Peking/Shanghai Der Moment, an dem es abgeht

Peking/Shanghai / JÜRGEN STEGMAIER 30.09.2014
Viele Millionen Chinesen zieht es in die Metropolen. Sie wollen dort arbeiten - und wohnen. Chinesische Banken sind auf der Suche nach neuen Produkten, weil die Zinsregulierung gelockert wird.

Fünf Tage lang war eine Delegation der Bausparkasse Schwäbisch Hall in China unterwegs. Sie sprach mit Politikern, Wirtschaftsfachleuten, Wohnbauexperten und Bankern. Die Signale waren eindeutig: Auf dem chinesischen Markt scheinen sich überragende Chancen aufzutun.

Professor Dr. Horst Löchel von der Frankfurt School of Finance sprach in Peking von einer einmaligen Entwicklung in der alten und neuen Wirtschaftsgeschichte. Kein anderes Land tue so viel für die Armutsbekämpfung und Wirtschaftsentwicklung wie China. Dabei sehe er die Urbanisierung im Westen an der Küste nahezu abgeschlossen. Künftig werde der Osten Chinas stärker erschlossen. Löchel geht zudem davon aus, dass sich Chinas Banken neue Geschäftsfelder erschließen müssen. Es sei absehbar, dass in dem Einparteienstaat die Zinsen dereguliert werden. Kommt es so, ist den Banken die Differenz zwischen Soll- und Guthabenzins - die Haupteinnahmequelle von Geschäftsbanken - nicht mehr garantiert. Eines dieser neuen Geschäftsfelder könne das Bausparen sein. Löchel ist sich sicher: "Es kommt der Moment, an dem es abgeht."

Expansion nur stufenweise

Reinhard Klein, Vorstandsvorsitzender der Bausparkasse, lässt keinen Zweifel daran, dass Schwäbisch Hall die Chancen nutzen will. Die Gewinne, die in China erwirtschaften werden, sollen in weiteres Wachstum investiert werden.

Klein schränkt aber auch ein, dass eine Expansion nur stufenweise vorstellbar sei. Es sei ausgeschlossen, den chinesischen Markt - falls die landesweite Freigabe genehmigt wird - in einem Schritt zu erschließen. Beispielsweise sei es nicht möglich, alle Mitarbeiter, die den Chinesen das Bausparen vermitteln sollen, gleichzeitig auf den nötigen Kenntnisstand zu bringen.

Die Bausparkasse hat mit der China Construction Bank als Partnerunternehmen vor zehn Jahren die Sina German Bausparkasse (SGB) gegründet. An dem Joint Venture hält die China Construction Bank rund 75 Prozent, Schwäbisch Hall ist mit einem Viertel beteiligt.

Der Schwäbisch-Hall-Partner in China könnte kaum mächtiger sein. Die China Construction Bank ist mit einem Vermögen von 2,6 Billionen Dollar die weltweit drittgrößte Bank. Vor ihr stehen lediglich die Bank of China (3,2) und die Hongkong & Shanghai Banking Corporation mit Sitz in London (HSBC/2,8).

"Der Markt ist riesig"

Die SGB ist derzeit die einzige Bausparkasse Chinas. Auf eine mögliche Konkurrenz angesprochen, gibt sich Vorstandsvorsitzender Reinhard Klein gelassen: "Kein Problem. Der Markt ist riesig."

Bei einer Konferenz in der deutschen Botschaft in Peking sprach Wong Hongzhang, Vorsitzender der China Construction Bank, ein Grußwort. Auch dies wertet die Schwäbisch-Hall-Führungsriege als klares Zeichen dafür, dass die Großbank an einer weiteren Zusammenarbeit sehr interessiert ist. "Ein Vorsparsystem gab es in China schon vor 2000 Jahren. Jetzt kommt es mit deutscher Hilfe zurück", sagte der CCB-Chef. Er sehe große Chancen für Schwäbisch Hall, denn in den nächsten Jahren seien 300 Millionen Menschen mit Wohnraum zu versorgen. "Sie ziehen vom Land in die Städte - dorthin, wo es Arbeitsplätze gibt."