Rosengarten Integration: Deutsche Kultur nicht „überstülpen“

Er kümmert sich: Elmar Volkert von der AWO ist seit April des Jahres als Integrationsmanager für geflüchtete Menschen in der Gemeinde Rosengarten und Teilen der Innenstadt von Schwäbisch Hall zuständig.
Er kümmert sich: Elmar Volkert von der AWO ist seit April des Jahres als Integrationsmanager für geflüchtete Menschen in der Gemeinde Rosengarten und Teilen der Innenstadt von Schwäbisch Hall zuständig. © Foto: Beatrice Schnelle
Rosengarten / Beatrice Schnelle 14.08.2018
Seit April dieses Jahres ist Elmar Volkert von der AWO als Integrationsmanager für Rosengarten zuständig. In der Gemeinde sind aktuell 57 geflüchtete Menschen zu Hause.

Einen „Pakt für Integration“ hat das  Land Baden-Württemberg mit den Kommunen abgeschlossen. Er besagt, dass die Gemeinden  bei der Flüchtlingsarbeit unterstützt werden und gewährleistet für zunächst zwei Jahre die Finanzierung von Integrationsmanagern. Die Verwaltungsgemeinschaft Schwäbisch Hall, Michelfeld, Michelbach und Rosengarten hat der Arbeiterwohlfahrt (AWO) diese Aufgabe übertragen. 3,28 Stellen sind seit April auf fünf Fachmitarbeiter verteilt. „Wir haben sehr gute Leute bekommen, was ja nun nicht einfach ist“, betont Sozialpädagogin Gerda Rößler, AWO-Teamleiterin im Bereich Integration und Migration.

Einer dieser sehr guten Leute heißt Elmar Volkert. Der für Rosengarten und Teile von Schwäbisch Hall zuständige Integrationsmanager hat dafür eine halbe Stelle zur Verfügung. Was ihm besonders wichtig ist: „Die geflüchteten Menschen sollen wieder auf eigenen Füßen stehen.“ Außerdem dürfe man den Geflüchteten die deutsche Kultur nicht „überstülpen“, sondern müsse sie ihnen langsam näherbringen. Als Beispiel nennt er das deutsche Müllsystem, das für die Neubürger nicht ohne Weiteres zu begreifen sei. Zu den Herausforderungen, mit denen er immer wieder konfrontiert werde, gehörten Schwierigkeiten mit der Sprache: „Da geht oft sehr wenig, und nicht jeder, der im Deutschkurs war, kommt mit dem gleichem Ergebnis raus.“

Fehlende Schulbildung und mangelnde Kenntnisse der lateinischen Schrift nennt Volkert als Ursachen. Ein zentraler Punkt bei der Integrationsarbeit sei nach wie vor die Hilfe beim Kontakt mit Behörden: „Diese Leute bekommen von verschiedenen Ämtern Anschreiben, die sie unmöglich verstehen können.“

Über nahezu alle Ortsteile von Rosengarten verteilt, leben aktuell 57 geflüchtete Personen, davon acht Alleinstehende und zwölf Familien. Sie kommen aus Syrien, Afghanistan, Nigeria, Georgien, Mazedonien, Irak, Gambia, Pakistan und China. Ungefähr zwei Drittel von ihnen haben eine feste Aufenthaltserlaubnis, die übrigen sind noch im Asylverfahren oder in Besitz einer Duldung. „Keiner davon ist untätig“, unterstreicht Volkert. Entweder hätten sie eine feste Arbeitsstelle oder würden Sprachkurse besuchen. Fünf Personen seien in Ausbildung oder einer Qualifizierungsmaßnahme, zwei besuchten die Gewerbliche Schule in Hall. Die „typischen“ Arbeitgeber dieses Personenkreises seien Gastronomiebetriebe, Seniorenwohnheime, Kfz-Werkstätten und Zeitarbeitsfirmen. Der Verdienst sei oftmals gering. Ein Familienvater, der mit seiner Frau und drei Kindern in Rosengarten lebt, erhalte beispielsweise für eine Vollzeitstelle, die ihm eine Personalvermittlung verschafft habe, 1300 Euro. „Damit kommt er nicht über die Runden und muss zusätzlich staatliche Leistungen beziehen.“ Ein junger Mann habe ein Praktikum bei der Haller Firma Klafs absolviert und dort nun Aussicht auf einen Ausbildungsplatz. Allerdings sei sein Aufenthalt in Deutschland noch nicht gesichert.

Wohnungsmarkt „nicht üppig“

Der überwiegende Teil der Geflüchteten habe in Rosengarten Mietwohnungen gefunden. In der Gemeindeunterbringung in Rieden lebten derzeit zwei Familien und zwei Einzelpersonen, die bei der Wohnungssuche laut Auflage innerhalb der Gemeinde Rosengarten fündig werden müssten. Was bisher nicht von Erfolg gekrönt sei, da sich der Wohnungsmarkt hier wie anderswo „nicht gerade üppig“ darstelle. Dankbar ist Volkert für die gute Zusammenarbeit mit der Gemeindeverwaltung, dem örtlichen Freundeskreis und anderen Ehrenamtlichen, die sich „im Untergrund“ für die Geflüchteten engagieren.

„Nachdem die Flüchtlingspolitik immer wieder in die Schlagzeilen gerät, sind wir froh, dass die Integrationsarbeit vor Ort pragmatisch verläuft, auch wenn sie eine große Herausforderung bleibt“, fasst Bürgermeister Jürgen König zusammen. Wahrscheinlich hätten die meisten Bürger der Gemeinde die Zahl der in ihrer Nachbarschaft lebenden geflüchteten Menschen nicht auf 57 geschätzt, da es keine offensichtlichen Probleme gebe.

Info Wer Hilfe braucht oder Fragen hat, trifft den Rosengartener Integrationsmanager Elmar Volkert jeden Donnerstag von 16 bis 18 Uhr bei seiner Sprechstunde im Rathaus in Uttenhofen an.

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