Tradition Die Gärten auf dem schönen Berg

Untermünkheim / Elisabeth Schweikert 01.09.2018

Der heutige Vorschlag für einen Sonntagsspaziergang soll aufs Land führen. Untermünkheim-­Schönenberg hatte 1990 bundesweit den ersten Preis im Wettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“ gewonnen. Vieles von den Gestaltungselementen, die seinerzeit in dem eh’ schon schmucken Dorf umgesetzt wurden, sind immer noch vorhanden. Teilweise ent­falten sie, weil beispielsweise die Bäume eingewachsen sind, erst jetzt, nach 30 Jahren, ihre ganze Pracht. Durch das Dorf führen ­Armin Hauenstein (85) und Frieder Krumrein (77). Landschaftsarchitekt Hauenstein, der vor fast 40 Jahren die Landesgartenschau in Schwäbisch Hall gestaltet hat, ist das ganz besondere Ortsbild zu verdanken. Er lebt in Schönenberg und ist in die Dorfgemeinschaft eingebunden. Frieder Krumrein wiederum ist Ortschronist der Gemeinde, hat zahlreiche Broschüren und Bücher über Untermünkheim und seine Teilorte veröffentlicht.

Reiche Bauern auf der Höhe

Die Bauern in Schönenberg gehörten schon immer zu den wohlhabenden in Hohenlohe. Bereits im 18. und 19. Jahrhundert bauten sie prächtige Wohnhäuser und Stallungen, berichtet Frieder Krumrein.

Das Dorf blieb von der Zerstörung im Zweiten Weltkrieg verschont, und in den darauffolgenden Jahrzehnten wurden Gebäude errichtet, die ins Ortsbild passen. Alles Faktoren, die mit dafür sorgten, dass in Schönenberg das Hohenloher Bauernmuseum gegründet wurde, der Ursprung des heutigen Freilandmuseums in Wackershofen. Den Schönenbergern, so Krumrein und Hauenstein übereinstimmend, war zum Schluss der Rummel im Ort zu groß. Auch reichte der Platz nicht für die notwendigen Erweiterungsflächen für ein Freilandmuseum.

Dass Schönenberg ein Bilderbuch-Dorf ist, hängt damit zusammen, dass die Landwirtschaft noch eine Rolle spielt. Die Wiesen und Felder auf dem schönen Berg rund um den Weiler werden von den örtlichen Bauern genutzt. Familie Engelhardt baut Bio-Gemüse an, die Familie Stier hält Milchvieh und die Familie Horlacher Geflügel. Dass rund um den Ort die Streuobstwiesen gepflegt und neue angelegt werden, ist ­unter anderem Karl Müller zu verdanken. Er stellt aus den Hohenloher Obstsorten Edelbrände her.

Walnüsse als Hofbäume

Auch sonst gibt es in Schönenberg Gestaltungselemente, die in anderen Dörfern verloren gegangen sind. So blieb vom Haus Hauenstein bis zum gegenüberliegenden Hof Otterbach die alte Stromleitung auf dem Dach stehen. „Dort versammeln sich im Spätsommer Hunderte von Schwalben, bevor sie in den Süden ziehen“, berichtet Hauenstein. Geblieben sind in vielen Höfen die Hausbäume. „Die Schönenberger haben Nussbäume als Hofbäume“, berichtet Hauenstein. Zehn bis zwölf der großen Bäume stehen im Dorf. „Der Ertrag war wichtig, und man sitzt gut unter ihnen. Mücken mögen die Ausdünstungen der Blätter nicht und bleiben fern.“ Bemerkenswert auch: Während sonst in vielen Dörfern auf dem Platz, an dem früher die Mistgruben standen, jetzt Autos parken, blühen in Schönenberg Blumen in großen Vorgärten.

Besitzer gehen, Hofname bleibt

Beim Gang durch den Ort fallen Tafeln aus Sandstein auf, die an jedem der Häuser angebracht ist. „Cäschper seit 1701“ steht beispielsweise drauf oder „Saama  seit 1872“. Es sind die Hofnamen, die teilweise noch heute verwendet werden. Hofnamen haben nichts mit den Namen der heutigen Bewohner zu tun, der Name liegt auf dem Hof. Geprägt wurde er meist von einem Vorbesitzer. So lautet der Hofname der Familie Engelhardt beispielsweise „Ranzabaur“ – und das schon seit 1672. „Die Höfe wurde früher immer als Ganzes weiterverkauft oder vererbt“, berichtet Frieder Krumrein. Ein Grund dafür war auch, dass so die Eigentümer – im Fall von Schönenberg die Stadt Schwäbisch Hall – die Abgaben, die auf dem Hof lagen, nur von einem Erben oder Käufer einfordern wollte. Erst 1806, als Hohenlohe württembergisch wurde, wurde die Abgabenpflicht durch die Grundsteuer abgelöst.

Der Weg führt vorbei an der öffentlichen Waage und der Festscheune. Am Ortsende geht es nach Westen über die Felder bis zur früheren Allmende, die heute aufgeforstet ist. Über einen Grasweg am Hangrand und den Kirchweg geht’s wieder zurück.

Wandern oder Flanieren: beides ist möglich

Ein circa 40-minütiger Spaziergang ist auf der Höhe in Schönenberg möglich. Der Weg führt die Hauptstraße entlang, über die Allmende und einen Grasweg am Waldrand. Über den letzten oberen Teil des Kirchwegs geht’s zurück.

Für eine etwa 1,5 Stunden lange Wanderung bietet es sich an, in Enslingen den Kirchweg hochzugehen. Er startet oberhalb der Schulgasse und ist ausgeschildert. Der Zugang liegt etwas versteckt an der Seite eines am Ortsrand liegenden Hauses. Eine Einkehr ist in der Krone Enslingen möglich oder in Untermünkheim im Café Wolf, der alten Küferei oder  der Traube. sel

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel