Gaildorfer Naturstromspeicher Wirkungsvoller Wärmespeicher im Garten

Luis Deroi mit einem Wärmespeicher-Modul, das allerdings noch nicht in Betrieb ist. Es muss noch eingebaut und angeschlossen werden. Der 27-jährige aus Mittelbronn hat die neue Heiz- und Klimatechnik für die Naturspeicher GmbH entwickelt.
Luis Deroi mit einem Wärmespeicher-Modul, das allerdings noch nicht in Betrieb ist. Es muss noch eingebaut und angeschlossen werden. Der 27-jährige aus Mittelbronn hat die neue Heiz- und Klimatechnik für die Naturspeicher GmbH entwickelt. © Foto: Richard Färber
Ulm / Richard Färber 02.08.2018
Hübsch und überaus effizient: Der Naturwärmespeicher ist ein Nebenprodukt des Naturstromspeichers. Entwickelt wurde er von Luis Deroi aus Mittelbronn.

Mit Wasser, sagt Luis Deroi, sieht’s einfach besser aus. Der 27-jährige Energie- und Umwelttechniker geht vor einem kreisrunden Becken in die Hocke, in das ein weiteres flaches Becken eingefügt ist. Gerade hat er den Hahn aufgedreht, nun sprudelt das Wasser aus einem Gitter in der Mitte und fließt über den Rand ab. Um das Gitter herum leuchten drei symmetrisch angeordnete Quellsteine. Hübsch.

Die vermeintliche Kunst am Bau aber hat es in beziehungsweise unter sich. Zwei Meter tief ragt das Gebilde in die Tiefe. Es enthält verschiedene Zonen, durch die sich Wärmetauscher schlängeln. „Naturwärmespeicher“ wird die Anlage genannt, die, wenn sie erst in Betrieb ist, Umgebungsenergie aufnimmt, speichert, und je nach Bedarf als Wärme oder Kälte wieder abgibt.

Prototyp in Gaildorf

Das Naturwärmespeichermodul, das Luis Deroi vorführt, steht neben der neuen Halle der Naturspeicher GmbH bei Ulm – mit der Naturwärmespeicher-Technik wird später über eine angeschlossene Wärmepumpe das gesamte Gebäude klimatisiert. Einen Prototyp kann man auch bei der Münstermühle in Gaildorf bestaunen, bereits aktive Naturwärmespeicher bei diversen Bauherren in ganz Deutschland.

Luis Deroi stammt aus Abts­gmünd und lebt heute mit Frau und Tochter im Gschwender Teilort Mittelbronn. Im Prinzip hat er den Naturwärmespeicher erfunden, der Impuls dafür aber kam von Alexander Schechner, Naturspeicher-Geschäftsführer und geistiger Vater des Gaildorfer Naturstromspeichers.

Dort hatte Luis Deroi angerufen, als er auf der Suche nach einem Thema für seine Bachelorarbeit war. Schechner gab ihm zu verstehen, dass ihm die ungenutzte Wärmeenergie im Unterbecken des Gaildorfer Naturstromspeichers missfalle, und Deroi machte sich an die Arbeit.

Schechner mag solche Leute, und sie mögen ihn. Er unterstützt sie, fördert sie nach Kräften, gewährt ihnen die Freiräume, die sie benötigen. Und in der Regel wollen sie dann auch nie wieder weg – Deroi, der auch am Patent des Naturwärmespeichers beteiligt ist, arbeitet heute in der Entwicklungsabteilung.

Im Dezember 2014 hatte er begonnen, sich mit den theoretischen Grundlagen, der Energiebilanz von Gewässern zu befassen. Das Thema erwies sich freilich als ausgesprochen komplex, weshalb die Arbeitsgruppe „Aquatische Systeme“ an der Heidelberger Universität eingeschaltet wurde. Ein Mal die Woche kam Dr. Tillmann Kaudse von Heidelberg nach Ulm, um Deroi bei der Arbeit an den physikalischen Grundlagen zu unterstützen. Kosten und Aufwand nahm die Firma gerne in Kauf: „Wir hatten bemerkt, dass mehr dahinterstecken könnte“, sagt Deroi.

Bei diesem „mehr“ handelt es sich um enorme Energiemengen. Wenn Wasser sich aufheizt, wenn es sich abkühlt, wenn es gefriert – immer wird Energie frei. Und die wohl beeindruckendste Zahl steht auch in dem Prospekt, mit dem der Naturwärmespeicher beworben wird: „Ein  Liter Wasser, der von 80 °C auf 0 °C abgekühlt wird, setzt genauso viel Energie frei wie 0 °C kaltes Wasser, das zu Eis gefroren wird.“

Prädikat „top innovation“

Heißt: Auch bei hartem Frost hält der Naturwärmespeicher die Bude warm. Deutlich effizienter als die üblichen Luft-Wasser-Wärmepumpen sei dieses System, befand das pv-Magazine Deutschland, und verpasste der jungen Technologie, die sich freilich noch bewähren müsse, das Prädikat „top innovation“.

Zwischenzeitlich werden die Naturwärmespeichermodule in allen möglichen und auch kombinierbaren Ausführungen angeboten – vom 2,2 Meter großen Rundmodell mit einer maximalen Heizleistung von sechs Kilowatt über rechteckige Module bis zum 20 Meter durchmessenden Großmodul mit einer Heizleistung von bis zu 640 Kilowatt. Häuslesbauer sind ebenso potenzielle Abnehmer wie Großunternehmen. Etwa 400 Anlagen, schätzt Deroi, werde man pro Jahr produzieren können. Platz dafür gibt’s in der neuen Halle, in der auch die neuen PE-Rohre für Anlagen wie den Gaildorfer Naturstromspeicher hergestellt werden.

Auch dort könnten Naturwärmespeicher zum Einsatz kommen. In den Unterbecken gäbe es Platz und Wasser genug, um Nahwärme zu liefern. „Sektorkopplung“ nennt man das, wenn bislang getrennte Sektoren der Energiewirtschaft, in diesem Fall die Energie- und die Wärmeversorgung, miteinander vernetzt werden. Für Gaildorf wird diese Möglichkeit gerade untersucht. Zuständig ist der aus Schwendi stammende, 29-jährige Energieingenieur Martin Heffner. Er hatte sich an Schechner gewandt, weil er ein Bachelor-Thema suchte.

Aufgewachsen in Mittelbronn und Algishofen

Luis Deroi ist Pendler. Vom Gschwender Teilort Mittelbronn nach Ulm und wieder zurück, das ist sein täglicher Arbeitsweg. Der 27-Jährige arbeitet bei der Naturspeicher GmbH in der Entwicklung; zuvor hat er für seine Bachelorarbeit maßgeblich an der Entwicklung des Naturwärmespeichers mitgearbeitet. Geboren ist Deroi in Schwäbisch Gmünd, aufgewachsen zunächst in Mittelbronn bei Gschwend, dann in Algishofen im Kochertal. Er besuchte die Realschule in Abtsgmünd, anschließend das Berufskolleg in Aalen und schließlich die Technische Oberschule in Stuttgart. Sein Studium der Energie- und Umwelttechnik in Kempten führte ihn dann zur Naturspeicher GmbH. Luis Deroi ist verheiratet und hat eine eineinhalb Jahre alte Tochter. rif

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