Schwäbisch Hall Die einzige Grenze ist die Fantasie

Am Boden geblieben und ein Familienmensch: Wenn Kolja Hübschmann (links) nicht gerade mit Filmemachen oder Studium beschäftigt ist, verbringt er seine Zeit gerne mit seiner Familie, unter anderem mit seinem jüngeren Bruder Nico.
Am Boden geblieben und ein Familienmensch: Wenn Kolja Hübschmann (links) nicht gerade mit Filmemachen oder Studium beschäftigt ist, verbringt er seine Zeit gerne mit seiner Familie, unter anderem mit seinem jüngeren Bruder Nico. © Foto: privat
Schwäbisch Hall / Kerstin Vlcek 07.06.2018
Der Haller Kolja Hübschmann arbeitet in der Visual-Effects-Branche und hat bei Kinofilmen wie „The Avengers: Invinity War“ und „Jim Knopf“ mitgewirkt. Er erzählt von seiner Motivation und seinen Zielen.

Hey, du stehst im Abspann’, haben mir rund zehn Freunde geschrieben“, erzählt Kolja Hübsch­mann von den Reaktionen auf den Marvel-Film „The Avengers: Infinity War“. Der gebürtige Haller ist in der Visual-Effects-Branche tätig und hat bei dem Film mitgearbeitet. „Das war einfach megagenial“, erinnert er sich zurück.

Dass er „irgendetwas mit Film“ machen möchte, war Hübsch­mann schon in der Schule klar. Er besuchte die Waldorfschule in Hall, an der Kunst eine wichtige Rolle spielte. Aber nicht mit Computerunterstützung, wie er sagt. „Ich war als Kind rebellisch und deswegen wollte ich unbedingt das Theaterstück ‚Faust’ mit Effekten unterstützen.“ Er hat die Menschen wie Geister aussehen lassen. „Das kam sehr gut an, wenn ich mich richtig erinnere“, meint er lachend.

Von seiner Mutter, die ihn alleine großgezogen hat, hat Hübsch­mann viel Unterstützung für seinen Berufswunsch erfahren. „Sie hat mir eingebläut, dass ich alles schaffen kann, aber finanziell auf den eigenen Beinen stehen muss.“ Bevor der 29-Jährige in der Filmbranche Fuß fassen konnte, hat er eine Ausbildung zum Hörgeräteakustiker gemacht. „Film war aber nach wie vor meine große Leidenschaft.“ Immer wieder hat er Filme gedreht. Zum Beispiel Videopromotions für Festivals, Trailer für die Schwäbisch Hall Unicorns oder hat beim Filmprojekt „Statistisch gesehen ist der Weihnachtsmann eine Frau“ des Jugendensembles der Freilichtspiele mitgewirkt.

„Wir brauchten Schnee für den Film, den es da aber nicht gab. Ich habe ihn dann hinterher reingemacht“, erzählt er, obwohl er damals davon noch keine Ahnung hatte. „Ich habe es einfach gemacht.“

Sein Wunsch war es auch, an einer Filmakademie zu studieren. „Ich wurde aber nicht angenommen.“ Ein weiteres Jahr wollte er nicht warten und deshalb entschloss er sich, an der Hochschule Offenburg Medien, Gestaltung und Produktion zu studieren. „Ich wollte mich vor allem in die 3-D-Gestaltung einarbeiten, wofür ich davor nie Zeit hatte.“

Beim Modellieren seines ersten 3-D-Objekts sei er dann auch ziemlich schnell verzweifelt, erinnert er sich. Heute ist das kein Problem mehr, sondern seine tägliche Arbeit bei der Firma Rise in Berlin, in der er als sogenannter Junior Technical Director neben seinem Studium arbeitet. „Visual Effects schauen im Kino einfach megacool aus und man kann geile Sachen machen“, sagt er lachend.

Anders als bei Special Effects, werden Visual Effects am Computer generiert und in der Filmnachbearbeitung eingefügt. „Dabei besteht immer die Gefahr, dass die Effekte nicht echt aussehen, sondern zu steril und künstlich.

Neben „The Avengers“ steht sein Name beispielsweise auch bei „Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer“ im Abspann. „Da mitzuarbeiten war faszinierend. Was ich als Kind geliebt habe, hatte ich plötzlich vor mir. Kindheitsnostalgie pur“, sagt er mit strahlenden Augen.

Motivation und Ambition

Die einzige Grenze sei die Fantasie, wobei er mittlerweile auch ein paar technische Grenzen ausgemacht hat. „Aber im Grunde gibt es keine.“ Motivation und Ambition seien das Wichtigste, um in der Branche bestehen zu können. Und auch der Spaß darf nicht zu kurz kommen. „Man muss aber auch sehr gut sein, sonst landet man in der Werbung.“ Ob er denn auch den Oscarpreisträger Gerd Nefzer kenne? „Nicht persönlich. Ich war aber mal bei einem Vortrag von ihm und es war toll, etwas über Special Effects zu lernen.“ Vielleicht kommt so ja auch einmal ein Oscar in der Kategorie Vis­ual Effects nach Hall. Dies sei aber kein Ziel von Kolja Hübschmann. „Ich möchte mal mein Studium rumbringen, bevor ich 30 bin, und würde auch gerne ins Ausland gehen, um dort zu arbeiten.“ Er liebäugelt vor allem mit Vancouver in Kanada. „Ich bin aber ein Freunde- und Familienmensch und bei so einem Umzug lässt man viel hinter sich“, relativiert er seinen Wunsch. Er ist in einer Patchworkfamilie groß geworden, hat einen Bruder, einen Halbbruder und eine Stiefschwester, was für ihn aber keinen Unterschied macht. Es zieht ihn auch immer wieder nach Hall zurück, auch wenn seine Mutter mittlerweile bei Crailsheim, sein Bruder in Stuttgart und sein Vater in Bremen lebt. In einer Beziehung ist er nicht, weil „ich noch nicht genau weiß, wo ich lande“.

Seit der Schulzeit macht er Filme

Kolja Hübschmann, geboren am 1. September 1988 in Schwäbisch Hall, ging auf die Waldorfschule in Hall. Bereits in seiner Schulzeit hat Hübschmann seine Leidenschaft für das Filmemachen entdeckt. Seinen Zivildienst hat er in Mulfingen abgeleistet. Danach hat er eine Ausbildung zum Hörgeräteakustiker in Hall gemacht und ein paar Jahre als solcher gearbeitet. Später ging es an die Landesberufsschule Lübeck, die er 2011 abschloss. Momentan schreibt er seine Bachelorarbeit an der Hochschule Offenburg. Für seine These vergleicht er zwei Softwares, die in der Visual-Effects-Branche zum Einsatz kommen. Seit 2009 ist er als Freiberufler in der Vis­ual-Effects-Industrie tätig. Momentan arbeitet er bei der Firma Rise in Berlin als Junior Technical Director. Mitgewirkt hat er unter anderem bei den Kinofilmen „Jim Knopf“, „Captain America“ und „The Avengers“. Kolja Hübschmann lebt in Berlin, ist nicht verheiratet und hat keine Kinder. kv

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