Schule Schule am Langen Graben verabschiedet Rektorin

Die Schüler überreichen Gabriele Schindler eine „Ruhestandstüte“.
Die Schüler überreichen Gabriele Schindler eine „Ruhestandstüte“. © Foto: Ufuk Arslan
Schwäbisch Hall / Monika Everling 18.07.2018
Die Pädagogin liebt an ihrer Schule, dass die Kinder aus so vielen Kulturkreisen kommen.

Vielleicht kann sich Gabriele Schindler bald einen Traum erfüllen: ein Archäologie-Studium. Aus Hall will sie dafür aber nicht wegziehen. Als Fernstudium wird es nur in Leicester/England angeboten. Ob sie die dann erforderlichen Reisen dorthin auf sich nehmen will, oder ob sie sich einfach wie bisher ohne formelles Studium in der Archäologie weiterbildet, ist noch nicht entschieden. Doch eines ist sicher: Ihr Berufsleben endet in Kürze.

„Ich gehe gelassen in den Ruhestand“, sagt die Noch-Schulleiterin der Grundschule am Langen Graben in Hall. Sie hat viele Ideen, womit sie sich beschäftigen kann. Fehlen werde ihr die Internationalität, die an ihrer Schule herrscht. Doch auch da hat sie schon einen Plan: Sie würde gerne in der Erwachsenenbildung Deutsch-Unterricht geben. Dann wäre sie wieder von Menschen aus verschiedenen Kulturkreisen umgeben.

Gabriele Schindler ist in der Region bekannt als Gründerin und Leiterin der Haller Kinderakademie zur Förderung hochbegabter Grundschüler. Sie hat diese Akademie vor 15 Jahren in Sulzdorf ins Leben gerufen und zwei Jahre später in Hall weitergeführt. Aber ihr liegen nicht nur die Hochbegabten am Herzen: „Bei der Inhomogenität unserer Klassen ist es wichtig, genau hinzuschauen, was jeder Schüler an Förderung braucht. Ich möchte jedes Kind zum individuellen Erfolg bringen. Da kann es auch richtig sein, ein Kind an die Förderschule zu vermitteln, wenn es bei uns nur Misserfolge erlebt.“ Am Langen Graben ist das kein großer Schritt: Die Friedensbergschule ist nebenan, die Zusammenarbeit ist sehr gut.

Was für die Schüler gilt, gilt auch für die Lehrer: „Als meine Aufgabe habe ich immer angesehen, den Menschen einen Rahmen zu geben, in dem sie eigene Ideen entwickeln können.“ Das habe sie in ihrem Aufbaustudium Erwachsenenbildung gelernt. Was war ihre Motivation, Schulleiterin zu werden? Gabriele Schindler zögert ein bisschen, dann sagt sie: „Es gibt positive Vorbilder, aber auch negative. Ich habe mehrere Schulleiter erlebt, und manchmal wollte ich etwas besser machen. Ich wollte die Menschen in ihren Fähigkeiten sehen. Ich muss nicht alles steuern, sondern ich will die richtigen Leute zusammenbringen, damit etwas Gutes entsteht.“

Aber darüber, wie ihre Verabschiedung ablaufen sollte, wollte Schindler doch mitreden. „Mir war es wichtig, dass die Kinder im Mittelpunkt stehen.“ Deshalb sollte das Schulfest den Rahmen bilden. Und sie wollte keine Geschenke – damit konnte sie sich allerdings nicht durchsetzen.

Zu feiern gab es am Freitag viel: 135 Jahre Grundschule am Langen Graben, 15 Jahre Hector-Kinderakademie, 10 Jahre Förderverein der Grundschule, 10 Jahre Ganztagsschule und schließlich der Abschied von der Schulleiterin, die 14 Jahre an der Schule wirkte.

„Kein schöner Land in dieser Zeit/als hier das unsre weit und breit,/da wir uns finden/wohl unter Linden/zur Abendzeit“: Dieses Lied hat sich Gabriele Schindler gewünscht. Und tatsächlich versammelt sich die Schulgemeinschaft unter Linden. Die Redner würdigen die Entwicklung der Schule. Die Kinderakademie, der Förderverein, die Ganztagsschule, die jetzt von etwa 70 Prozent der knapp 110 Kinder genutzt wird: All das ist in der Zeit entstanden, in der Schindler Rektorin war. Zudem „ein traumhafter Schulgarten mit schuleigenen Bienen“, lobt Schulrätin Karla Beer – auch das ein Werk der Gartenliebhaberin Schindler. Und es gibt seit vier Jahren ein besonderes Angebot: Ein englischsprachiger Mitarbeiter ist jeden Tag von 10 bis 15 Uhr an der Schule und spricht mit den Kindern nur Englisch.

Die Schüler haben Bilder gemalt, auf denen die verschiedenen Aufgaben der Schulleiterin dargestellt sind. Gemeinderat Hartmut Baumann, der den Oberbürgermeister vertritt, wurde selbst 1955 am Langen Graben eingeschult. Er erinnert sich an „Tatzen“, also Schläge auf die Hand, mit dem Geigenbogen. Diesen Zeiten weint wohl niemand der Anwesenden nach.

Joachim Kern vom Gymnasium bei St. Michael hat bei seinem Gruß den Roboter Nao dabei, den die Kinderakademie finanziert hat. Weitere Reden kommen von Rona Knauß von der Kinderakademie, Sabine Reiter, Schulleiterin der Friedensbergschule, und Barbara Brinkmann-Pastille vom Förderverein. Elternbeiratsvorsitzende Silvia Wagner moderiert die Veranstaltung. Ein Ensemble aus Haller Rektoren und ein Chor der zehn Lehrerinnen und eines Lehrers der Grundschule singen Lieder. Gabriele Schindler hat für ihre Dankesworte einen Webrahmen: „So ist alles miteinander verwoben. Die Arbeit ist mit Absicht nicht fertig, Sie alle sollen nun weiterweben“, sagt sie.

Archäologie, der Garten und Malen als Hobby

Gabriele Schindler wurde 1953 in Schwäbisch Hall geboren. Sie ist in Mainhardt aufgewachsen und hat das Haller Mädchengymnasium im Haal besucht. Nach dem Abitur studierte sie an der Pädagogischen Hochschule Ludwigsburg Deutsch und Kunst. Sie war Lehrerin an der Grundschule Rosengarten, in Schwäbisch Hall an der Friedensbergschule, der Sprachheilschule und an der Grundschule Sulzdorf. Dort gründete sie die Kinderakademie, die sie später mit nach Schwäbisch Hall nahm. Berufsbegleitend studierte sie Erwachsenenbildung. 2004 wurde sie kommissarische Schulleiterin der Langen-Graben-Grundschule, 2005 Schulleiterin. Gabriele Schindler hat eine Tochter. In ihrer Freizeit beschäftigt sie sich mit Archäologie, Architektur und mit ihrem Garten, sie liest gerne englische Literatur und sie malt.

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