Tüngental Der Kirchturm von Tüngental muss wegen Pilzbefall saniert werden

Tüngental / TOBIAS WÜRTH 02.01.2014
"Gemischte Ansichten zur Sanierung haben die Tüngentaler", berichtet Ortsvorsteher Manfred Ruchozki. Das Thema sei aber durch: Der Kirchturm werde verputzt, der Ortschaftsrat habe nichts dagegen.

Am Ende hätten die Sachargumente überzeugt, berichtet Manfred Ruchozki aus einer Sitzung des Ortschaftsrats über die Sanierung des maroden Turms der evangelischen Kirche: "Ein Antrag, sich dagegen auszusprechen, wurde gar nicht gestellt - er hätte keine Mehrheit erhalten."

Knackpunkt ist das Fachwerk. Es verschwindet bald hinter Putz. Ortschafts- und Stadtrat Thomas Pfisterer von der SPD will das verhindern. "Mir geht es nochmal um den Kirchturm Tüngental und sein Erscheinungsbild. Eine Lösung wäre eine Erhaltungssatzung so wie in der Innenstadt. Aber die gibt es nicht für die Teilorte", merkt er am 16. Dezember im Bau- und Planungsausschuss an. Ludger Graf von Westerholt von der CDU entgegnet: "Private werden das nicht sehr schätzen, das mit dem Kirchturm soll das Denkmalamt entscheiden." Auch Oberbürgermeister Hermann-Josef Pelgrim ist skeptisch: "Die Frage ist: Wo sind die Einwirkungsmöglichkeiten und macht es Sinn? Ich nenne nur das ehemalige Wohnhaus von Johannes Brenz in der Pfarrgasse. Das sieht jetzt aus wie ein Wohnhaus aus den 60er-Jahren. Isoliert, verputzt, weiß." Pelgrim kennt die Grenzen: Selbst mit genauen Satzungen könne man nicht das Ortsbild vollständig bestimmen. Pfisterer setzt sich dennoch für die Fachwerkoptik ein: "Das Ortsbild wird von allen gesehen, nicht nur von den Kirchengemeinderäten."

Denn sowohl Kirchengemeinderat als auch Ortschaftsrat haben sich von den Argumenten überzeugen lassen, die für das Verdecken des Fachwerks sprechen. "Das Freilegen ist der Tod. Nach 1950 waren keine Bretter mehr vor den Balken. Seitdem sind die dem Schlagregen ausgesetzt", erläutert Tüngentals Pfarrer Werner Freymüller.

Angelika Reiff vom Landesdenkmalamt sieht das genauso: "Die evangelische Pfarrkirche in Tüngental, die in die Romanik zurückreicht, wurde am Ende des Zweiten Weltkriegs zerstört und wiederaufgebaut. Aus der Wiederaufbauzeit stammt auch der Fachwerkaufbau des Turms. An die mittelalterliche Bauzeit erinnern noch das Stufenportal an der Nordseite und der untere Bereich des Turms."

Sie räumt ein: "Das weithin sichtbare Turmfachwerk ist sicherlich ortsbildprägend und identitätsstiftend. Und im Grunde wäre aus denkmalfachlicher Sicht gegen die Beibehaltung des Sichtfachwerks nichts einzuwenden."

Es handelt sich nicht um ein wertolles Zierfachwerk

Doch auch die Denkmalschützerin kennt die Anfälligkeit von Holz: "Fachwerkkonstruktionen sind mit ihren Anschlüssen zwischen Holz und Gefachen grundsätzlich wartungsbedürftig. Aufgrund der ,hochgelegenen Baustelle sind im Falle eines Kirchturms die Wartungsarbeiten und insbesondere die Gerüststellung für Reparaturen sehr aufwändig. Sind Undichtigkeiten vorhanden, führt die eindringende Feuchte zu Schadensentwicklungen, die im Tüngentaler Turm deutlich sichtbar sind. Daher müsste eine denkmalfachliche Forderung zur Fachwerksichtigkeit baugeschichtlich begründet sein." Und das ist der Knackpunkt: Es handele sich nicht um ein Zierfachwerk aus der Gotik oder der Renaissance, sondern nur um ein einfaches, gar nicht mal so altes, konstruktives Fachwerk.

Für Pfarrer Freymüller ist klar, dass eigentlich alles fürs Verputzen spricht. "1949 wurden die Pläne auf Wunsch des Kirchengemeinderats geändert und ein Fachwerk vorgesehen", hat er in den Akten nachgelesen. Doch bereits im Jahr 1960 war es marode und der Architekt wurde Vorwürfen ausgesetzt, das falsche Holz verwendet zu haben. Verputze man das Fachwerk nicht, stehe das Thema Sanierung alle 10 bis 20 Jahre an. "Es dringt einfach Feuchtigkeit ein, der Pilz wächst und baut Stoffe aus dem Holz ab."

125.000 Euro kostet die Erneuerung des Turms. 25 Prozent davon bezahlt die Stadt Hall, der Rest kommt aus Fördertöpfen der Landeskirche und Rückstellungen in Tüngental. Nach Ostern, wenn es warm ist, soll mit der Sanierung des Turms begonnen werden.

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