Ich war so nervös.“ Seit Januar ist Julia Hilcz die Erste Tänzerin des Großen Siedershofes. Am Wochenende erlebte die 24-Jährige ihr erstes Kuchen- und Brunnenfest in diesem Amt. „Das Vorauslaufen, die Abläufe und das Vorsprechen, das ist was ganz anderes, als nur mitzutanzen“, schildert sie.

Ihr Tanzpartner, der Erste Hofbursche Tobias Rieger, ist sehr zufrieden mit ihr. „Julia macht es prima. Sie war vorher nicht im Ausschuss und startete von null auf 100.“ Ihr erstes Pfingstfest als Tanzpaar war auch gleichzeitig ihr letztes. Tobias Rieger hört im Januar nach 16 Jahren auf.

„Ich kann mir den Siedershof ohne ihn gar nicht vorstellen“, so Hilcz. Rieger und ihre Vorgängerin Bianca Stöker haben sie unterstützt. „Es gab so viel Neues für mich und ich hatte Angst, etwas zu vergessen“, erzählt Hilcz. Sie sei während des Festes an ihre Grenzen gekommen. „Man trägt so viel Verantwortung.“

Wetter spielt mit

Von ihrer Aufregung ist auf den Zuschauerplätzen nichts zu spüren. Sowohl beim Fackeltanz am Samstagabend als auch bei der Präsentation des Siederskuchens am Pfingstsonntag reagiert das Publikum mit lautem Applaus. Das Wetter trägt seinen Teil dazu bei. Die Sonne scheint am Samstag und am Montag. Und als die Glocken von St. Michael am Sonntagmorgen 11 Uhr schlagen, hört auch da der Regen auf und die Zuschauer können ihre Regenschirme zumachen.

Die Betreiber der Fahrgeschäfte sind froh, dass das Wetter bei circa 20 Grad mitspielt. „Fast so schlimm wie Regen sind 30 Grad“, sagt Denise Engelbrecht vom „Break Dancer“. Auch Paul Bonin vom Biergarten ist zufrieden: „Das Wetter ist für uns Betreiber entscheidend.“ Nach wie vor ist er von der neuen Aufteilung auf dem Unterwöhrd überzeugt.

Aufgrund der Globe-Baustelle steht der Gockel wie 2017 in der Nähe des Epinalstegs auf der dem Grasbödele zugewandten Seite. Die Verzehrstände stehen auf der dem Lindach zugewandten Seite. Auch den Besuchern gefällt es. „Es verteilt sich besser und doch hat man alles gut im Überblick“, findet Benjamin Jöhnk aus Hall.

Näher dran

Die beiden Gruppen Haalgschrey und Haalunkel führen erstmalig ihre Musik- und Theaterstücke auf dem Unterwöhrd vor und nicht mehr auf dem Epinalplatz. Der „Schwarze Hannes“, der Ausschank der Haalunkel, musste ganz weichen. „Das Verhältnis von Aufwand und Ertrag passte nicht mehr“, erklärt Rolf Rudolph, der Leiter der Haalunkel. Zudem seien zuletzt die Gäste ausgeblieben. Jetzt seien sie näher am Hauptgeschehen dran.

Die Besucher bewerten die Veränderung positiv. „Unter den Bäumen gibt es mehr Sitzmöglichkeiten und die Kulisse mit den Fachwerkhäusern im Hintergrund ist wunderschön“, schildern Damian Stolle und Katja Gaisbauer aus Schwäbisch Hall. Einige ­sehen und hören die Gruppen ­sogar zum ersten Mal, weil sie nie bis zum Epinalplatz gelaufen sind.

Beim Mühlenbrand am Sonntagnachmittag gibt es in diesem Jahr auch eine Veränderung. Die Müllersleute, die sich aus der Mühle hinunter zu den Floßen auf dem Kocher abseilen, tragen einen Hosengurt und sind mit ­einem Karabiner an einem gesonderten Seil befestigt. „Damit halten wir die neuen Sicherheitsvorschriften ein“, betont Feuerwehrmann Rick Gierok.

Zwei Zugaben

Nach dem Mühlenbrand stand am Sonntagabend der Abschluss des Großen und Kleinen Siedershofes auf dem Marktplatz an. Die Gäste auf der voll besetzten Treppe ließen die Sieder erst nach zwei Zugaben ausziehen. Mit „We’re not gonna take it“ von „Twisted Sisters“ verabschieden sich die Fanfarenspieler, Trommler, Tänzer und Schützen von den Zuschauern.

Kuchen- und Brunnenfest in Schwäbisch Hall - Teil 1

Bildergalerie Kuchen- und Brunnenfest in Schwäbisch Hall - Teil 1

Kuchen- und Brunnenfest in Schwäbisch Hall - Teil 2

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Kuchen- und Brunnenfest in Schwäbisch Hall - Teil 3

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Kuchen- und Brunnenfest in Schwäbisch Hall - Teil 4

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Besuch aus nah und fern


Die Kosten für das Fest liegen laut Robert Spoden von der Haller Touristik und Marketing etwas über den letztjährigen 75.000 Euro. Security und Notbeleuchtung auf dem Unterwöhrd sowie drei Lkw-Ladungen Rindenmulch schlagen mit 2500 Euro zu Buche.

Das Deutsche Rote Kreuz meldet keine besonderen Vorkommnisse. Lediglich ein paar Personen hatten mit Kreislaufproblemen zu kämpfen. Zwei Besucher mussten zur weiteren medizinischen Versorgung ins Krankenhaus gebracht werden. Die Polizei meldet keine Vorkommnisse.

Vertreter aus den Partnerstädten besuchten auch in diesem Jahr das Fest. Delegationen aus Épinal, Loughborough und Neustrelitz sind der Einladung gefolgt.

Aus Crailsheim, Bad Mergentheim, Ellwangen und Lauchheim waren Mitglieder der Bürgerwehren und Garden anwesend. 2019, eine Woche vor dem Pfingstfest, findet in Schwäbisch Hall das Landestreffen der Bürgerwehren und Garden Württemberg-Hohenzollern statt. ena