Michelbach Die für den Hammel tanzen

Da geht’s rund am Sonntagnachmittag auf dem Hof der Familie Speck bei Hirschfelden – im wahrsten Sinn des Wortes: Die Teilnehmer des Hammellaufs umrunden das Tier, bis die Musik aufhört zu spielen.
Da geht’s rund am Sonntagnachmittag auf dem Hof der Familie Speck bei Hirschfelden – im wahrsten Sinn des Wortes: Die Teilnehmer des Hammellaufs umrunden das Tier, bis die Musik aufhört zu spielen. © Foto: Oliver Färber
Michelbach / Oliver Färber 29.08.2018
Traditionen werden in Michelbach hoch gehalten: Bei der Sichelhenket veranstaltet der Gesangverein einen Hammellauf.

Gemütlich geht es am Sonntag auf dem Hof der Familie Speck bei Hirschfelden zu. Viele Besucher sind gekommen, wollen bei der Sichelhenket des Michelbacher Gesangvereins dabei sein. Schon morgens sind etliche Gäste da, nehmen am Gottesdienst teil. Danach wird geschlemmt – der Teil der Tradition, der sich bis heute zum Ende der Ernte erhalten hat.

Am Nachmittag lebt eine weitere Tradition wieder auf: der Hammellauf. Auch wenn der Name zunächst verwirrt: Es ist schließlich kein Wettkampf für die Vierbeiner. Anderswo wird das Spektakel Hammeltanz genannt – auch das führt auf die falsche Fährte, weil weder Hammel noch Menschen tanzen. Immerhin steht ein Schäfer mit seinem Tier mitten auf dem Hof. Drum herum stellen sich die Teilnehmer, die ihre Gebühr bezahlt haben, paarweise im Kreis auf.

Dann gibt’s Livemusik vom Akkordeon. Getanzt wird aber trotzdem nicht, nicht einmal gelaufen – sondern geschritten. Die Paare gehen im Kreis, drei Blumen­sträuße sind auf sie verteilt. Während des „Rundgangs“ wird an bestimmten Stellen der Strauß an das Paar dahinter weitergegeben. Und das, solange noch Musik erklingt.

Nach ein paar Minuten verstummt sie. Ein junger Mann, bei dem gerade einer der Sträuße angekommen ist, schreit spontan: „Jetzt haben wir ihn auch noch.“

Doch der Zettel, der zwischen den Blumen versteckt ist, weist auf Platz zwei hin. Die Familie Motzer hat am Ende den Hammel gewonnen. Und das bereits zum zweiten Mal.

Traditionelles Fest zum Ende der Ernte wird bis Mittwoch gefeiert

Die Sichelhenket geht auf das älteste und wichtigste Erntewerkzeug längst vergangener Zeiten zurück: eine konkav gekrümmte Klinge an einem hölzernen Handgriff, die sogenannte Sichel. Mit ihr wurde bis zur Erfindung der Sense im 13. Jahrhundert alles Getreide geschnitten.

Am Ende der Getreideernte wurden die Sicheln nach und nach wieder an ihren Platz in der Scheune, auf die an der Wand angebrachten Holzhaken, gehängt. Waren alle Haken besetzt, war die Ernte für alle sichtbar abgeschlossen. Diese Sichelhenket wurde traditionell noch am selben Abend mit Most, Wurst, Kuchen und ausgelassenem Tanz auf dem Hof gefeiert. Auch am Mittwoch wird meist zum Ende der Ernte gefeiert.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel