Bühlerzell Der Zuverlässige an Bühlerzells Spielfeldrand

Erwin Fischer, der rund um den Fußballrasen als „Ede“ bekannt ist, an seinem Arbeitsplatz für die Sportfreunde Bühlerzell.
Erwin Fischer, der rund um den Fußballrasen als „Ede“ bekannt ist, an seinem Arbeitsplatz für die Sportfreunde Bühlerzell. © Foto: Sigrid Bauer
Bühlerzell / Sigrid Bauer 18.06.2018
Erwin Fischer ist den Sportfreunden Bühlerzell treu. In über 35 Jahren hat er über 2000 Vereinsberichte verfasst.

Erwin Fischers Arbeitszimmer zeigt unübersehbar, wofür sein Herz schlägt: Abzeichen der Sportfreunde Bühlerzell und eines bayerischen Großvereins, Pokale der Sportfreunde, Urkunden von Ehrungen, aber auch Fotos seiner Familie, der vielen Neffen und Nichten sowie ungezählte dekorativ angeordnete und farblich sortierte Kugelschreiber zieren den Raum. Familie, Verein und eben auch das Schreiben, das zu seinem Hobby Kugelschreibersammeln geführt hat, gehören zu Erwin Fischer.

Der 58-Jährige macht keinen Hehl aus seiner Bodenständigkeit. Er demonstriert sie der Autorin stolz auf einem Rundgang um sein Haus, das er nur einen Steinwurf entfernt von seinem Elternhaus gebaut hat, und in dessen Nachbarschaft zwei seiner Geschwister mit ihren Familien wohnen. Nie ist Fischer aus Bühlerzell weggezogen. Da ist es kein Wunder, dass er „nahezu immer“, wie er betont, Mitglied bei den Bühlerzeller Sportfreunden war.

Sein Einsatz für den Verein begann auf dem Fußballfeld. „Mit 16 habe ich in der B-Jugend gespielt – nicht ganz so erfolgreich, aber es gibt ja noch andere Jobs im Verein“, meint er und lacht. Damals hat er begonnen, ab und zu über die Spiele zu berichten. „Damit von der B-Jugend auch was in der Zeitung stand“, erinnert er sich. Er habe schon immer gerne geschrieben und beispielsweise von Ausflügen Ansichtskarten verschickt, erzählt der 58-Jährige. Bald kamen, zunächst noch unregelmäßig, Berichte über die erste Mannschaft dazu.

Bei der Hauptversammlung der Sportfreunde am 1. März 1986 – Fischer weiß das Datum noch genau – hat ihn Anton Müller, damals Leiter der Fußballabteilung, zum Pressewart des Vereins gemacht. Nach so langer Zeit ist Fischer im Verfassen der Artikel absolut routiniert. „Um 18 Uhr setze ich mich an den PC, und eine halbe Stunde später ist der Text in der Redaktion“, sagt er.

Sein Bericht von den Heimspielen ist Pflichtaufgabe. Über die Auswärtsspiele schreibt er nur, wenn sie außerhalb des Altkreises Hall stattfinden. „Wenn wir in Braunsbach oder Michelfeld spielen, schreiben die Leute von dort den Bericht für die Zeitung. Auf unsere Vereinshomepage kommt aber schon ein Artikel von mir“, erklärt Fischer.

Sämtliche Beiträge, auch über Feste und Ehrungen, hat er sauber in Ordern archiviert. „Fast für jede Saison ein Ordner“, stellt er beim Blick in den Schrank fest. Stolz ist er darauf, dass er in all den Jahren maximal zehnmal als Berichterstatter ausgefallen und auf inzwischen mehr als 2000 Berichte gekommen ist.

Start mit Schreibmaschine

Angefangen hat Fischer in den 70er-Jahren mit einer mechanischen Schreibmaschine. Der Text erreichte das Haller Tagblatt per Post, oder er wurde auf den Anrufbeantworter gesprochen. Später schrieb Fischer auf einer elektrischen Schreibmaschine – „die halte ich in Ehren!“ – und ein Faxgerät übermittelte den Text.

Fast noch wichtiger als das Schreiben sind Fischer die Freundschaften, die er als Vereinsberichterstatter schließen konnte: „Ich habe so viele Freunde kennengelernt, auch über die Kreisgrenze hinaus – das bedeutet mir viel.“ Unvergesslich seien die vier Jahre, die der kleine Bühlerzeller Verein in der Landesliga gespielt hat. „Das war einfach der Wahnsinn“, erinnert er sich und strahlt dabei.

Seine Aufgabe für den Verein habe auch dazu geführt, dass die Freundschaft mit dem Sportfreunde-Vorstand Josef Kohnle, den er noch aus dem Kindergarten kennt, bis jetzt gehalten hat. „Auch das bedeutet mir viel.“ Selber ein höheres Amt im Verein zu übernehmen, kam für Fischer nie in Frage: „Ich arbeite lieber in der zweiten Reihe.“

Froh ist er über den guten Draht zu den Spielern und überhaupt über das harmonische Miteinander im Verein. Er genießt die Gespräche nach Spielende, die Geselligkeit und den Spaß auf den Vereinsfesten und in der ganzen Gemeinde: „Ich fühle mich rundum wohl in Bühlerzell.“

Faible für Fußball und Kugelschreiber

Erwin Fischer ist am 7. September 1959 in Hall geboren worden. Er lebt mit seiner Frau Gudrun in Bühlerzell. Der gelernte Industriekaufmann arbeitet bei der Firma Kärcher, Obersontheim, als Lagerist. Seit 1973 ist er Mitglied bei den Sportfreunden Bühlerzell, seit 1986 Vereinsberichterstatter für die Zeitung. Fischer sammelt Kugelschreiber aus aller Welt, fährt oft Fahrrad und liest gern Bücher über Sport. siba

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