Schwäbisch Hall Kammerchor überzeugt mit romantischen Motetten

Einige der Sängerinnen des Hohenloher Kammerchors beim Konzert in der katholischen Kirche St. Maria in Hessental.
Einige der Sängerinnen des Hohenloher Kammerchors beim Konzert in der katholischen Kirche St. Maria in Hessental. © Foto: Ralf Snurawa
Schwäbisch Hall / Ralf Snurawa 28.06.2018
Vor allem mit romantischen Motetten überzeugt der Hohenloher Kammerchor in der fast voll besetzten Kirche St. Maria in Hall-Hessental.

Edvard Griegs „Frühlingslied“, das der norwegische Komponist später auch in einer Version für Streichorchester herausgab, war einer der Höhepunkte des Konzerts des Hohenloher Kammerchores in der katholischen Kirche St. Maria in Schwäbisch Hall-Hessental. Der stimmlich inzwischen etwas erneuerte Chor, der von Johanna Irmscher geleitet wird, fesselte bei der Wiedergabe durch klang­liche Wärme.

Schön wurde am Ende der fünften Strophe das „Seufzen“ hervorgehoben, aber auch das „Tanzen“. Das leise „Weinen“ ganz am Ende des Lieds ließen die Chorsänger zart verklingen. Ein ähnliches Erlebnis hatten die zahlreichen Zuhörer bei Eric Whitacres Motette „Sleep“.

Mit Sinn für Nuancen wurde hier entlang des Textes gesungen. Das betraf etwa das weiche und ruhige Atmen zu Beginn und das feinsinnige leichte Verzögern zu „Resting“. Und nach dem letzten Aufbrechen des ruhigen Atmens am Ende des Chorstückes zu „As I surrender“ wurde betörend anschaulich zu „Sleep, sleep, sleep“ ausgeatmet, als falle der gesamte Chor endlich in den erhofften Schlaf.

Kraftvolle Töne

Dass die 55 Sängerinnen und Sänger Anton Bruckners „Locus iste“ besonders lieben, wurde den Zuhörern schnell klar. Der Hohenloher Kammerchor betonte bei der Wiedergabe dieses Graduales das klangliche Staunen wie das Beschwörende von Bruckners Musik. Mit Intensität und ausdrucksstark entführte der Chor in Josef Rheinbergers „Morgenlied“. Klar war hier der Aufbruch zwischen dem Schweigen der zweiten Strophe und dem „Lob und Ehre“-Singen der Nachtigall he­rausgearbeitet worden, wie auch am Ende das „Er hat die Nacht vertrieben“ mit kraftvollen Tönen unterstrichen. Ähnlich innig hatten sich die Sänger Carl Gottlieb Reissingers „Veni sancte spiritus“ angenommen. Mit Hingabe wurde das Bittende unterstrichen. Noch schlichter und auch fast noch ein wenig eindrücklicher war das selten zu hörende „Ave maris stella“ von Grieg zu vernehmen. Grieg hatte diesen Hymnus fast zu einer Volksweise gemacht.

Nachdrückliche Bitte

Ebenfalls selten zu hören ist Gioachino Rossinis kurze Motette „O salutaris hostia“. Das „Da robur, fer auxilium“ (Gib Kraft, bring Hilfe) wurde zur nachdrücklichen, kraftvoll intonierten Bitte. Felix Mendelssohns „Jauchzet dem Herrn alle Welt“ klang wiederum am Ende zu „Seine Gnade währet ewig und seine Wahrheit für und für“ gefestigt. Knut Ny­stedts „I will praise thee, o Lord“ wirkte als Lobgesang ausgreifend und ins Ekstatische driftend.

Zu all den romantischen und postromantischen Chorklängen gesellte sich – auch ein wenig ein Erinnern an die Zeit des Dreißigjährigen Krieges zwischen 1618 und 1648 – Heinrich Schütz’ „Das ist je gewißlich wahr“. Gut waren den Sängern die Wechsel zwischen Zweier- und Dreiertakt gelungen.

Nach diesem sechsstimmigen Chorwerk rief die Flötistin Stephanie Reinhardt durch schnelle Tongirlanden in Johannes Don­jons „Élégie“ Mehrstimmigkeit hervor. Das gelang ihr auch gut im langsamen Satz aus Carl Philipp Emanuel Bachs a-Moll-Sonate, der sehr beredt klang, und in Krzysztof Zgrajas „Improvvisando – Flamenco – A piacere“.

Stephanie Reinhardt erhielt für ihre Zwischenspiele ebenso begeisterten Beifall wie der Hohenloher Kammerchor, der sich mit Albert Beckers „Bleibe, Abend will es werden“ von seinem Publikum verabschiedete.

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