Literatur Die Comburg-Schreiberin genießt die Ruhe

Mariana Leky auf der Comburg in Hall. Dort wohnt sie für vier Wochen, geht spazieren und schreibt vor allem viel.
Mariana Leky auf der Comburg in Hall. Dort wohnt sie für vier Wochen, geht spazieren und schreibt vor allem viel. © Foto: Hans Kumpf
Schwäbisch Hall / Monika Everling 16.10.2018

„Ich genieße diese strukturierte Einsamkeit“, sagt Mariana Leky. Für die Schriftstellerin, die sonst mit ihrem zehnjährigen Sohn und ihrem Hund in Berlin lebt, ist die Comburg „ein Ort des Rückzugs“. Auf die Frage, was sie denn seit ihrer Ankunft am 3. Oktober in Schwäbisch Hall erlebt hat, antwortet sie: „Nicht viel – aber das ist ja auch der Sinn der Sache.“ Sie will sich ganz aufs Schreiben konzentrieren und fügt an: „Es ist angenehm, allem enthoben zu sein.“

Gleich nach dem Aufstehen setzt sie sich mit einer Tasse Kaffee an den Computer. Dort bleibt sie, wenn es gut läuft, bis zum Mittagessen, das eine Pause in ihrer „strukturierten Einsamkeit“ bietet: Sie trifft sich dann mit dem Leiter der Akademie Comburg Hans-Reiner Soppa und dessen Mitarbeitern im Speisesaal. Und danach geht’s weiter mit dem Geschichtenentwickeln. So etwa sechs Stunden pro Tag sitze sie am Schreibtisch, sagt Leky, um anzufügen: „Das ist jetzt ein bisschen angeberisch.“ Denn dazwischen sind immer wieder Spaziergänge, „wenn es beim Schreiben hakt“. In jedem Fall hat sie ihr Notizbuch bei sich und spinnt die Gedanken immer weiter.

Zurück nach Steinbach fährt sie dann manchmal mit dem Bus. „Hier fährt der Bus nur einmal in der Stunde, das ist natürlich super!“, kann sich die Großstädterin über Dinge freuen, die für die Steinbacher lästig sind – auch wenn Leky da nicht ganz richtig informiert ist. Tatsächlich fahren in Steinbach in jede Richtung etwa drei Busse pro Stunde.

Freude am Westerwald

Wie macht sie das in Berlin mit dem Spazierengehen? „Da muss man schon ein Stück rausfahren, aber das machen wir dann auch.“ Zudem hält sie sich oft in Köln auf, wo ihre Eltern und ihr Bruder leben. „Da ist es nicht weit in den Westerwald, und dort bin ich sehr gerne. Auch mein aktuelles Buch ,Was man von hier aus sehen kann‘ spielt dort.“

Die Eltern sind beide noch berufstätig, der Vater als Psychoanalytiker und die Mutter als Gesprächstherapeutin. Der Bruder ist Intendant des Kölner Theaters im Bauturm. Wie ist Leky aufgewachsen mit zwei Eltern in „Psycho-Berufen“? Sie denkt kurz nach und antwortet dann mit ihrer sanften Stimme: „Ja, das hat uns wohl schon geprägt. Bei uns wurde viel über Menschen und Beziehungen gesprochen. Ich beschäftige mich gerne mit Menschen, die so ein bisschen schief ins Leben gebaut sind, wie Ringelnatz sagt.“ Und wie war es für sie als Jugendliche, wenn die Eltern mit ihrem analytischen Blick auf sie schauten? „Nein, an uns wurde nicht rumgedoktert. Meine Eltern konnten da Beruf und Erziehung ganz gut trennen“, ist ihre Überzeugung.

Auf das Comburg-Stipendium hat sich Leky nicht beworben, „man wird ausgesucht“. Aber die Auszeichnung war ihr wohlbekannt: Sie war 15 Jahre lang mit Tilman Rammstedt, dem Comburg-Schreiber des vorigen Jahres, liiert, und Christoph Peters, der Comburg-Schreiber des Jahres 2011, ist ihr Nachbar in Berlin.

„Hobbys habe ich eigentlich gar keine, ich bin immer beschäftigt mit meinen Geschichten“, meint Leky zunächst. Aber dann fallen ihr doch ein paar Freizeitaktivitäten ein: „Natürlich verbringe ich sehr gerne Zeit mit meinem Sohn. Wir gehen beide sehr gerne schwimmen. Zudem gehe ich manchmal ins Kino oder Theater. Und hier auf der Comburg war ich im Hauskonzert, das war sehr schön.“ Außerdem kocht sie gerne. Und sie gibt Schreib-Workshops in Männer- und Jugendgefängnissen.

Mariana Leky kann vom Schreiben leben. Trotzdem lektoriert sie nebenher und schreibt Kolumnen für die Zeitschrift „Psychologie heute“. Und selbstverständlich liest sie gerne: „Ich lese jeden Abend. Manche Bücher verschlingt man, andere arbeite ich gründlich durch und mache mir Notizen. Bücher von meinen Bekannten lese ich sofort.“

Info Eine Lesung von Mariana Leky beginnt übermorgen, Donnerstag, um 19.30 Uhr im Kaisersaal der Comburg. Die Preisverleihung des Comburg-Stipendiums ist am Mittwoch, 24. Oktober, um 18 Uhr im Haller Rathaus.

Mutter und Literatin

Mariana Leky wurde 1973 in Köln geboren und wuchs dort auf. 1993 begann sie eine Buchhandelslehre, aber noch im gleichen Jahr startete sie ein Studium der Germanistik und der Kulturwissenschaften in Tübingen, das sie 1997 abschloss. Von 1998 bis 2003 studierte sie Kreatives Schreiben und Kulturjournalismus an der Universität Hildesheim. Seither ist sie freie Schriftstellerin. Sie erhielt mehrere Auszeichnungen, darunter 2010 eine Nominierung für die Longlist zum Deutschen Buchpreis. Sie lebt mit ihrem zehnjährigen Sohn in Berlin.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel