Schwäbisch Hall Der Kampf um junge Köpfe

Im Bauhandwerk - unter anderem bei den Zimmerern - wurden zuletzt wieder mehr Ausbildungsverträge abgeschlossen. In anderen Branchen - etwa Nahrung- und Gastronomie - finden Unternehmen kaum geeigneten Nachwuchs. Archivfoto
Im Bauhandwerk - unter anderem bei den Zimmerern - wurden zuletzt wieder mehr Ausbildungsverträge abgeschlossen. In anderen Branchen - etwa Nahrung- und Gastronomie - finden Unternehmen kaum geeigneten Nachwuchs. Archivfoto
Schwäbisch Hall / HERIBERT LOHR 04.11.2014
Noch ist die Situation nicht dramatisch, doch die Ausbildungsmarktbilanz 2014/15 lässt nur einen Schluss zu: die Firmen in der Region werden sich künftig noch intensiver um junge Mit- arbeiter bemühen müssen.

"Im Grunde gibt es nichts wesentlich Neues" sagte Thekla Schlör zum Auftakt des Pressegespräches in der Argentur für Arbeit in Schwäbsich Hall, "nur sind die Entwicklungen nun deutlich spürbar". Mit Entwicklung meint die Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Schwäbisch Hall-Tauberbischofsheim vor allem die Tatsache, dass die Demographie nun auf längere Sicht unumkehrbare Fakten schafft.

Die Zahl der Jugendlichen, die in den nächsten Jahren die Schulen verlassen, nimmt kontinuierlich ab. Allein in den vergangenen beiden Jahren waren es fast acht Prozent weniger. Diese Gegebenheit verschiebt im Nachgang nun auch die Verhältnisse am Ausbildungsmarkt.

In den fünf Stadt- und Landkreisen in der Region Heilbronn-Franken bedeutet dies im Detail: Einem Angebot von 7571 Bewerbern standen letztlich nur 6184 potentielle "Azubis" gegenüber. Für die Jugendlichen fast schon paradiesische Zustände, schließlich kommen auf jeden Bewerber rein statistisch 1,22 Stellen. Doch die Ausgangslage für den begehrten Nachwuchs ist noch viel besser. "Wir haben es hier ja mit völlig veränderten Strukturen zu tun", erklärt Schlörs Heilbronner Amtskollege Jürgen Czupalla: "Knapp die Hälfte aller Schulabgänger hat heute Abitur oder Fachhochschulreife, aber die Gruppe mit den höheren Bildungsabschlüssen stellt in der Dualen Ausbildung nur ein Fünftel der Bewerber." Der Drang ins Studium ist eine weitere Ursache, warum der Ausbildungsmarkt von den Experten bereits seit geraumer Zeit mit dem Prädikat "Bewerbermarkt" beschrieben wird. Wie sehr Angebot und Nachfrage zwischenzeitlich auseiandergehen, zeigt ein statistisches Detail. Flächendeckend werden in der Region fast 1500 Fördermaßnahmen für leistungschwächere Jugendliche angeboten. Doch egal ob ausbildungsbegleitende Hilfen oder Einstiegsqualifizierung: Die Zahl der Förderungen sinkt kontinuierlich. Dietmar Niedziella, Leiter der Berufsbildung der IHK Heilbronn-Franken hat dafür eine Erklärung: "Der Rückgang an jungen Leuten führt dazu, dass viele Firmen verstärkt auch schwächeren Schülern eine Chance geben". Daneben sind zwei weitere frühere Problemgruppen in den Fokus der Ausbildungsplatzvermittler gerückt: Studienabbrecher und Erwachsene ohne Ausbildungsabschluss jenseits der 25. Immer mehr Personalverantwortliche sind angesichts der angespannten Situation offenbar bereit, innere Vorbehalte aufzugeben. "Das müssen sie auch", sagt Dietmar Niedziella und setzt gar noch eines drauf: "Generell müssen viele Betriebe ihr Ausbildungsmarketing komplett überdenken, viel offensiver agieren und für ein gutes Arbeitgeberimage deutlich mehr tun."

Dass Marketing wirkt, ist derzeit im Handwerk zu beobachten. Mit hippen Claims wie "Die Welt war noch nie so unfertig. Pack mit an." wendet sich der traditionsreiche Wirtschaftszweig direkt an die Schülergeneration. Mit einigem Erfolg. Nach zwei Jahren mit derben Rückgängen meldet die Kammer in diesem Oktober mit 1775 neuen abgeschlossenen Verträgen ein Plus von fast fünf Prozent. Kerstin Lüchtenborg, Leiterin Berufsbildung der Handwerkskammer Heilbronn-Franken: "Es sieht so aus, als wenn wir den rückläufigen Trend zumindest stoppen konnten. "Allerdings", so schränkt die Fachfrau auch gleich wieder ein, "die Zuwächse beschränken sich auf einige, wenige Berufsgruppen unter anderem Zimmerer - in anderen Bereichen sieht es dagegen richtig düster aus".

Info Mehr zur aktuellen Situation auf dem Ausbildungsmarkt in Heilbronn-Franken in der kommenden Ausgabe von RegioBusiness.

Das Ausbildungsjahr 2013/14 im Überblick

Landkreise Bewerber Ausbildungsplätze Auszubildende

Heilbronn 2956 (- 37) 3413 (- 67) 1781

Schwäbisch Hall 1482 (- 95) 1949 (+83) 816

Hohenlohekreis 689 (+16) 990 (- 70) 367

Main-Tauber-Kreis 1057 (+61) 1219 (+42) 525

Region 6184 (- 0,9%) 7571 (-0,1%) 3489

SWP

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel