Bühne Die Frauen wenden alles zum Guten

Das Chiemgauer Volkstheater unterhält mit „Der Kartlbauer“ in der Kulturscheune in Schwäbisch Hall.
Das Chiemgauer Volkstheater unterhält mit „Der Kartlbauer“ in der Kulturscheune in Schwäbisch Hall. © Foto: Ufuk Arslan
Schwäbisch Hall / Ursula Richter 14.03.2018

Der bäuerliche Schwank „Der Kartlbauer“ von Ralph Wallner spielt im Ess- und Wohnraum der Familie Kirchbauer. Anna, die Schwester des Bauern, wird von Kristina Helfrich gespielt. Die Familie Helfrich leitet das Volkstheater. Bernd Helfrich ist erfolgreicher Autor von zahlreichen Volkstheaterstücken.

Den ersten Dialog des Abends führen Anna und Gustl, der Knecht. Max Held spielt ihn souverän, sympathisch und ohne die traditionellen Attribute dieses Rollentyps. Er ist groß, gutaussehend, vernünftig und gefühlvoll und bekommt am Ende völlig verdient seine Anna.

Der erste Lacher erfolgt zwei Minuten, nachdem eine Kuhglocke den 1. Akt eröffnet hat. Natürlich wird im bayerischen Dialekt gesprochen. Es ist eine Art Bühnenbayerisch. Und es gibt wie im Schwäbischen nur zwei Zeiten, das Präsens und das Perfekt. Der Kartlbauer ist ein Weiberfeind, seit ihm seine Freundin weggelaufen ist. Genauer gesagt ist er einer, der auf keinen Fall heiraten will. Aber er liebt halt auch das Kartenspiel und gewagte Einsätze, obwohl er meistens verliert. In drei Kartenspielen mit dem Großbauern Bachmeier (Rupert Pointvogl) verschlechtert er seine Lage systematisch. Erst verliert er und soll Afra, die Stieftochter Bachmeiers, heiraten.

Junggesellenstand verspielt

Spielschulden sind zwar Ehrenschulden, aber nachdem Afra zur Freude des Publikums die Bühne betreten hat, ist jedem klar, dass das hart wird. Die hübsche Schauspielerin Simona Mai erläutert ihre Rolle so: „I bin leida bläd. Sogt da Vater. Deswegen derf i a imma bloß zum Gartentürl geh und ned weida, weil d’Leid sunst merken, dass i bläd bin.“ Mona Freiberg erzielt in ihrer Inszenierung mit einfachen Mitteln eine überzeugende Wirkung. Den Mund immer halb offen, die Augen oft aufgerissen, eine schlechte Körperhaltung mit leichtem Buckel, die Hände verdreht, spricht Afra langsam und wiederholt sich oft.

Dass ihr der große Hof eigentlich gehört, wendet die Handlung. Dabei greift Zenzi, die von Mona Freiberg gespielte resolute und vertratschte Pfarrersköchin, ein. Denn mit Nicola Pendelin als Aushilfsmagd Christl Moser bekommt Afra Konkurrenz. Im zweiten Kartenspiel verspielt Martin Kirchbauer (Tom Mandl) zwar auch sie. Bachmeier möchte sie heiraten, gewinnt aber dann auch das dritte Spiel und Anna. Damit eskaliert die Situation, und nach der Pause fragen sich alle, wie der Knoten gelöst wird.

Die Frauen wenden es zum Guten. Denn Afra ist nicht nur „bläd“, sondern „a bissl reicher wie ihr alle mitanand“. Den Besitz hat sie von ihrer Mutter geerbt, ihr Stiefvater verwaltet alles, bis sie 18 Jahre alt ist. „Wie alt bist?“ „28.“ „Und ist des mehr oder weniger?“ Das weiß sie nicht. Aber Anna und Zenzi wissen es, und dass der Bachmeier nicht um etwas spielen kann, das ihm nicht gehört. Das ganze, etwas windig aufgebaute Kartenhaus fällt zusammen, und am Schluss richtet es Zenzi mit einem Kartenspiel: „Und wenn du verlierst, nimmst du nie mehr eine Karte in die Hand und heiratest die Christl.“ Die wollte er schon seit dem 2. Akt, und die Anna bekommt ihren Gustl und alles, alles wird gut. Das Publikum hat sich amüsiert und klatscht.

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