Konzert Die Mühle der Schatten

Von links: Oliver Biella, Sophia Scheifler, Markus Hallstein und Kai Schneider bringen Chanson in das Anlagencafé.
Von links: Oliver Biella, Sophia Scheifler, Markus Hallstein und Kai Schneider bringen Chanson in das Anlagencafé. © Foto: Andreas Dehne
Schwäbisch Hall / Andreas Dehne 13.02.2018

„Es ist so wunderbar hier.“ Die nahezu akzentfreie Aussprache des Sängers Markus Hallstein prickelt recht wenig französisch. Er scheint von der Atmosphäre im kleinen Café in den Ackeranlagen jedoch regelrecht berührt zu sein. „Ich bin voll emotional jetzt“, bekennt er in gutem Hochdeutsch mit ganz leicht schwäbischem Akzent seine Begeisterung für die etwa 70 Gäste, die „keine 360 Grad, aber knapp die Hälfte davon“ um ihn herum sitzen.

„So etwas ist sehr ungewöhnlich.“ Sie spielen „Les Feuilles Mortes“ – die toten Blätter – einen Klassiker nach einem Text von Jacques Prévert. Ein Lied über die Liebe und die Vergänglichkeit zu einer betörenden Melodie. Am Kontrabass eröffnet die kurzfristig eingesprungene So­phia Scheifler, und begleitet Oliver Biella und Kai Schneider an den beiden halbakustischen elektrischen Gitarren. Sie bringen den Klassiker des französischen Chansons sparsam instrumentiert in einer recht modern klingenden Version auf die Bühne. Sehr jazzig angehaucht. Für die nicht so frankophilen Zuschauer werden viele der Texte vorab erzählt und zusammengefasst – nicht einfach nur übersetzt.

Viele Stücke von Brassens

Und das ist auch gut so. „Du hast für mich ein Lied gesungen. Jedes Jahr muss ich daran denken.“ Die Gruppe Les Braves Cons kommt aus Stuttgart und gibt sich erst gar nicht den Anschein, irgendwie französisch zu sein. Keine „Gitanes“ , kein „Pastis“. Vielleicht einen französischen Wein im Anlagencafé. Viele Stücke von Georges Brassens – sehr zur Freude der knapp 70 Zuschauer und des „Cercle Français“, der in Kooperation mit der VHS und der Stadt Schwäbisch Hall das Konzert veranstaltet. „Der Cercle Français lebt wieder“, ist zu hören. Obwohl der doch noch nie tot war. Er trifft sich regelmäßig, um die Sprache zu sprechen und die Lebensphilosophie auszutauschen. Les Braves Cons (übersetzt in etwa: „die tapferen Trottel“) spielen in der Zwischenzeit auch eigene Kompositionen. „Liberté“ – die Freiheit – nach einem Gedicht von Paul Éluard.

Jacques Brel wird intoniert. Mit seinem legendären „Amsterdam“. Oder Claude Nougaro mit „Bidonville“. Die „tapferen Trottel“ verabschieden sich nach mehr als 100 Minuten unter großem Beifall mit „Marinette“ vom begeisterten Publikum. Sie sind überrascht, dass Brassens in Hall so einen großen Zuspruch findet. Und die Schwäbisch Haller sind überrascht, dass in Stuttgart so viel musikalisches Frankreich steckt.

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