Auch osteuropäische Spediteure, die Waren nach Deutschland liefern oder von dort holen, müssen ihren Fahrern den Mindestlohn von 8,50 Euro zahlen - das tun sie oft aber nicht, klagt der Branchenverband Camion Pro. Dadurch entsteht für die deutschen Transporteure zusätzlicher Marktdruck.

Günter Schmitt, Geschäftsführer der Vellberger Schmitt Logistik GmbH macht deutlich, wie relevant das Thema Mindestlohn im Transport- und Lagerwesen ist. Fahrten nach Osteuropa vergibt Schmitt durchaus auch an Subunternehmern, die ihren Sitz in den jeweiligen Ländern haben. Für die Zeit, in denen ausländische Fahrer in Deutschland unterwegs sind, ist der Mindestlohn zu bezahlen. Schmitt lässt sich von den Subunternehmern zwar bescheinigen, dass diese ihren Fahrern für die Zeit in Deutschland den Mindestlohn bezahlen. Kontrollieren lasse sich die Einhaltung allerdings nicht, so Günter Schmitt. So müssen die Spediteure, die ausländische Subunternehmer beauftragen, Verantwortung tragen für Umstände, die sich kaum prüfen lassen. Die Auftraggeber sind voll in der Haftung. Im Falle einer berechtigten Anzeige seien nicht nur Lohn und Sozialleistungen nachzuzahlen, sondern auch eine Geldbuße. Günter Schmitt erzählt davon, dass Versicherungen sogar schon Policen anbieten, mit denen sich absichern lässt, falls Subunternehmen den Mindestlohn nicht bezahlen.

Mindestlohn – im Ausland nicht konkurrenzfähig

Für die Michelfelder Hohl Spedition GmbH & Co. KG ist die osteuropäische Konkurrenz, die sich in Deutschland angeblich nicht um den Mindestlohn schert, ein unbedeutendes Thema. Hohl ist darauf spezialisiert, selbstfahrende Maschinen zu transportieren. In dieser Nische hat das Unternehmen, das rund 60 Mitarbeiter beschäftigt, ein weitgehendes Alleinstellungsmerkmal. Das Massengeschäft, in dem Palettenware von A nach B gefahren wird, spielt für Hohl keine große Rolle. "Wir sind kein Großverlader", betont ein Unternehmenssprecher der Spedition, die Standorte in Michelfeld sowie Schnelldorf hat.

Die Neuensteiner Hans Ihro GmbH ist mit mehr als 170 eigenen LKW auf Europas Straßen unterwegs. Geschäftsführer Kai Ihro macht keinen Hehl daraus, dass in seinem Unternehmen deutsche Fahrer nur in Deutschland und dem grenznahen Ausland fahren. Transporte in andere Länder vergibt Ihro entweder an dortige Spediteure oder an das eigene Tochterunternehmen in Tschechien. Lediglich bei Spezialtransporten fahren die Neuensteiner selbst - selbst bis in die Ukraine.

Kai Ihro geht davon aus, dass sich ausländische Speditionen den deutschen Mindestlohn nicht leisten können. Zu knapp sind deren Personalkosten kalkuliert. Ob sie ihn umgehen? Das sei schwer zu sagen.

Für Transporte aus Deutschland ins Ausland sieht Ihro drei Möglichkeiten: erst gar nicht annehmen; durch eine ausländische Tochter abwickeln; einen ausländischen Subunternehmer beschäftigen. Fahrten ins Ausland mit in Deutschland angestellten Fahrern, für die der Mindestlohn von 8,50 Euro gilt, seien viel zu teuer und damit nicht konkurrenzfähig. Der Branchenverband Camion Pro geht von einem Stundenlohn osteuropäischer Fahrer von zwei bis vier Euro aus.