Mein Name ist Jane Austen. Amtlicherseits bin ich seit 1817 tot, das hindert mich aber nicht daran, hier aufzutreten; denn literarisch betrachtet bin ich unsterblich“, liest Tabea Lechner mit angenehm warmer Stimme. Im Theatersaal der Familie Frank in Gerabronn-Oberweiler probt sie für die kommende Spielsaison der Burgschauspiele Leofels.

Im Stück „Stolz und Vorurteil“ schlüpft die 23-Jährige in die Rolle der Autorin, die auf der Bühne ebenfalls mitmischt. „Jane Austen ist die Erzählperson und nimmt alles mit Humor“, sagt Tabea Lechner. An diesem Samstagabend sitzt sie mit Regisseur Jan Käfer und Regieassistent Tassilo Frank am Tisch und geht Textzeile für Textzeile durch. Eine Stunde später kommen vier weitere Mitspieler dazu.

Den Darstellern den Weg ebnen

„Wir arbeiten am Anfang gründlich, um den Leuten den Boden zu ebnen, damit sie mit ihrer Rolle loslaufen können“, erklärt der Regisseur. Zusammen mit den Amateurdarstellern feilt er jede Figur sorgfältig aus. „Wir reden über die Situationen und wie die Figuren zueinanderstehen.“

Erschienen im Jahr 1813 ist „Stolz und Vorurteil“ der bekannteste Roman von Jane Austen. Er nimmt das Milieu des britischen Landadels auf die Schippe. Im Mittelpunkt steht das Ehepaar Bennet mit seinen fünf Töchtern, die unter die Haube kommen sollen. Stolz und manches Vorurteil verhindern das Liebesglück zunächst. Unter der Oberfläche der üblichen Höflichkeitsformen müssen die Heldinnen ein Gefühlsknäuel aus Eifersucht, Intrigen und Missverständnissen entwirren.

„Sie macht das großartig“

„Mr. Bennet kam unverrichteter Dinge, aber wohlbehalten aus London zurück“, liest Tabea Lechner. Regisseur Jan Käfer rät: „Nicht hetzen. Wenn du denkst, du bist zu langsam, dann bist du richtig.“ Er sagt: „Sie macht das großartig. Für die Figur der Jane Austen haben wir jemanden gesucht, der das stimmlich packt und sich zutraut, alleine auf der Bühne zu stehen.“ Bis die Besetzung stand, dauerte es sechs Stunden, schätzt Jan Käfer. Die Darsteller konnten Wünsche nach einer größeren oder kleineren Rolle äußern. „Wir versuchen abzuwechseln. Aber das letzte Wort hat der Regisseur“, so Tassilo Frank, der Enkel des Freilichttheater-Gründers Fritz Frank.

Jan Käfer hat in der Vergangenheit bereits vier Stücke mit den Leofelsern inszeniert. Erstmals führt er auch beim Kinderstück „Meisterdetektiv Kalle Blomquist“ Regie. „Mein Job besteht darin, mich bis zur Premiere wegzurationalisieren“, behauptet der Regisseur. Er lobt die Arbeitseinstellung des 42-köpfigen Ensembles: „Die Leute sind wahnsinnig engagiert. Viele Profis können sich davon eine Scheibe abschneiden.“ Für beide Stücke hat Käfer insgesamt 74 Probentage angesetzt. „So haben wir genug Zeit und müssen die Leute nicht unter Druck setzen.“ Wenn das Wetter mitspielt, verlegt er die Proben ab April in die Burgruine Leofels, den Ort der Aufführungen.

Vier weitere Schauspieler betreten den Raum. Gemeinsam lesen sie Szene 14: Darin kehrt die jüngste Tochter Lydia nach Hause zurück, nachdem sie mit einem Offizier durchgebrannt war. Der Regisseur bespricht mit Luisa Scheller die Grundhaltung ihrer Figur: „Lydia kann ’ne richtig hochnäsige Bitch sein“, meint Käfer. Deren Gatten charakterisiert er so: „Mr. Wickham schmiert den Leuten Honig um den Bart. Wenn du auf der Bühne auf deiner eigenen Schleimspur ausrutschst, machst du’s richtig.“ Darsteller Marius Ströbel grinst.

Walter Kraft hat als Familienoberhaupt Mr. Bennet eine relativ große Rolle mit wenigen, aber prägnanten Sätzen. Er agiert im Hintergrund seiner umtriebigen Frau. Um die geht es als Nächstes: Wie reagiert Mrs. Bennet, als ihre verschwundene Tochter mit einem Ring am Finger nach Hause kommt? „Ach, wie schön dich wiederzusehen, mein Liebling“, liest Ingeborg Neber. Es gilt zunächst, diesen Satz zu interpretieren, um dann Freude samt durchlittener Sorgen hineinzupacken. Das ist nicht ganz einfach. Jan Käfer sieht sich als Motivationstrainer. „Ich versuche das so zu gestalten, dass der Druck auf die Akteure nicht von mir kommt“, erläutert er. Seine Leute sollen situationsbedingt merken, wenn sie sich mehr anstrengen müssen. „Man muss leider auch mal hart sein, ohne jemanden herunterzumachen.“

Bis zur Premiere ist noch viel Arbeit zu bewältigen. Dazu zählt auch das Auswendiglernen. Souffleure gibt es bei der Vorstellung seit Jahren nicht mehr. „Der Text ist das Wenigste“, meint Ingeborg Neber. „Das Stück wird so gut geprobt, da sitzt jeder Handgriff.“

Die Premiere wird am 21. Juni gefeiert


Die Premiere von „Stolz und Vorurteil“ beginnt am Freitag, 21. Juni, um 20.30 Uhr in der Burgruine Leofels. Das Kinderstück „Meis­terdetektiv Kalle Blomquist“ startet am Sonntag, 30. Juni, um 15 Uhr. In beiden Fällen ist die letzte Vorstellung am Samstag, 13. Juli. Karten gibt es unter anderem auf der Internetseite www.burgschauspiele.de. Dort sind weitere Vorverkaufsstellen aufgeführt.

Regisseur Jan Käfer (41) ist ausgebildeter Schauspieler und Regisseur. Der gebürtige Pforzheimer spielte unter anderem am Hessischen Staatstheater Wiesbaden und am Theater Koblenz. Er war in TV-Sendungen wie „Hinter Gittern“ und „Gute Zeiten, schlechte Zeiten“ zu sehen. Für die Burgschauspiele Leofels inszenierte er in der Vergangenheit bereits vier Stücke: Die Päpstin, Piroschka, Der Graf von Monte Christo und Katharina Knie.