Kunst Die Madonna lockt viele Besucher an

Ein Blick in die Johanniterkirche bei ihrer Eröffnung als Ausstellungsraum für die Sammlung „Alte Meister“. 
Ein Blick in die Johanniterkirche bei ihrer Eröffnung als Ausstellungsraum für die Sammlung „Alte Meister“.  © Foto: Arslan
Schwäbisch Hall / swp 04.12.2018
Vor zehn Jahren wurde die Johanniterkirche in Hall als Raum für die Ausstellung „Alte Meister in der Sammlung Würth“ eröffnet. Bisher kamen mehr als 530.000 Kunstfreunde.

Vor zehn Jahren, am 20. November 2008, ist die Johanniterkirche in Schwäbisch Hall als Ausstellungshaus für die Alten Meister der Sammlung Würth feierlich eröffnet worden. Welche Anziehungskraft das Museum seither ausstrahlt, belegen die über 530 000 Menschen, die bislang begrüßt werden konnten. Das berühmteste Exponat, die „Schutzmantelmadonna“ von Hans Holbein dem Jüngeren, fand 2012 im Chor der säkularisierten Kirche seine neue Heimstatt.

Preisgekrönter Umbau

Die Johanniterkirche aus dem 12. Jahrhundert zählt zu den herausragenden Kulturdenkmalen in Schwäbisch Hall. Ihr Umbau zum Kunstmuseum umfasste den Einbau von Sicherheits- und Klimatechnik nach höchsten musealen Standards sowie die Restaurierung des gotischen Dachstuhls von 1400, dem ältesten seiner Art in Süddeutschland.

Die profanierte Kirche war zuvor jahrzehntelang als Sporthalle, Veranstaltungs- und Probenraum für die Freilichtspiele genutzt worden. Zahlreiche bauliche Ergänzungen aus dieser Zeit wurden bei der Sanierung entfernt. In einem modernen Anbau kamen der Museumsshop und die Garderobe unter. Verantwortlich für den Neubau zeichnete das Stuttgarter Architekturbüro Erich Fritz. Der Bau erhielt im Jahr 2011 den Hugo-Häring-Preis.

Die Holbein-Madonna

Vor knapp 500 Jahren schuf Hans Holbein der Jüngere (*1497/98 in Augsburg, †1543 in London) in Basel sein Meisterwerk, die „Madonna des Bürgermeisters Jacob Meyer zum Hasen“, später auch „Darmstädter Madonna“ genannt. Ihren Weltruhm verdankt die Tafel zu gleichen Teilen der genialen Bilderfindung Holbeins und einem Expertenstreit: Sie wurde fast perfekt kopiert, sodass unklar war, welches Gemälde das echte ist. Die Methoden, mit denen die Wahrheit ermittelt wurde, gelten heute als Grundlage der Kunstgeschichte. Über den Kaufpreis für dieses Werk schweigt die Sammlung Würth, er wird auf 50 Millionen Euro geschätzt.

Die Alten Meister

Der Kernbestand der Kollektion Alter Meister aus dem deutschen Südwesten bildet der 2003 von Reinhold Würth erworbene ehemals Fürstlich Fürstenbergische Bilderschatz Donaueschingen. Die kunst- und kulturgeschichtliche Bedeutung dieses Konvoluts ist alleine schon deswegen hoch einzuschätzen, weil der in Schwaben besonders radikal durchgeführte Bildersturm nur wenige Bilddokumente aus dieser Zeit übrig gelassen hat.

Erhalten haben sich zum Beispiel die phänomenale „Familie der Naturmenschen“ Lucas Cranachs des Älteren. Hervorzuheben sind auch ein um 1441 datiertes Konstanzer Bildnis des Ehepaares Wilhelm IV. Graf Schenk von Schenkenstein und Agnes Gräfin von Werdenberg-Trochtelfingen – das früheste bekannte Doppelporträt – und zahlreiche Bilder des Meisters von Meßkirch oder des Zürcher Veilchenmeisters. Dieser Bestand wurde mit Bildern und Skulpturen von Daniel Mauch, Tilman Riemenschneider, Hans Multscher, Lucas Cranach und anderen ergänzt.

Prominente Besucher

Die Johanniterkirche ist immer wieder Ziel von prominenten Gästen. Unter anderem wurde sie besucht von dem Schlagersänger Bill Ramsey, dem ehemaligen Außenminister Joschka Fischer, dem Friedensnobelpreisträger Kofi Annan und dem ehemaligen Bundespräsidenten Joachim Gauck.

Info Der zehnte Jahrestag der Johanniterkirche wird am Sonntag, 16. Dezember, mit einem Adventsnachmittag gefeiert: Bei einem Kinder-Familien-Workshop kann man ab 14 Uhr weihnachtliche Objekte gestalten. Um 15 Uhr leitet ein Rundgang kleine und große Besucher zu den Motiven der Weihnachtsgeschichte. Ab 16 Uhr singt im Hof der Johanniterkirche der Münchner Knabenchor Lieder zum Advent.
Die Johanniterkirche ist immer dienstags bis sonntags von 11 bis 17 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist frei.

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