Gaildorf/Ulm Die Batterie als Herzenssache

Josefine Dukar hat am Beispiel des Gaildorfer Naturstromspeichers untersucht, welchen Nutzen flexible Energiespeicher beim Umbau des Energiemarktes haben können. Für ihre Bachelor-Arbeit erhielt sie jetzt den Preis des VDI-Verbandes Donau-Iller. Der Preis wurde ihr von Prof. Dr. Christian Dettmann, Prorektor an der Hochschule Ulm, übergeben.
Josefine Dukar hat am Beispiel des Gaildorfer Naturstromspeichers untersucht, welchen Nutzen flexible Energiespeicher beim Umbau des Energiemarktes haben können. Für ihre Bachelor-Arbeit erhielt sie jetzt den Preis des VDI-Verbandes Donau-Iller. Der Preis wurde ihr von Prof. Dr. Christian Dettmann, Prorektor an der Hochschule Ulm, übergeben. © Foto: Hochschule Ulm/Dominik Bothe
Gaildorf/Ulm / Richard Färber 04.06.2018
Der Gaildorfer Naturstromspeicher generiert nicht nur neue Techniken, sondern auch junge Experten: Die 24-jährige Josefine Dukar hat für ihre Bachelor-Arbeit den Preis des VDI Verbands Donau-Iller erhalten.

Wenn die Max Bögl Wind AG Angebote für den Bau von „Wasserbatterien“ schreibt, kommt ihr „Tool“ zur Anwendung: Josefine Dukar hat untersucht, welchen Nutzen die neuartige Windkraft-Pumpspeicher-Kombination, deren Prototyp derzeit als „Naturstromspeicher“ in Gaildorf gebaut wird, in einem sich wandelnden  Energiesystem haben kann.   Das Tool, das sie dafür entwickelt hat, dient der Kostenermittlung. Am 16. Mai hat sie für ihre Bachelorarbeit an der Hochschule Ulm den Preis des VDI-Verbandes Donau-Iller erhalten.

Von selbst wäre die 24-Jährige vermutlich gar nicht auf die Idee gekommen, sich um den Preis zu bewerben.  Er ist mit 500 Euro und einer einjährigen VDI-Mitgliedschaft dotiert und wird normalerweise für klassische ingenieurtechnische Arbeiten vergeben. Die Kombination aber hat überzeugt. Ihr Betreuer an der Hochschule, Prof. Dr. Christian Iniotakis, fand ihre Arbeit nicht nur herausragend, sondern in der Verknüpfung von Technik, Wirtschaft und IT-Anwendungen auch beispielhaft für das Curriculum der Hochschule Ulm. Iniotakis schlug ihr vor, die Arbeit einzureichen.

Internationale Energiewirtschaft hat die aus Landau stammende Josefine Dukar dort von 2013 bis 2017 studiert. Ein Praxissemester führte sie zu einem Windkraft-Projektierte nach Wörrstadt bei Mainz und „damit war ich dann schon auf Wind ausgerichtet“. Dort wurde sie dann auch auf den Gaildorfer Naturstromspeicher aufmerksam, knüpfte Kontakte bei Messen und schickte schließlich eine Initiativbewerbung für die Anfertigung einer Abschlussarbeit nach Ulm, wo die Naturspeicher GmbH Innovationen zur Marktreife entwickelt, die im Zusammenhang mit dem Gaildorfer Pilotprojekt entstanden sind.

„Ich habe untersucht, inwieweit der Naturstromspeicher als Option für Flexibilität zu einer kostengünstigen Stromversorgung beitragen kann“, sagt Dukar. Und weil der Energiemarkt in Deutschland derzeit komplett umgekrempelt wird, musste sie sich nicht hypothetisch mit einer möglichen Zukunft beschäftigen, sondern konnte laufende Entwicklungen analysieren. Das Thema, sagt sie, sei ihr ein „Herzensanliegen“ gewesen.

Ziel der Energiewende ist die Umstellung auf regenerative Energien. Wind- und Solarkraftwerke sind  witterungsabhängig: wenn kein Wind weht, wenn die Sonne nicht scheint, fließt auch kein Strom.  Man kann den Strom dann aus anderen Gebieten zuleiten oder schnelle Gaskraftwerke hochfahren. Will man allerdings die Überschüsse nützen, die an windreichen Sonnentagen erzeugt werden, benötigt man flexible Speicher.

Speicher im Vergleich

Josefine Dukar hat zwei Speichertechnologien verglichen, die derzeit verfügbar sind: die chemische Batterie und das moderne Pumpspeicherkraftwerk der Wasserbatterie. Bereits existierende Pumpspeicherkraftwerke nimmt sie aus: Sie seien technisch derzeit nicht in der Lage, schnell genug zu reagieren. Die sekundenschnelle Reaktion von Wasserbatterie und chemischer Batterie aber macht den  Unterschied. Sie ermöglicht die Teilnahme der Erneuerbaren, deren Produktionsüberschüsse vorrätig gehalten werden, am Regelleistungsmarkt, über den das Netz stabilisiert wird. 

„Die Zukunft ist bunt“, ist Dukar überzeugt. Sie bestehe nicht mehr in der Systemkonkurrenz, sondern in der Kombination.

Im Vergleich sieht Josefine Dukar die Wasserbatterie im Vorteil. Die Technologie sei relativ einfach und erprobt, die Kosten seien kalkulierbar, die Anlagen überaus langlebig, die Baumaterialien recycelbar. Außerdem schöpfen die Pumpspeicher der Wasserbatterie aus vorhandenen Quellen und benötigen keine zusätzlichen Rohstoffe für den Betrieb.

Der Gesetzgeber zieht die neuen Speichertechnologien zunehmend in Betracht: ihr Gewicht im Erneuerbare-Energien-Gesetz EEG wächst, stellt Josefine Dukar fest.

Sie habe großes Verständnis für diesen hochkomplexen Markt entwickelt, lobt der Energiepionier und Naturspeicher-Geschäftsführer Alexander Schechner, der kürzlich den Medienpreis  der drei Kreiszeitung im Landkreis Hall erhalten hat. Und er wird sie auch  nicht mehr vom Haken lassen: Josefine Dukar ist jetzt bei der Naturspeicher GmbH in Ulm angestellt und für Finanzen und Controlling zuständig.

Zur Person: Josefine Dukar

Aus Landau in der Oberpfalz stammt Josefine Dukar. Dort kam sie am 14. Dezember 1993 zur Welt. Sie studierte internationale Energiewirtschaft in Ulm und sammelte erste Erfahrungen in Sachen Windenergie bei der Juwi Energieprojekte GmbH in Wörrstadt bei Mainz. Ihre Bachelorarbeit schrieb sie bei der Naturspeicher GmbH in Ulm. Dort ist sie nun auch festangestellt und für Finanzen und Controlling zuständig. rif

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