Bühlerzell Die Kapelle ist auch Kirche

RAINER RICHTER 13.06.2014
Katholiken aus dem Bühlertal feiern am Sonntag das 150-jährige Bestehen der Dreifaltigkeitskapelle in Kammerstatt. Das Gotteshaus ist der ganze Stolz der Kammerstatter - viele helfen mit, es zu pflegen.

Wenn am Sonntag das 150-jährige Bestehen des Gotteshauses gefeiert wird, so erinnert man damit an das Wiedererstehen eines älteren Gebäudes. Die 1337 erstmals erwähnte Rodungssiedlung hat auf Grund der Nähe zu Ellwangen eine sehr alte und starke Tradition. Erst nachdem durch die Säkularisierung der Fürstpropstei im Gefolge der napoleonischen Kriege und des Rheinbundes Kammerstatt an das Haus Württemberg fiel, entstand ein Bruch. Die damit verbundene Umpfarreiung von Bühlertann nach Bühlerzell machte das Dorf mit damals zirka 40 Einwohnern zu einem Neuling in diesem Pfarrsprengel und so kam die alte Wegrandkapelle "in Abgang". Pfarrer Bernhard Staudacher formuliert damit, dass sie verfiel und unbrauchbar geworden war.

Aber nun die Kammerstätter! Albert Hägele, der im Rat der kirchlichen und der bürgerlichen Gemeinde gewesen war, ist ein Nachfahre der "Gutthäter" von 1848. Gutthäter sind wörtlich übersetzt gute Täter - vermögende Menschen, die sich durch Spenden von Frondiensten freikaufen. Sein Ururgroßvater Josef Hägele (1772-1855) hat die stattliche Summe von 100 Florentiner Gulden, deren jeweiliger Goldwert um die 3,5 Gramm angegeben wird, für einen Kapellenneubau gestiftet. Auch neun andere Einwohner stellten unterschiedlich hohe "Gaben an Geld" zur Verfügung und eine nicht namentlich genannte Anzahl weiterer "Naturalleistungen in unentgeldliche(n) Hand- oder Fuhrfrohnen. . ." So konnte Pfarrer Fuchs aus Bühlerzell die Initiative unterstützen. 1864 kam von Rottenburg dann die Baugenehmigung. Es sollte "ad libitum des Pfarrers die heilige Messe gelesen werden" können. Das findet heute noch einmal im Jahr statt. Weil auch die Eucharistie gefeiert wird, sei es eigentlich eine Kirche, so Staudacher. Schon 1848 hieß es, man sei "einzig auf den frommen Sinn" der Einwohner beschränkt. Das setzt sich bis heute fort: Immer eine Familie kümmert sich ein Jahr lang um Gebäude und Grundstück. Erika und Robert Stöcker tun dies im Jubiläumsjahr.

Wertvolle Skulpturen standen früher auf der Großcomburg

Die Innenausstattung ist reichlich und hat schon Begehrlichkeiten geweckt. Besonders fällt eine auf 1500 datierte Madonna auf der Mondsichel auf. Und die Dreifaltigkeitsgruppe hat mit ihrer Herkunft aus St. Nikolaus auf der Comburg auch eine verwegene Geschichte, wenn die Lesart der ausradierten Passage zutrifft - die Skulpturen wurden wohl einfach mitgenommen. Die eigenständigen und selbstbewussten Bürger von Kammerstatt haben dazu eine klare Position: Sie geben keinesfalls etwas her.

Albert Hägele ist sich bewusst, dass er zu den wenigen noch lebenden Zeitzeugen gehört, und er ist stolz auf die Kapelle. Sie stand früher auf staatlichem Boden. Folglich hätte der Staat für die Renovierung aufkommen müssen, das galt übrigens auch für die anderen Kapellen im Umfeld. Um zu regulieren, ist die Kapelle schließlich in den Besitz der Kirchengemeinde übergegangen. Es stimmt auch nicht, sagt er, dass die Kirche bei der letzten Renovierung 1968 einen Turm bekommen habe. Seines Wissens habe sie schon immer einen Turm gehabt. Am 21. Juli 1968 empfing die Glocke (100 Kilogramm schwer) ihre Weihe auf den Titel Dreifaltigkeit durch Kammerer Bosinger, Stadtpfarrer von Gaildorf. Die Glocke bekam ein elektrisches Läutwerk und der Turm musste deswegen innen verstärkt werden. Das habe wohl zu der fälschlichen Nachricht geführt, der Turm sei neu erbaut worden.

Info Die Kirchengemeinde Bühlerzell feiert am Sonntag, 15. Juni, das 150-jährige Bestehen der Dorfkapelle in Kammerstatt. Der Festgottesdienst beginnt um 10.15 Uhr. Anschließend gibt es Mittagstisch sowie Kaffee und Kuchen.