Wasserkraft Der Strom reicht für 40 Haushalte

Die Unterscheffacher Mühle mit dem E-Werk Ley: So idyllisch kann nachhaltige Energiegewinnung aussehen. Nach dem trockenen Sommer führt die Bühler nur wenig Wasser. Die Fotovoltaikanlage auf dem Dach erzeugt im gleißenden Sonnenlicht weit mehr Strom als die Wasserturbine.
Die Unterscheffacher Mühle mit dem E-Werk Ley: So idyllisch kann nachhaltige Energiegewinnung aussehen. Nach dem trockenen Sommer führt die Bühler nur wenig Wasser. Die Fotovoltaikanlage auf dem Dach erzeugt im gleißenden Sonnenlicht weit mehr Strom als die Wasserturbine. © Foto: Claudia Kern-Kalinke
Wolpertshausen / Claudia Kern-Kalinke 12.09.2018
Die Mühle in Unterscheffach blickt auf eine lange Geschichte zurück. Vor über 100 Jahren wurde das Elektrizitätswerk Ley gegründet und noch heute wird Strom mit der Kraft der Bühler gewonnen.

Im Büro von Hans-Henning Ley fallen sofort die überdimensionalen Trichter auf, die mit der schmalen Öffnung nach unten aus der Decke ragen. Es sind alte Schüttvorrichtungen, die an die historische Mühle erinnern, in der früher Korn zu Mehl und Schrot gemahlen wurde. Später wurde ein Elektrizitätswerk daraus, das die Familie Ley jetzt in vierter Generation in Unterscheffach führt. „Aber die Stromerzeugung lohnt sich heute kaum noch“, sagt Hans-Henning Ley, der mit seiner Firma Elektroinstallationen aller Art anbietet. „Den gewonnenen Strom speisen wir ins eigene Netz ein und verkaufen nur noch den Überschuss.“

In Unterscheffach gab es einst die Wasserburg Scheffau, zu der die kleine Allerheiligenkapelle am Ortsrand und auch die Mühle an der Bühler gehörten. 1278 ist das Mühlengebäude erstmals urkundlich erwähnt worden. 1462 wurde die Wasserburg zerstört und die Steine restlos abgetragen. Die Mühle hingegen wechselte mehrfach den Besitzer und wurde laut Inschrift 1749 von Grund auf neu erbaut. Seit 1898 ist das Anwesen am Fluss im Besitz der Familie Ley. 1904 haben sie den ersten Generator eingebaut und die Mahlwerke auf elektrischen Antrieb umgestellt.

Strom aus der Kraft des Wassers

Vom ursprünglichen Mühlengebäude ist heute nur noch wenig erhalten, denn das Bauwerk brannte im Jahr 1946 bis auf die Grundmauern ab. Doch schon vier Jahre später, 1950, ging eine wieder aufgebaute Mühle in Betrieb und mit ihr das angegliederte Elektrizitätswerk. Der Mahlbetrieb wurde im Jahr 1976 gänzlich eingestellt. Seitdem wird mit der Wasserkraft nur noch regenerativer Strom erzeugt wird.

Bis Anfang der 1960er-Jahre versorgte das E-Werk von Unter­scheffach aus die ganz Gemeinde Wolpertshausen mit Strom. Dann schloss sich das Kraftwerk dem damaligen Überlandwerk Öhringen an. Hans-Henning Ley übernahm 1997 das E-Werk von seinem Vater Richard Ley. 2012 gingen Strom und Leitungen an die EnBW (Energie Baden-Württemberg). Ley widmet sich mit seinen Mitarbeitern jetzt ganz den Elektroinstallationen für Firmen und Privathaushalte.

Das alte Mühlengebäude spiegelt sich malerisch in der Wasserfläche, die das Wehr aufstaut. Hohe Bäume säumen das Anwesen. Idylle pur, denn das Herzstück der Anlage, die Turbine liegt von außen nicht sichtbar und nicht hörbar im Wasser, das unter dem Gebäude durchfließt. Damit ist Wasserkraft optisch sicher die schönste Form, erneuerbare Energie zu gewinnen.

Weltweit macht sie sogar 18 Prozent der gesamten Stromerzeugung aus, fast so viel, wie aus Atomkraft generiert wird. Mit den modernen, leistungsstarken Windrädern können die kleinen Bühler-Kraftwerke allerdings nicht mithalten. „Die drei Wasserkraftwerke auf dem Gemeindegebiet Wolpertshausen (Unter­scheffach, Hopfach und Cröffelbach) haben eine Gesamtleistung von 150 Kilowatt und erzeugen damit pro Jahr rund 500 000 Kilowattstunden elektrische Energie“, teilt eine Schautafel mit, die an der Einfahrt zum E-Werk Ley aufgestellt ist. Sie gehört zum Lehrpfad, den das Energiezentrum Wolpertshausen eingerichtet hat. Die Leistung großer Windkraftanlagen wird dagegen mit sieben Millionen Kilowattstunden und mehr angegeben.

Kaum noch Ertrag

„Momentan bringt das Wasserkraftwerk gar nichts“, klagt Hans-Henning Ley, denn die Bühler ist nach der langen Trockenheit nur noch ein müdes Rinnsal. „Da erzeugt die Fotovoltaikanlage auf dem Dach weit mehr Strom.“ Die Jahresleistung seines E-Werks liegt bei rund 200 000 Kilowattstunden. „Das reicht für circa 40 Haushalte“, erklärt Ley.

Auch bei Hochwasser müssen die Turbinen stillstehen. Doch in der Zeit dazwischen arbeitet die mechanische Energie des Wassers kontinuierlich weiter und erzeugt durch Turbinen Elektrizität auch in der Nacht und bei absoluter Windstille. „Wasserkraftwerke sind deshalb für eine nachhaltige Energieversorgung von besonderer Bedeutung“, erklärt dazu die Infotafel des Energiezentrums.

Bühler reich an Kraftwerken

Weitere Kraftwerke an der Bühler stehen in Vellberg, zwei in Oberscheffach, Gemeinde Ilshofen, und jeweils eines in Anhausen und Neunbronn, die zu Sulzdorf und damit zur Stadt Schwäbisch Hall gehören.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel