Mainhardt Der Limes war nicht unüberwindbar

Mainhardt / Torsten Pasler 26.07.2018
Dr. Martin Kemkes spricht in Mainhardt über historische Grenzen seit der Römerzeit. Er stellt Verbindungen zu heutigen politischen Diskussionen weltweit her.

Das Thema Grenze ist nicht nur heute aktuell, sondern hat in der menschlichen Kulturgeschichte immer eine Rolle gespielt. Dies machte Dr. Martin Kemkes bei seinem Vortrag im Römermuseum deutlich. Bereits vor 4000 Jahren schützte sich das Zweistromland gegen Steppenvölker aus dem Norden. Auch in Syrien und Griechenland konnten frühe Grenzanlagen identifiziert werden.

Im deutschsprachigen Raum beginnt das Phänomen Grenze mit dem römischen Limes. Systematisch untersucht wurde der Limes in Deutschland ab 1892 von der Reichslimeskommission. Dies fällt in die Phase eines gesteigerten deutschen Nationalismus nach der Reichsgründung 1871. Das junge deutsche Reich sah den Limes als frühes Beispiel einer nationalstaatlichen Grenze. Dies ging so weit, dass man auf einer Karte von 1886 sogar dem antiken germanischen Siedlungsraum zwischen Alpen und Nord- und Ostsee eine staatliche Außengrenze gab, die es damals so nicht gegeben hat.

Die Römer kannten Grenzen zunächst nur zwischen Privatbesitz oder als Grenze zwischen Städten. Die ursprüngliche Bedeutung von „Limes“ war dementsprechend „Grenzweg“ oder „Schneise zwischen zwei Grundstücken“. Dementsprechend sahen die Römer auch den Limes nicht als Staatsgrenze, sondern als Kontrollstreifen, den sie jederzeit überschreiten konnten.

Die Durchlässigkeit war regional sehr unterschiedlich. Während am Niederrhein eine dichte germanische Besiedlung geduldet wurde und die Hermenduren sich frei über den rätischen Limes bewegen konnten, wurden die Tenk­terer scharf kontrolliert und die Quaden abgewiesen, weil die Römer sie von den verfeindeten Markomannen nicht klar unterscheiden konnten.

Nach den Römern ging es mit dem Grenz-Ziehen weiter. Bekannt im südwestdeutschen Raum sind insbesondere die „Eppinger Linie“ und die „Haller Landheg“. Das größte Bauwerk der Menschheit ist ebenfalls eine Grenze, die chinesische Mauer, die aber wie der Limes aus mehreren Linien aus verschiedenen Zeitphasen besteht. Im 19. Jahrhundert errichtete die Kolonialmacht England in Afghanistan willkürlich Grenzen, die später zu umstrittenen Staatsgrenzen wurden. Die USA hatten eine vorwärts wandernde Grenze, die ebenso wie die russische Ostgrenze erst am Pazifik zum Stehen kam. An seiner Südgrenze baute Russland einen Limes im Kaukasus und Österreich-Ungarn etwas Entsprechendes an seiner Grenze zur Türkei. Heute spielt das Thema wieder eine erhebliche Rolle. Man diskutiert über die Grenze zwischen den USA und Mexiko, über das Grenzverständnis Israels, über die unnatürliche Grenze in Korea, über neue Grenzen innerhalb Europas und vor ­allem über die Außengrenze der EU.

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