Schwäbisch Hall Diak erzeugt jetzt eigenen Strom

Giftgrüne Rohre und dunkle Anzüge: (von rechts) Stadtwerke-Geschäftsführer Gebhart Gentner, Diak-Vorstandsvorsitzender Hans-Joachim Lenke und Dr. Peter Haun, Kaufmännischer Direktor des Diaks, vor dem Motor des Kraftwerks.
Giftgrüne Rohre und dunkle Anzüge: (von rechts) Stadtwerke-Geschäftsführer Gebhart Gentner, Diak-Vorstandsvorsitzender Hans-Joachim Lenke und Dr. Peter Haun, Kaufmännischer Direktor des Diaks, vor dem Motor des Kraftwerks. © Foto: Ufuk Arslan
Schwäbisch Hall / WOLF-DIETER RETZBACH 24.07.2014
Das Diakonie-Klinikum produziert seit dieser Woche eigenen Strom. Auf diese Art spart es Geld, das für eine bessere Pflege eingesetzt werden kann. Auch die Stadtwerke profitieren von dem Projekt.

Eine Pflegekraft kostet das Diak jährlich 50.000 Euro, sagt Dr. Peter Haun. Das diese Woche in Betrieb genommene Blockheizkraftwerk (BHKW) spare dem Klinikum, ein gesetzlicher Zuschuss mit eingerechnet, 200000 bis 300000 Euro Stromkosten. Die Rechnung des Kaufmännischen Direktor des Diaks ist einfach zu verstehen: "Die Einsparung hat einen Gegenwert von vier bis fünf Pflegekräften", sagt Haun. Anders ausgedrückt: Spart das Diak Strom, muss nicht am Personal gekürzt werden. "Eine Pflegekraft mehr oder weniger zu haben, ist für uns wichtig."

Auf die Diak-Betreiber kommen in den nächsten Jahren hohe Kosten zu: Zwar zahlt das Land für den Neubau zwei Drittel der Kosten, doch bleiben 40 Millionen auch am Diak hängen. "Wir müssen sehr auf das Geld achten, weil wir neu bauen", sagt Haun. Trotzdem werde für diese "zusätzliche Leistung" kein Personal abgebaut, im Gegenteil: In den vergangenen beiden Jahren habe das Diak 20 Mitarbeiter im Pflege- und Funktionsdienst zusätzlich eingestellt, sagt Haun. Dass es auch weiter keinen personellen Aderlass gebe, liege auch an der "Kostenersparnis beim Strom". Sparen sei "kein Selbstzweck", sondern helfe, "ein neues Krankenhaus zu bauen, ohne Personal abbauen zu müssen".

Seit dieser Woche versorgt ein neues BHKW das Diak mit Strom. Das 700.000 Euro teure Kraftwerk produziert etwa zwei Drittel des Stroms, den das Klinikum benötigt. Das ist der permanente Grundbedarf. Der zusätzliche Bedarf in Hauptbetriebszeiten, also das restliche Drittel Strom, bezieht das Diak weiter aus fremden Quellen. Es wurde bis zu dieser Woche komplett mit fremdem Strom versorgt.

Jetzt nimmt das Klinikum die Sache zum großen Teil selbst in die Hand. Es hat auf ihrem neuen Weg einen Begleiter: Die Haller Stadtwerke kümmern sich um die Betriebsführung und Wartung des Kraftwerks und beseitigen Störungen. Das Diak zahlt dem Energieunternehmen dafür 2000 bis 3000 Euro monatlich, so Haun. Der Firma Jenbacher, die den Zwölf-Zylinder-Motor geliefert hat, überweist das Klinikum jährlich 50.000 Euro für die Wartung. Doch das Diak ist auch Verkäufer: Die Stadtwerke nehmen die bei der Stromerzeugung entstehende Wärme ab und speisen sie in das Fernwärmenetz ein. "Das ist eine win-win-Situation", sagt Gebhard Gentner. Der Stadtwerke-Geschäftsführer meint damit, dass sowohl Klinikum als auch Energieunternehmen von dem Projekt profitierten.

Der Strom, der selbst erzeugt wird, sei günstiger als Fremdstrom, sagt Stadtwerke-Abteilungsleiter Martin Menschl. So brauche das Diak für den selbst erzeugten Strom gesetzliche Zulagen wie die EEG-Umlage nicht mehr zahlen.

Die Haller Stadtwerke betreiben in ihrem Versorgungsgebiet laut Gentner mittlerweile mehr als 60 Blockheizkraftwerke - in Wohnanlagen, Schulen, Altenheimen, Bädern und Kliniken.

Transformation: Von 400 Volt auf 20000 Volt

Kraftwerk Das Diakonie-Klinikum produziert einen Großteil seines benötigten Stroms von nun an in einem Blockheizkraftwerk (BHKW). Die 700.000 Euro teure Anlage steht auf dem Diak-Gelände in der Salinenstraße - direkt neben der Wäscherei. Der erzeugte Strom wird über ein Mittelspannungskabel an den Klinikkomplex geleitet. "Wir erzeugen in dem Kraftwerk Strom in Höhe von 400 Volt", sagt Stadtwerke-Abteilungsleiter Martin Mensch. "Der Strom wird dann mit Hilfe eines Transformators auf 20.000 Volt hochgespannt und über das Kabel zum Diak-Komplex geleitet." Dort werde der Strom in eine neue Netzunterstation und so in das Diak-Netz eingespeist.

WD

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