Schwäbisch Hall Der Wettbach fließt jetzt wieder in seinem alten Bett

Schwäbisch Hall / Tobias Würth 06.12.2018
Die Stadtwerke Hall müssen für ihre sieben Windräder an der Kohlenstraße einen Ökoausglich schaffen. Daher haben sie ein Gewässer renaturiert.

Kein Schmutz im Wasser versperrt den Blick auf den Grund. Munter plätschert der noch junge Wettbach auf seinen ersten 800 Metern durch die Wiese. Die Ufer sehen kahl aus. Und das hat einen Grund. Ein Bagger schaufelte dem Wettbach innerhalb von acht Tagen ein neues Bett.

„Die Arbeiten sind nun abgeschlossen“, berichtet Steffen Hofmann, der bei den Stadtwerken Schwäbisch Hall die Kraftwerke-Abteilung leitet.

Hier fließt der Wettbach:

Die sieben Windräder der Stadtwerke an der Kohlenstraße haben dauerhaft vier Hektar Wald zerstört. Die Fläche wird beispielsweise für die Zufahrten zu den modernen Energiegewinnern im Wald benötigt. Heutzutage muss an einer anderen Stelle für Ersatz gesorgt werden, wenn an einem Ort stark in die Natur eingegriffen wird. Die Stadtwerke ließen Tümpel anlegen, sie pachteten eine Waldfläche und überließen sie als Urwald sich selbst. Zudem pflanzten sie vor einem Jahr am Rand der Kreuz­äckersiedlung 9000 Bäume und Sträucher. Jetzt folgte der neue Bachlauf.

„Es war gar nicht so einfach, eine Fläche zu finden“, berichtet Katrin Balzer. Die Biologin der Stadtwerke setzte sich in den letzten drei Jahren für den Ökoausgleich ein. Sie wurde am Rand der Kreuzäckersiedlung fündig. Dort verlief bis vor Kurzem ein „trauriger Graben“, wie es Balzer formuliert. Der führte das Wasser aus den Wiesen und Feldern in Richtung Weckrieden ab.

Quellen für Trinkwasser

Rund 14 Hektar der Flächen dort gehören seit Langem den Stadtwerken. Kein Wunder, denn die gewannen dort zwischen 1906 und 1996 Wasser für die Stadt Hall. „Die Quellen sind uralt“, berichtet Balzer. Sie wurden in Schächten gefasst und das Wasser wurde in mehreren Kanälen zusammengeleitet. Balzer: „Das Trinkwasser wurde in dem Hochbehälter an der Crailsheimer Straße gesammelt.“ Arbeiter lösten dieses System auf, führten das Wasser aus den Schächten einem jetzt neu angelegten offenen Quelltopf zu.

Martin Zorzi vom Umweltzentrum studierte daher alte Pläne und rekonstruierte den Bachverlauf. Der Baggerfahrer hat sich Mühe gegeben, die Flussschlingen mit ihren Gleit- und Prallhängen sowie den kleinen Gumpen anzulegen. Das habe rund 20 000 Euro gekostet. Sie sollen das Wasser leiten und aufstauen, sodass sich Molche, Frösche, Fische, Insekten und Wasserpflanzen wohlfühlen.

An einem regnerischen Dezembertag wirkt das Werk zwar trist, doch Biologin Balzer kann schon die Vögel singen hören, die dort hinziehen, wenn die Natur in diesem oder spätestens nächsten Frühjahr „explodiert“. 902 000 Ökopunkte gab es für die Aktion, viel mehr als für den Ausgleich der Windräder nötig wäre. Vor allem die Extensivierung der Flächen neben dem Bach trug dazu bei. Das bedeutet: Landwirte bringen dort nicht mehr ihren Dung aus, sondern es entstehen Flachland-Magerwiesen, die zunächst nicht gedüngt und selten gemäht werden.

Bauern fehlen Felder

Das stieß bereits auf Widerstand von Landwirten, die sich in der Planungsphase im Gemeinderat meldeten. Ihnen fehle nun das Gebiet. Balzer verschweigt diese Probleme nicht. „Das Thema Fläche ist da. Siedlungen wachsen, Landwirte benötigen Äcker, Spaziergänger nutzen den Stadtrand, und es muss der Öko-Ausgleich für Bauten geschaffen werden.“

Katrin Balzer hofft auf ein Miteinander: So könnten Bio-Bauern auch Interesse an ungedüngten Wiesen haben. Und sie verweist auf kreative Ansätze: „In den Niederlanden wird der Ökoausgleich nicht in der Fläche geschaffen, sondern in Form von Dachbegrünung mitten in den Siedlungen.“

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