Sommerserie Die Bühler: Von der Quelle bis zur Mündung

Der Quelltopf der Bühler liegt im Wald bei Pommertsweiler. Im Wasser quillt nichts – das Wasser ruht in dem Tümpel. Am Rand steht Naturparkführer Rolf Angstenberger.
Der Quelltopf der Bühler liegt im Wald bei Pommertsweiler. Im Wasser quillt nichts – das Wasser ruht in dem Tümpel. Am Rand steht Naturparkführer Rolf Angstenberger. © Foto: Elisabeth Schweikert
Pommertsweiler / Elisabeth Schweikert 27.07.2018
Sie ist die verborgene Schöne: Die Bühler. Die Kelten bezeichneten den Fluss mit dem Namen „Die Schimmernde“.  Der Quelltopf des Flusses liegt versteckt im Wald bei Pommertsweiler.

Die Bühlerquelle macht es schwer, ihr auf den Grund zu gehen. Sie liegt abgelegen in einem Waldstück. Geparkt wird außerhalb. Der Weg führt an Eichen vorbei, die von Eichenprozessionsspinnern befallen sind – bloß nicht zu nahe treten. Ein Glück, dass Naturparkführer Rolf Angstenberger dabei ist – das Schild, das den Einstieg in den Wald markiert, ist kaum zu finden.

Zauberhafte Stimmung dagegen im Wald. Je näher man der Quelle kommt, desto wundersamer. Kleine Weißtannen, heimisches Springkraut, Büsche von Heidelbeeren, Farne und großflächige Moospolster bewachsen das sumpfig werdende Gelände. Ein großer Schritt über einen schmalen Lauf eines Rinnsals, dann stolpert man hinter einem Baum beinahe in einen Quelltopf.

Schwarz und glänzend liegt das Wasser in der Mulde, die etwa 1,5 auf 3,0 Meter groß ist. Das Wasser ruht, es zeigt keine Bewegung. Huflattich und Wassergräser säumen den etwa 30 Zentimeter tiefen Quelltopf, der auch als „Berroth-Brunnen“ bezeichnet wird, wie auf einem Schild zu lesen ist. Zufällig kommt Karl Berroth vorbei. Er hatte nebenan zu tun und schaut, wer durch den Wald stromert. Seiner Familie gehört der Grund, auf der die Quelle entspringt. Hier war sein Spielplatz als Kind. Von seinem Vater weiß er, dass früher hier die Leute, die auf den Feldern ringsum arbeiteten, Trinkwasser geschöpft hatten. Die Bühler kennt er – natürlich –, aber einen besonderen Bezug hat er zu dem Gewässer nicht. Das Bühlertal sei halt versteckt, auch über die Straßen schlecht erschlossen, meint er.

Wirtschaftliche Nutzung

Vom oberen Waldrand her dröhnt auf einmal Krach und lässt den Waldzauber verfliegen. „Dort wird Goldshöfer Sand abgebaut“, berichtet Rolf Angstenberger, „den hat die Urbrenz abgelagert.“ Der Weg zur Halde, wo Sand abgebaut wird, führt vorbei an einer Freiflächen-Fotovoltaikanlage. Heute wie früher auch, nutzen die Bewohner des Bühlertals das, was die Region bietet. Wenige Kilometer bachabwärts liegen Seen, deren Namen verraten, womit sich die Menschen früher hier ein Auskommen verschafft hatten: Eisenweiher, Stahlweiher, Schleifweiher. Teilweise fließt die Bühler an den Seen vorbei, teilweise hindurch. „1611 gründete der Fürstprobst von Ellwangen hier ein Hüttenwerk. Man dachte, es gäbe Eisen.“ Bereits um 1840 wurde der Schmelzbetrieb aufgegeben, wurde nur noch in den Wasseralfinger Hüttenwerken Metall verarbeitet. Übrigens: Die Kohlenstraße, die am Schwäbisch Haller Hausberg Einkorn beginnt, führte seinerzeit, als die Hüttenwerke betrieben wurden, an  Hinterbüchelberg vorbei nach Abtsgmünd und Wasseralfingen. Hinterbüchelberg liegt nur wenige Kilometer von der Hammerschmiede an den Seen entfernt.

Als im 19. Jahrhundert die Hüttenwerke bei Abtsgmünd schlossen, blieben die Mühlen und die Gewässer bestehen. Heute ist Fischzucht und Tourismus die Hauptnutzung der Seen. Bei der Hammerschmiede kann man campen und auch einkehren. „Erst nach den Seen ist die Bühler als Fluss erkennbar“, berichtet Angstenberger. Zuvor ist sie ein unscheinbares Bächlein.

Wer den Berrothsbrunnen als Bühlerquelle festgelegt hat, ist nicht bekannt. Hätte es nicht auch der Lutstruter Bach sein können, der oft mehr Wasser führt? Beide Bäche entspringen unterhalb des Büchelberger Grats, erklärt Angstenberger. Dort gebe es mehrere Quellen. Dass die Region so wasserreich ist, hänge mit der Geologie zusammen: Knollenmergel, Sandstein und wasserundurchlässige Lettenschichten wechseln sich ab. Weil das Wasser nicht durch die lehmigen Lettenschichten sickern kann, tritt es als Quelle aus.

Sicht bis zu Kaiserbergen

Angstenberger führt auf den Büchelberger Grat. Er ist Teil der Wasserscheide zwischen Kocher und Bühler. Die Wasserscheide setzt sich über die Limpurger Berge bis zum Einkorn fort. Der Grat ist vier Kilometer lang und bis zu 300 Meter breit. Im Sommer lassen Laubbäume nur an wenigen Stellen die spektakuläre Aussicht erkennen. Nach Süden blickt man auf die drei Kaiserberge, Zeugenberge der Schwäbischen Alb, den Hohenstaufen, den Rechberg und den Stuifen. An einer Stelle gibt der Wald einen Blick auf die Wallfahrtskirche und das Schloss Hohenstadt frei – ein übrigens schönes Ausflugsziel für Gartenfreunde. Wer nach Norden blickt, schaut auf Windräder im Ellwanger Raum, sogar die  Hohenberger Jakobuskirche ist zu sehen.

Info Der nächste Teil der Sommerserie: Die Bühler als Grenzfluss.

Die Bühler: Von der Quelle bis zur Mündung

Kocher, Jagst und Bühler sind die prägenden Flüsse im Kreis Schwäbisch Hall. Sie werden in der Bevölkerung ganz unterschiedlich wahrgenommen. Während der Blick auf den Kocher durch seine wirtschaftliche Bedeutung geprägt ist (Wasserkraft; er war Transportweg für das Holz der Sieder), ist die Jagst die Königin der Herzen, sie wird geliebt. Die Bühler dagegen, der drittgrößte Fluss im Kreis, wird kaum wahrgenommen. Dabei zeichnen ihn als Fließgewässer etliche Besonderheiten aus. Mit 306 Hektar ist es das bedeutendste Naturschutzgebiet im Kreis. Das Bühlertal kann auf eine lange Besiedlung zurückblicken, die mit den Kelten beginnt. Die Bühler war lange Grenzfluss zwischen Ellwanger und Haller Gebiet.

Über diesen Sommer möchte die Redaktion einige der Besonderheiten der Bühler aufzeigen, wir werden Geschichten erzählen, die Bühler begleiten. Die Serie beginnt heute mit dem Berrothbrunnen, der Bühlerquelle bei Pommertsweiler. sel

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