Freizeit Die Jahreskarte bringt der Osterhase

Ilshofen / Ute Schäfer 21.06.2018

Ein Riesenereignis war das damals für Unteraspach, Lore Ockert kann sich noch gut daran erinnern. Als vor 80 Jahren das Freibad eingeweiht wurde, war sie sieben Jahre alt. „Es gab ja noch keinen Fernseher. Das Bad war das Einzige, was man gehabt hat.“

Das Becken war damals als Feuerlöschteich und gleichzeitig als Sportstätte für die neu erbaute Schule geplant worden und Bürgermeister Bauer beantragte einen „Staatsbeitrag“ dafür. Der Förderantrag ist noch erhalten, Gemeinderat Marc Jourdan aus Unteraspach hat ihn und andere Dokumente aus den Tiefen der Archive gekramt.

In dem Antrag erklärt der Schultes, dass die Gemeinde die Gesamtkosten kaum selbst tragen könne. Denn schließlich belaufe sich der Abmangel im Haushaltsplan 1938 auf 10 600 Reichsmark. Die 2000 Reichsmark, die die Gemeinde für das Bad zahlen sollte, waren also viel Geld. Und eines bittet der Schultes das „Oberamt in Schulsachen“ auch zu bedenken, schreibt er nach Schwäbisch Hall: Die Aspacher hätten durch Eigenleistung und Stiftungen bereits mehr als die Hälfte der Gesamtkosten von 4700 Reichsmark aufgebracht.

Das ganze Dorf hilft mit

Dass das ganze Dorf mit Schaufel und Karren mitmachte, weiß auch Lore Ockert. Sie zeigt auf eine alte Fotografie, die viel Matsch, viele Arbeiter, viele Schaufeln und noch mehr Kinder zeigt. „Da bin ich vielleicht auch mit dabei.“ Bagger habe es damals natürlich nicht gegeben und einen Pferdekarren schon gar nicht. Der Abraum wurde mit Handkarren von der Baustelle gezogen.

Das neue Becken entstand an der Stelle, an der sich auch heute noch das Bad befindet. „Da standen auch ein Käschtelbaum und ein Schuppen“, erinnert sich Lore Ockert, und die neuen Umkleidekabinen waren Holzverschläge, vorne zu und hinten offen, „mit einer Stange, auf die man die Kleider hängen konnte“.

Viel Spaß habe man in Freibad gehabt, und selbst die Bauern seien abends nach dem Stall noch zum Abkühlen gekommen. „Man ist immer hingegangen. Selbst wenn es nach einem Gewitter noch geregnet hat.“

Das Wasser damals ist mit dem klaren und reinen Wasser von heute freilich nicht zu vergleichen. Denn es stammte wohl aus einem Bach und einer Quelle. Deshalb gab es im Becken, so erinnert sich Lore Ockert, auch jede Menge Frösche, Kaulquappen und Blutsauger. Den Kindern habe das freilich nichts ausgemacht. „Da ist keiner krank geworden. Erst als später das Chlor kam, sind sie mit roten Augen heimgekommen.“

Einbeiniger Bademeister

Einen Bademeister gab es damals auch, „ein kleines Männle“ war das. Wenn die Gerüchte wahr sind, die noch heute kursieren, habe der nur ein Bein gehabt, war mutmaßlich also kriegsversehrt. Er habe auch nicht schwimmen können, sagt man. Aber einen langen Stock habe er gehabt. Mit dem hätte er jeden rausziehen können. Das war aber wohl nie nötig. „Wir Kinder in Unteraspach haben natürlich alle schwimmen können“, so Lore Ockert.

Im Frühling war das Wasser natürlich noch vergleichsweise frisch – wenn auch nicht so kalt wie früher, als das Wasser überhaupt nicht geheizt wurde, sagt Schwimmmeister Walter Huber, der seit 1994 im Bad nach dem Rechten sieht. „Jetzt gibt es sogar warme Duschen.“ Die Solaranlage auf den Dächern macht‘s möglich.

Doch das Bad ist in die Jahre gekommen. Rund 2,5 Millionen Euro wird die Sanierung kosten. Der Gemeinderat hat dieser zwar zugestimmt, aber erst sollen Fördermittel beantragt und Geld im Haushaltsplan eingestellt werden. Deshalb versprüht die Anlage noch immer den Charme der 60er-Jahre. Damals wurde das Becken erneuert, das heute marode und undicht geworden ist.

Doch so schlimm wie davor sieht das Bad heute bei Weitem nicht aus. Das Becken war nach 30 Jahren nämlich völlig verschlammt und wurde neu gebaut. 1965 wurde dafür Geld beantragt, 1968 war das neue Bad fertig. Damit feiert Unteraspach zwei runde Geburtstage: 80 Jahre Freibad und 50 Jahre Wiedereröffnung.

„Die Leute hier sind stolz auf ihr Bad. Das merkt man überall“, bestätigt Marc Jourdan, der mit dem Bad aufgewachsen ist und dessen Kinder heute darin toben. „Die Jahreskarte bringt der Osterhase“, ergänzt seine Frau Kerstin, „das ist bei uns Tradition.“

Ein Fest für die Unteraspacher und ihr Bad

Die Unteraspacher lieben ihr Bad und stellten bei der Eingemeindung nach Ilshofen in den 1970er-Jahren diese Bedingung: Das Freibad muss auch in Zukunft im Dorf bleiben. Und das tut es nun auch lang­fristig. Der Gemeinderat hat entschieden: Das Bad wird saniert. Die Pläne eines möglicherweise günstigeren Neubaus an anderer Stelle sind damit vom Tisch. Deshalb kann Unteraspach am Samstag ab 11 Uhr beruhigt ein Freibadfest feiern. Selbst wenn das Wetter nicht zum Baden einlädt, gibt es abends eine Freibadhocketse. uts

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