lehramt. Fürs Abitur geht sie auf das Wirtschaftsgymnasium in Hall.

Sind auch die meisten schwermütig, Jugi Hensel konnte den Abschluss kaum erwarten. Sie kennt ihren Weg schon seit sie ein Praktikum bei der Firma Würth gemacht hat. Sie möchte ein Duales Studium zur Kauffrau für Logistik und Spedition machen. Zuvor braucht die Realschülerin aber noch drei Jahre Schule, um das Abitur zu erlangen.

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