Schwäbisch Hall Die "Taufe der Zwillinge"

Schwäbisch Hall / MARCUS HAAS 12.04.2014
Die Haller Feuerwehr hat sich neu organisiert. Die Kräfte wurden in zwei Feuerwachen im Osten (Solpark) und Westen (Stadtheide) gebündelt. Am Freitag sind die neuen Wachen feierlich eingeweiht worden.

Alarm: Es muss schnell gehen. Feuerwehrfahrzeuge rücken mit Blaulicht und Tatütata Richtung Schneckenweiler aus, wo ein 73-Jähriger mit seinem Traktor verunglückt ist. Ein Ernstfall, der nichts mit dem Programm beim Festakt am Freitag in der Feuerwehrwache Ost zu tun hat. Hauptredner Ministerialdirektor Dr. Herbert Zinell weicht in seiner Ansprache vor den über 400 Gästen kurz von seiner geschriebenen Vorlage ab: „Es gibt auch in diesem Moment Wichtigeres, nämlich zu helfen.“

Große Wertschätzung für die Arbeit der Feuerwehr zieht sich auch durch die anderen Reden. „Die Welt braucht Menschen, die für andere da sind“, zitiert Landrat Gerhard Bauer den ehemaligen Kölner Erzbischof Joseph Kardinal Höffner und nennt die Freiwillige Feuerwehr ein Vorbild dafür, die „rund um die Uhr für unsere Sicherheit sorgt“. Mitglied der Feuerwehr zu sein, bedeute für andere da zu sein und sogar, sein Leben für andere aufs Spiel zu setzen. Der Einsatz der Feuerwehrkameraden auf ehrenamtlicher Basis garantiere schnelle Hilfe – „allseits gesunde Rückkehr aus den Einsätzen,“ wünscht OB Hermann-Josef Pelgrim.

OB Pelgrim: ein historischer Tag für die Haller Feuerwehr

Beim Festakt fließen nochmals Hintergrundinfos. Außergewöhnlich sei, wenn gleich zwei neue Feuerwehrhäuser in einer Gemeinde ihrer Bestimmung übergeben werden, so Zinell und hat einen Vergleich: „Es ist wie bei Zwillingen: Sie machen zwar mehr Arbeit und kosten mehr, dafür hat man aber doppelten Anlass zur Freude.“ Es sei in Hall gewissermaßen eine „Taufe der Zwillinge“. Hall und seine Feuerwehr, das sei ein Paradebeispiel für die Entwicklung einer weitsichtigen und tragfähigen Gesamtkonzeption mit zwei entscheidenden Faktoren: größtmögliche Sicherheit für die Bürger und möglichst optimale Bedingungen für die Arbeit der Feuerwehr auch in der Zukunft.

Ausgangspunkt „war die Erarbeitung eines Brandschutzbedarfsplans durch Führungskräfte der Freiwilligen Feuerwehr“, sagt Stadtbrandmeister Volker Damm. Einsatzmittel, Einsatzkräfte und Eintreffzeit hätten dabei im Fokus der Analyse gestanden. Auch aus Sicht des Ministerialdirektors Zinell „war die frühzeitige Einbindung der Feuerwehrangehörigen und deren Bereitschaft, gewohnte Pfade zu verlassen und Neues zu wagen“ der entscheidende Erfolgsfaktor. Das Land hat sich mit rund 1,8 Millionen an den Gesamtkosten in Höhe von rund 10,9 Millionen Euro beteiligt. „Heute ist ein historischer Tag, vor allem weil die Einsatzzentralen aus dem Tal auf die Höhenlagen Solpark und Stadtheide verlegt wurden“, so Pelgrim. Die Entscheidung sei im Gemeinderat einstimmig gefallen.

„Durch die beiden Standorte West und Ost ist eine flächenmäßig bessere Abdeckung der bebauten Gebiete durch die Bündelung der vorhandenen Kräfte erreicht worden. Lediglich Sulzdorf und Sittenhardt haben noch einen eigenen Standort. Dies ist eine ebenso wichtige wie richtige Entscheidung, denn oftmals entscheidet nur die Ausrückzeit über Leben und Tod“, sagt Gerhard Bauer. Der Landrat hebt die neue Atemschutzstrecke in der Feuerwache Ost hervor, die demnach sogar Feuerwehren aus dem Rems-Murr-Kreis und dem Heilbronner Kreis nutzen werden.


Besonderheiten und ein Blick aufs Programm beim Festakt

Meilensteine
Der Gemeinderat hat 2008 geschlossen zugestimmt. Zwischen Bauantrag und Fertigstellung vergingen im Osten knapp zwei Jahre und im Westen nicht ganz eineinhalb Jahre. Die Zahl der Einsatzkräfte, die von Hall aus operieren, verdoppelte sich auf nahezu 300. In der neuen Feuerwache Ost im Solpark gibt es eine neue Atemschutzübungsstrecke und einen 26 Meter hohen Übungsturm. Der große Vorteil der neuen Feuerwache West in der Stadtheide ist ihre zentrale und verkehrsgünstige Lage.

Festakt Johannes Neumann von der Altersabteilung der Haller Feuerwehr hat gesegnet. Besonderer Dank ging an die Planer Sylvia Dietrich und Christian Bendl. Musik: Saxophon-Quartett Richard Beißer. Für einen Film mit humoristischen Einlagen über die Arbeit der Feuerwehr gab es viel Applaus.