Bühlertann/Bühlerzell Die gemeinsame Sache rechnet sich

Bühlertann/Bühlerzell / Sigrid Bauer 13.02.2018
Bühlertann und Bühlerzell wollen ihre Zusammenarbeit in der Verwaltung ausbauen.

Beide Bühlertalgemeinden stellen zum 1. Januar 2019 auf das neue Kommunale Haushaltsrecht, die Doppik, um. Dafür sind neben Fortbildungen der Kämmerer zeitaufwendige Vorbereitungen notwendig. Auch nach der Einführung sei der Aufwand deutlich höher als bisher, sagt etwa Jonathan Richter, Kämmerer aus Obersontheim, wo Anfang 2018 die Doppik eingeführt wurde. Bühlertann und Bühlerzell lassen derzeit untersuchen, wo in den Bereichen Finanzwesen, Kasse, Haupt- und Bauamt grundsätzlich eine Zusammenarbeit möglich wäre.

Standesämter helfen sich aus

Vorreiter im Kreis waren die beiden Gemeinden laut Bühlertanns Bürgermeister Michael Dambacher im Standesamt: „Im Krankheits- oder Urlaubsfall übernehmen die Standesbeamten der Nachbargemeinden die Standesamtsaufgaben. Meist geht es um Sterbefälle.“ Seit Jahrzehnten führen die beiden Gemeinden eine gemeinsame Werk­realschule und ehemalige Hauptschule im Nachbarschaftsverband. „Die Grundschule Büh­lertann unterstützt derzeit auch die Grundschule Bühlerzell/Geifertshofen mit Lehrkräften und in der Leitung“, so Bühlerzells Bürgermeister Thomas Botschek.

Mit Obersontheim zusammen bilden die Gemeinden einen Verwaltungsverband. Der hat etwa die letzten Jahre die Windkraftflächen geplant. Außerdem haben sie auf Obersontheimer Gemarkung ein gemeinsames Gewerbegebiet und seit 1924 einen Zweckverband zur Wasserversorgung.

Auch die Feuerwehren der drei Gemeinden unterstützen sich gegenseitig bei größeren Einsätzen. „In bestimmten Situationen werden die Nachbarwehren automatisch mit alarmiert“, so der Obersontheimer Kommandant Jürgen Lerner. Selbstverständlich sind auch gemeinsame Übungen und Fortbildungen. Auch eine zentrale Feuerwehr für das obere Bühlertal kann sich Lerner vorstellen.

Seit 1975 arbeiten Hall, Michelbach, Michelfeld und Rosengarten als Vereinbarte Verwaltungsgemeinschaft in der Bauleitplanung zusammen, weshalb sie etwa die Windkraftflächen gemeinsam ausgewiesen haben und ihre Siedlungsentwicklung aufeinander abstimmen. Weitere Kooperationen gibt es beim Schulzentrum West. So können die kleineren Gemeinden auf weiterführende Schulen verzichten. „Für uns ist das aus heutiger Sicht ein Segen“, meint Michelfelds Bürgermeister Wolfgang Binnig. Der Gewerbepark West ist ebenso ein interkommunales Projekt von Hall, Michelfeld und Rosengarten. Auch beim Lärmaktionsplan, der zu Lärmschutzmaßnahmen führen soll, könnte eine Kooperation sinnvoll sein. Überlegungen dazu bestätigen Franziska Hof, Pressesprecherin von Hall, und Wolfgang Binnig.

Rosengarten und Michelfeld haben seit 1929 eine gemeinsame Wasserversorgung. Partner sind heute außerdem Hall und Mainhardt. Beide Kommunen erhalten Teile ihres Trinkwassers von der Biberwasserversorgungsgruppe. Auch bei der Abwasserklärung arbeiten Rosengarten und Michelfeld zusammen. Michelfeld leitet seine Abwässer in die Kläranlage Biberstal in Rieden, einen Teilort von Rosengarten. Der Haller Stadtteil Bibersfeld entwässert ebenso dorthin. Erst kürzlich haben Michelfeld und Rosengarten vereinbart, sich im Personenstandswesen zu vertreten.

Höhere Förderung vom Land

Auch Braunsbach und Untermünkheim kooperieren in diesem Bereich. Mit Kupferzell und Braunsbach hat Untermünkheim eine gemeinsame Wasserversorgung. Bei Ausschreibungen und Beschaffungen etwa für die Feuerwehr, für Strom oder Bauhoffahrzeuge schließen sich die Gemeinden so oft wie möglich zusammen, um gute Preise zu erzielen. Die Kochergemeinde plant mit Braunsbach ein gemeinsames Gewerbegebiet und mit Kupferzell die Breitbandversorgung. Das hat der Verwaltungsverband Ilshofen-Vellberg-Wolpertshausen schon hinter sich. „Durch die interkommunale Zusammenarbeit haben wir für die Breitbandplanung der drei Kommunen eine höhere Förderung vom Land erhalten“, erklärt Vellbergs Bürgermeisterin Ute Zoll.

Alle befragten Gemeinden betonen den Nutzen der Kooperationen. Jürgen König, Bürgermeister von Rosengarten, bringt es auf den Punkt: „Es ergeben sich wirtschaftliche, organisatorische und personelle Vorteile.“

Das Landratsamt gibt Rückendeckung

Warum wird die interkommunale Zusammenarbeit immer wichtiger? Die Fülle an kommunalen Aufgaben nimmt zu, die Anforderungen werden komplexer. Die Finanzmittel­ausstattung steigt dagegen nur unterproportional, hinzu kommt die demografische Komponente. Um die stetige Aufgabenerfüllung trotzdem sicherzustellen, kann die Zusammenarbeit mit anderen Kommunen ein geeignetes Mittel sein. Überdies kann eine wirtschaftliche oder technische Verbesserung einer kommunalen Leistung durch die Nutzung erzeugter Synergieeffekte erreicht werden.

Welche Bereiche sind dafür geeignet? Interkommunale Zusammenarbeit ist grundsätzlich in allen Aufgabenbereichen der Kommunen möglich.

Die Fragen beantwortete Steffen Baumgartner. Er ist Leiter des Stabs Landrat und Kommunalaufsicht. siba