Vereinsgeschichte Der Schneidertisch als Notenhalter

Mainhardt / SWP 18.07.2018
Der Musikverein Mainhardt hat sich vor 70 Jahren unter schwierigen Umständen konstituiert. Mittlerweile gehört er zu den Institutionen in der Gemeinde.

Heute ist der Musikverein Mainhardt ein stolzer Verein mit insgesamt 289 Mitgliedern. 58 davon spielen in der Stamm- oder Jugendkapelle. Die Anfänge vor 70 Jahren waren jedoch schwer, schreibt der Musikverein.

Wenige Jahre nach dem Krieg entschlossen sich Karl Kübler, Eugen Kübler und Hieronymus Butsch dazu, in Mainhardt einen eigenen Musikverein zu gründen. So fuhren die drei nach Schwäbisch Hall, um dort die Formalitäten zu erledigen. Eugen Kübler fungierte als Dirigent, sein Bruder Karl als Schriftführer und Hie­ronymus Butsch als Kassierer.

Die Mitgliedschaft im Musikverein muss damals wohl begehrt gewesen sein. Erzählungen zufolge wollten sowohl Hermann Brodbeck als auch Hans Martin Honold unbedingt das erste Mitglied werden. Wer sich durchgesetzt hat, ist nicht mehr zu rekonstruieren.

Die ersten Uniformen wurden von Karl Kübler selbst geschneidert. Zu den ersten Proben fanden sich die Musiker in der Schneiderwerkstatt des Gründers Karl Kübler am Marktplatz ein. Dort saßen sie rund um den großen Schneidertisch, der als Ablage für die Noten diente, denn einen Notenständer hatte damals noch keiner.

Je nach Auftritt wurden befreundete Musiker aus der näheren Umgebung um Hilfe gebeten. So kamen des Öfteren die Gebrüder Stengl aus Pfedelbach, um mit ihren Klarinetten auszuhelfen. Sehr beliebt waren Platzkonzerte, die während der Saison für die Luftkur-Gäste in vierzehntägigem Abstand im Wechsel mit dem Musikverein Gailsbach dargeboten wurden. Auch heute pflegt der Musikverein Mainhardt gute Kontakte zu zahlreichen Musikvereinen. Sogar international war der Verein mit Konzertreisen nach Spanien unterwegs.

Der Musikverein hatte in seiner 70-jährigen Geschichte wenige, dafür langjährige Dirigenten. Angefangen mit Eugen Kübler übernahm später Walter Endreß den Taktstock, danach folgte der heutige Ehrendirigent Robert Kurka, der altershalber das Kommando über die Mainhardter Musiker an Klaus Schönfeld übergab. Seit mehr als zehn Jahren hören die Musiker auf Thomas Klenk, den „Allrounder“ – Taktstock, Gesang, Schlagzeug und zur Not alles gleichzeitig.

Dass sich die Liebe zur Musik vererbt und Generationen an den Verein bindet, wird immer wieder deutlich. Bei vielen Musikern spielt fast die ganze Familie. Am Jubiläum wird das besonders sichtbar. Auf der Ehrentribühne sitzt das Gründungsmitglied Hie­ronymus Butsch, zwei seiner Enkelinnen spielen in der Stammkapelle, die Urenkel fungieren als Tafelträger und sein jüngster Urenkel nimmt mit seinen gerade mal sechs Monaten in der Musikerkrabbelgruppe „MV Kids“ am Festumzug teil.

Eine Magnumflasche mit dem Lieblingswein

Bei den Feierlichkeiten zum 70-Jahr-Jubiläum hat der Musikverein Mainhardt zahlreiche Musikerinnen und Musiker geehrt. Pascal Sommer ist seit zehn Jahren dabei. Christine Gehring, Anja Goly, Katja Heinrich, Anja Schmid, Sandra Wollensack und Anja Zott spielen seit 20 Jahren. Für 25-jährige Vereinszugehörigkeit erhielten Martin Ciupke, Günter Nikolaus und Peter Pfeil eine Anerkennung. Uta Klenk wurde für 40-jähriges Musizieren geehrt. Albrecht Schießle und Fritz Pfeil machen seit 60 Jahren Musik in Mainhardt.

Eine Überraschung erhielt Roland Weiß. Er kann auf 47 Jahre Mitgliedschaft, die letzten 25 Jahre als erster Vorsitzender, zurückblicken. Dafür bekam er unter anderem eine Magnumflasche seines Lieblingsweins.

Besonders freut es die Musiker, dass Gründungsmitglied Hieronymus Butsch für 70 Jahre, zuerst aktive und dann fördernde, Mitglied­schaft geehrt wurde.

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