Michelbach Der Junge ohne Kindheit - 18-jähriger Michelbacher schreibt ein Buch über sein Leben

Tom Schellbach mit dem Cover seines bald erscheinenden Buchs.
Tom Schellbach mit dem Cover seines bald erscheinenden Buchs. © Foto: sim
SIMON KREUZER 12.12.2015
Ein tragischer Unfall hat Tom Schellbachs Leben auf den Kopf gestellt. Heute steht er wieder mitten im Leben und veröffentlicht seine Geschichte.

Er war acht Jahre alt als es passierte: Beim Fahrradrennen mit seinen Freunden rast Tom Schellbach allen voraus. Dann ist da plötzlich dieser LKW - Hupen, ein lauter Knall, Blackout. "Es fühlt sich komisch an, darüber zu reden", erzählt der 18-Jährige heute. Schließlich kennt er diese Episode nur aus fremden Mündern. Schellbach hat alle Erinnerungen an die Zeit vor dem Crash verloren: "Als hätte jemand den Reset-Knopf gedrückt - Lesen, Schreiben, meine Kindheit: alles weg." Die Ärzte machten seiner Familie wenig Hoffnung. Der Junge aus Michelbach lag vier Wochen lang im Koma. Ob er überhaupt aufwachen würde, war fraglich. "Und wenn, haben sie gesagt, wäre ich für immer ein Fall für den Rollstuhl."

"Als hätte jemand auf den Reset-Knopf gedrückt"

Dass Schellbach heute mit gerader Haltung und einem verschmitzten Lächeln am Schreibtisch sitzt und seine Geschichte erzählt, hätte keiner erwartet. "Mein linkes Bein humpelt noch ein wenig und ich habe noch diese Beule" - er zeigt auf ein Narbengewebe auf seiner Stirn. "Aber sonst läuft wieder alles", erklärt der Bankangestellte.

Seine Genesung hat er zum einen seiner Familie zu verdanken. Seine Mutter gab den Job auf, um in der Reha-Klinik dabei zu sein. "Meine erste Erinnerung überhaupt ist, wie die Hand meiner Mutter meine Hand zum Mund führt ", erzählt der 18-Jährige. Es gehöre aber vor allem viel Willen dazu: "Man muss sich hochkämpfen." So gut wie nie habe er die nervenaufreibende Therapie-Übungen ausfallen lassen.

"Gib niemals auf, egal was kommt." Dieser Satz scheint sein Lebensmotto zu sein, und er ziert das Cover seines bald erscheinenden Buches. Gewiss sei es ungewöhnlich, dass jemand in diesem Alter eine Art Biographie veröffentlicht, aber er habe schließlich einiges zu erzählen, erklärt der Michelbacher: "Die Idee dazu kam mir ganz plötzlich. Den Sommer über habe ich geschrieben." Das Ergebnis ist ein Manuskript mit rund 150 Seiten. "Manche sagen, ,Der spinnt doch. Die verstehen nicht, worum es mir geht."

Schellbach möchte mit seiner Geschichte nicht reich werden. Er ist auch kein geborener Autor, das weiß er. "Gib niemals auf, egal was kommt" solle vielmehr Menschen dazu motivieren, durchzuhalten. Nach seiner Ausbildung möchte der 18-Jährige als Motivationscoach arbeiten. Daher hofft er, mit dem Buch ein wenig bekannter zu werden. Im ersten Teil erzählt Tom Schellbach seine Geschichte, der zweite Teil ist eher ein Ratgeber: "Es geht aber nicht nur um Schicksalsschläge, sondern auch um tägliche Sorgen."

"Gib niemals auf, egal was kommt"

Das Coverbild zeigt quasi die Schlüsselszene seines Lebens: Ein Junge kollidiert mit einem LKW. Schellbach starrt auf den Tisch: "Ohne diesen Unfall wäre ich ein anderer." Bis heute fehlt ihm die Erinnerung an seine Kindheit. Genau deshalb weiß der 18-Jährige auch die Kleinigkeiten des Lebens zu schätzen. "Der Band erscheint hoffentlich noch vor Weihnachten - quasi als kleines Geschenk an mich selbst," wünscht sich der Michelbacher. Und falls es sich nicht gut verkaufen sollte? Die Antwort hat sich Schellbach auf die Brust tätowieren lassen: "Never give up." (Gib' niemals auf.)