Schwäbisch Hall Die Angst des Wolfes

Schwäbisch Hall / ANDREAS DEHNE 20.11.2013
Zwei Monate lang war Hall Ausrichter der Kinder- und Jugendliteraturtage Baden Württemberg. In über 70 Veranstaltungen wurden mehr als 5100 Besucher gezählt. Zum Abschluss las Martin Baltscheit.

"Kinder, wenn ihr euer Taschengeld bekommt, spart nichts. Gebt alles aus. Sonst geht es euch wie dem Hasen." Mit diesen Worten beginnt der Autor die Veranstaltung in der Kulturscheune der Haller Waldorfschule. Er stellt vier seiner anspruchsvollen Bilderbücher vor, zuerst "Das Gold des Hasen". Wer in einer Stadt mit einer großen Bausparkasse Kindern solche Ratschläge gibt, muss einen guten Grund haben. Und den hat Martin Baltscheit, dessen Bücher in zahlreiche Sprachen übersetzt wurden. Der Hase spart aus Angst sein Leben lang, um endlich einsam und alleine auf seiner Schatzkiste zu sterben, wo er erst Monate später gefunden wird. Der Künstler mutet den Kindern dabei auch ein Bild des skelettierten Hasen zu, das, wie die anderen Bilder auch, mit dem Beamer an die Wand projiziert wird. Das Testament des Hasen besagt, dass der größte Angsthase des Waldes den Schatz bekommen soll. Dem bösen Wolf gelingt es, zu beweisen, dass er am meisten Angst hat. "Habt ihr das Mädchen mit dem roten Käppchen gesehen? Sie und ihre Großmutter sind hinter mir her. Sie locken mich in ihr Haus, und wenn ich schlafe, schneidet mir der Jäger den Bauch auf und legt Steine hinein." Er bekommt den Goldschatz, und aus lauter Angst, ihn wieder zu verlieren, kann er das Haus nicht mehr verlassen. Auch er bleibt einsam auf seiner Schatzkiste sitzen.

Auch die drei weiteren Bücher, darunter ein noch unveröffentlichtes, haben eine klare Botschaft und muten dem Leser einiges zu. Eines handelt vom Fuchs, der an Demenz erkrankt, ein weiteres vom Löwen, der nicht schreiben kann. "Schon gehört" beschreibt, was Gerüchte anrichten können. Das anspruchsvolle Niveau der Geschichten von Martin Baltscheit wird von der Qualität seiner Darbietung noch übertroffen.

Was bleibt, ist ein Kinderbuch zur Haller Stadtgeschichte

Mit Headset macht er sich immer wieder auf den Weg mitten ins Publikum. Er steigt über Stühle, gestikuliert wild, diskutiert mit Schülern, mimt den Lehrer, der die Schüler abfragt, den Showmaster, der Preise für richtige Antworten vergibt und den Schauspieler, der seine Texte lebendig werden lässt.

Ute Berger, die als Kulturbeauftragte der Stadt Hall für die Literaturtage verantwortlich ist, hat dem Finale zu einem echten Highlight verholfen, das deutlich mehr Zuschauer verdient hätte.

Ebenso der Schulchor der Waldorfschule, der unter anderem das Haalgeist-Lied gekonnt zum Besten gibt, das für die Literaturtage geschrieben worden war. Bürgermeisterin Bettina Wilhelm bedankt sich bei allen Mitwirkenden und den 30 Autoren. Ihr besonderer Dank gilt dem städtischen Kulturbüro und der Stadtbibliothek sowie den zahlreichen Kooperationspartnern.

Die Literaturtage gehen zu Ende. Was bleibt, sind ein Kinderbuch zur Haller Stadtgeschichte und der zottelige Otto, der Haalgeist.

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