Festgottesdienst Die Posaunen sind immer vorne dabei

Pfarrer Watermann übergibt Chorleiter Willi Barth ein Geschenk zum runden Geburtstag des Posaunenchors.
Pfarrer Watermann übergibt Chorleiter Willi Barth ein Geschenk zum runden Geburtstag des Posaunenchors. © Foto: Sonja Alexa Schmitz
Michelbach / Sonja Alexa Schmitz 12.06.2018
Der Posaunenchor spielt in Michelbach zu seinem 70-jährigen Bestehen.

Von morgens um acht bis mittags um zwölf: Frohlocken. Von mittags um zwölf bis abends um acht: Hosianna. Pfarrer Henrik Watermann gibt die heitere Geschichte des „Münchners Alois Hingerl im Himmel“ wieder. Und sagt damit: Im Himmel wird es musikalisch zugehen. Musik als Mittel, Gott zu loben. Und immer ganz vorne dabei seien die Posaunen. Sie kündigen die Ankunft eines Großen an, sie geben Signal, sie lobpreisen, sieben Posaunen kündigen, laut Bibel, das Ende der Welt an.

An diesem sonnigen Sonntag kündigen sie zuerst einmal den Beginn des Festgottesdienstes an. Mit ihrem Einsatz, der Bläserintrade zu „Tut mir auf die schöne Pforte“, schlagen die Herzen der Zuhörer gleich ein paar Takte schneller. Mit einem Ton die Stimmung festlich heben, eine Gänsehaut erwirken, innerlich aufrichten, das kann wohl nur die Kraft der Blasinstrumente. Jetzt ist Festgottesdienst – und ein sehr gelungener. Der Pfarrer findet passende Worte, erzählt von den Anfängen: „Na, Jungs, wie wäre es mal mit Blasmusik statt Theaterspielen?“ So habe Pfarrer Stierle im Jahr 1948 Mitglieder der Gemeinde aufgerufen, einen Posaunenchor zu gründen.

Sieben Gründungsmitglieder

Sieben Mutige wagten es. Radelten dafür sogar wöchentlich zu ihrem Dirigenten nach Hall. „Und heute, 70 Jahre später, ist hier vorne kaum noch Platz für mich, so eng ist es, so viele Mitglieder hat der Posaunenchor“, stellt Watermann erfreut fest. Er lobt ihren Einsatz bei mehr als 100 Veranstaltungen im vergangenen Jahr, vor allem ihr Anspielen bei Geburtstagen von Michelbachern und ihre würdevolle musikalische Untermalung bei Beerdigungen. „Wenn du einen Posaunenchor in deiner Gemeinde hast, kannst du zuversichtlich in die Zukunft blicken“, sagte ihm einst ein Kollege.

Auch Bürgermeister Werner Dörr spricht ein paar Sätze. Er dankt ihnen für ihre Präsenz beim Weihnachtsmarkt, auf dem Friedhof, für ihr traditionelles Silvesterblasen und denkt gerne an die netten Abende beim Maibaumaufstellen. Aber weil er wisse, dass ein Scheck mehr Lächeln zaubert als viele Worte, übergibt er einen solchen.

Immer wieder spielt der Chor, bestehend aus rund 25 Bläsern. Die Gemeinde singt mit „Aus meines Herzens Grunde“, den Kanon „Mit Trompeten und Posaunen, lobet Gott den Herrn!“ und auch bei „Möge die Straße uns zusammenführen“ geben die leider nicht ganz so vielen Besucher alles, um bei den durchdringenden Trompeten, Posaunen, Hörnern und Tuben mitzuhalten.

Nach anderthalb Stunden endet der Gottesdienst beschwingt. Der Posaunenchor hat die Gemeinde bewegt, die Predigt hat informiert und sogar erheitert, die Ehrungen der vier Mitglieder wurden wohlwollend beklatscht. „Wo ist die Zugabe?“, ruft eine mutige Zuhörerin aus den mittleren Bankreihen. Die gibt es beim Konzert am Sonntag, 4. November, um 17 Uhr in der Martinskirche, dem großen Jubiläumsbläserkonzert.

Insgesamt 200 Jahre im Chor

Der Bezirksposaunenwart Karl Dieter Diemer hat außerdem langjährige Mitglieder geehrt. Roland Veigle spielt seit 60 Jahren Trompete im Posaunenchor. Außerdem ist er Organisator von Festen und dem Spielen bei Beerdigungen. Willi Barth ist seit 50 Jahren im Posaunenchor. Seit 30 Jahren ist er der musikalische Leiter. „Alles ehrenamtlich“, betont der Pfarrer, worauf im Publikum großes Lob laut wird. Reiner Partsch ist 50 Jahre dabei. Der Trompeter hat feuchte Augen, als Karl Dieter Diemer ihm seine Urkunde überreicht. Aus Krankheitsgründen abwesend ist Thomas Stark, der seit 40 Jahren im Bass spielt.