Schwäbisch Hall Der Vermittler

ELISABETH SCHWEIKERT 18.11.2013
Kurt Schatz (58), Schuldekan im Kirchenbezirk Hall, kandidiert bei der evangelischen Synodalwahl für den Gesprächskreis "Evangelium und Kirche".

Wie kann Kirche die Menschen erreichen? Über Gottesdienste, Bibelkreise, Feste, Unterricht? "Kirche darf sich nicht nur auf sich selbst konzentrieren", meint Schuldekan Kurt Schatz. Viel zu oft richte sich der Blick in der Kirche nur auf gemeindeinterne Angelegenheiten. Aber in einer zunehmend verweltlichten, individualisierten Gesellschaft sei es nötig, neue Formen des Miteinanders zu finden - auch, um Ansprechpartner für die Menschen zu sein, die nicht mehr in oder am Rande der Kirche leben.

Gemeinschaft und Geborgenheit lasse sich traditionell in Hauskreisen finden, aber auch in Gottesdiensten, bei denen im Anschluss die Gläubigen miteinander frühstücken, nennt Schatz als Beispiel. Über solche Treffen könne Kirche Gelegenheiten schaffen, dass Menschen miteinander ins Gespräch kommen. Schatz: "Kirche soll für viele Leute attraktiv sein. Wir bieten nachvollziehbare Antworten, für Menschen, die auf der Suche sind, oder für Menschen, die den festen Boden unter den Füßen verloren haben." Aber manchmal scheitere das Miteinander daran, weil die kircheninterne Kultur so eigen ist. "Ich will Hürden abbauen."

Schatz hat sich eben diese Aufgabe als Wegbereiter auch für die Synode vorgenommen, so er die nötigen Stimmen bekommt. Er sieht sich in der Rolle des Vermittlers - auch zwischen Basis und Kirchenleitung. In den Gemeinden sei der Frust über das, was in Stuttgart beschlossen werde, manchmal groß, etwa über die Kürzung der Pfarrstellen. "Wir sind nicht wichtig" - dies habe er immer wieder in den Landgemeinden gehört. Dabei sei die Kirche oft noch die einzige Institution im Dorf. Umso wichtiger sei, die Öffnung der Kirche für alle gesellschaftlichen Gruppen. Aber: Nur mit Ehrenamtlichen lasse sich das nicht schultern, betont Schatz.

Der dritte Bereich, für den sich Schuldekan Kurt Schatz stark machen möchte, umfasst die Bildung. Dazu brauche es fachlich gut ausgebildete Lehrer an den Schulen, Lehrer, die vorbildliche und warmherzige Persönlichkeiten sind und die für die Kirche einstehen. "Wir wollen nicht missionarisch wirken, sondern überzeugen", umschreibt Schatz seine Auffassung vom Religionsunterricht, "und dafür sorgen, dass sich die Schüler mit den Themen auseinandersetzen."

Wenn sich die Schule ändere - sei es durch andere Lehrformen, durch Ganztagesbetrieb und neue Schulformen - müssten sich in diese Entwicklung auch die Religionslehrer einbringen, so Kurt Schatz. Ein Vertreter der Schulen, der diese Bereiche in der Synode vertritt, sei wichtig. Kirchenintern hat jüngst das familienpolitische Papier der EKD für Diskussionen gesorgt. Kurt Schatz positioniert sich auch hier in der Rolle des Vermittlers: In der Darstellung der Lebenswelt sei die Kirchenschrift stimmig mit dem, wie er die Gesellschaft erlebe. Die klassische Familie stehe für ihn als Lebensmodell im Zentrum - er selbst lebe ja auch danach. "Familie kann ein Hort der Geborgenheit sein. Wir können aber nicht sagen, dass dieses Idealbild das einzig richtige ist. Andere Lebensmodelle sollten nicht verurteilt werden, so wie wir auch Menschen nicht verurteilen sollen."

www.kurt-schatz.de

Zur Person vom 18. November 2013