Gartenserie Die Gärten von Bullingers: blühende Wunderwerke

Untermünkheim / Elisabeth Schweikert 25.07.2018
Im Garten finden viele Landfrauen Raum und Zeit für etwas Eigenes, für Schönes. In Untermünkheim-Kupfer sind in den Anlagen von Emmi und Hermine Bullinger zwei besonders schöne Werke zu bestaunen.

Gartenarbeit begleitet Bäuerinnen ihr Leben lang. Meist ist die Beziehung eine innige. Im Garten finden viele Landfrauen Raum und Zeit für etwas Eigenes, für Schönes. Viele bringen in die Gestaltung der Hausgärten ihre kreative Schöpferkraft ein. In Untermünkheim-Kupfer sind in den Anlagen von Emmi und Hermine Bullinger zwei besonders schöne Werke zu bestaunen. Die Gärten der beiden Frauen sind so unterschiedlich, wie die beiden Persönlichkeiten auch. Und: Die Gärten lassen sich nicht etikettieren – es sind keine klassischen Hohenloher Bauerngärten, auch wenn einzelne Elemente dieser Gartenform zu finden sind. Beide Gärten sind über Jahrzehnte hinweg von den beiden Frauen entwickelt worden.

Vor mehr als 40 Jahren hat Hermine Bullinger (91) mit der Neugestaltung ihres Blumengartens begonnen. Bis dahin prägten Büsche und Sträucher den Hausgarten, gaben Bäume die Struktur vor. Ihr schwebte etwas anderes vor, es sollte blühen. Sie sägte ab, grub die Baumstümpfe aus, holte mit dem Schubkarren  Erde, schleppte Sand- und Bruchsteine herbei, um Terrassen anzulegen, um Blumenrabatten gestalten zu können. Selbst ist die Frau – auch heute noch: „Was ich noch selber machen kann, mache ich.“

Was beim Flanieren durch Hermine Bullingers Staudengarten auffällt: Sie gibt jeder einzelnen Pflanze Raum. Sie setzt nicht drei oder fünf gleiche Arten, um ein großflächiges Bild zu gestalten. Bei ihr kommt jede Staude, jede Rose, jedes Kräutlein abgegrenzt für sich zur Geltung. Im Zwischenraum findet sich nicht ein Unkraut, alles ist  picobello gepflegt. „Die einzelne Pflanze ist das Entscheidende“, erklärt die Seniorin. Auffallend auch: Durch geschickte Kombination von hohen und niederen Pflanzen, von verschiedenem Laub, unterschiedlichen Farben ergibt sich ein stimmiges Gesamtbild. Auch sind etliche botanische Besonderheiten zu finden, der Reiherschnabel beispielsweise oder Artemisa. Über den blühenden Astern und Echinacea summt es und brummt es, flattern zahlreiche Schmetterlinge. Die Blumen ziehen viele Insekten an.

Ein wogendes Blumenmeer

Einige Stufen und einen Gartenzaun weiter beginnt das Refugium, das Emmi Bullinger, Schwiegertochter von Hermine Bullinger, gestaltet hat. Es ist ein Blumenmeer. Das hat einen Grund: Emmi Bullingers Großmutter hatte immer dafür gesorgt, dass Blumensträuße im Haus waren. „Das habe ich bei der Oma abgeschaut.“ Sonntagvormittag, wenn sie von der Kirche heimkommt, schneidet sie einen Wäschekorb voller Blumen und füllt sechs Blumenvasen. „Das ist ein Ritual bei mir.“

Dass in dem Garten wöchentlich große Mengen Blumen geschnitten werden, sieht man nicht. In üppiger Fülle  wuchern riesige rosa und weiß blühende Hortensien, zig Rosen klettern die Hauswände hoch. Lilien, Taglilien, Herbstanemonen oder Echinacea blühen in buntem und doch gestaltetem Durcheinander. Kräuter wie Ysop, Ziest oder eine gut einen Meter hohe Katzenminze. Auch bei ihr wachsen Besonderheiten wie etwa der vielblütige Entenfelberich, der zahlreiche Schmetterlinge und Insekten anzieht. „Alle zwei Jahre fahren wir zum Gaißmayer nach Illertissen und kaufen ein“, verrät Emmi Bullinger die Herkunft der Raritäten. Später zeigt sie den Katalog der Staudengärtnerei – er ist voller Notizen.

Emmi Bullinger, die mit ihrem Mann Johannisbeeren zur Saftgewinnung anbaut, berichtet über das Werden ihres Gartens: „Das war ein ganz langsamer Prozess.“ Ihr Rat für alle Gartenneulinge: Unkraut von Anfang an beseitigen. „Wenn sich das erst einmal etabliert hat, hat man verloren.“

Tipp: Eine Wiese für Insekten anlegen

„Es muss nicht immer Rasen sein“, sagt Armin Hauenstein, Landschaftsarchitekt, der in Untermünkheim-Schönenberg lebt. Auf der früheren, mit Bruchsteinen befestigten Hoffläche seines ehemaligen Bauernhauses hat er zunächst Schotter und Sand aufgebracht, dann fünf Zentimeter Erde, auf der er Magerrasen ausgesät hat. Am Rande der Wiese setzte er zahlreiche Zwiebelblumen wie Scilla, Wildnarzissen, Anemonen, Traubenhyazinthen und Schachbrettblumen. Diese haben sich inzwischen auf der Wiese stark vermehrt. sel

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