Vogelschutz Der Herr der 100 Schwalbennester

Landwirt Gerhard Leidig (links) beobachtet, wie  Rudi Apel die Plakette „Schwalben willkommen“ ans Tor schraubt.
Landwirt Gerhard Leidig (links) beobachtet, wie  Rudi Apel die Plakette „Schwalben willkommen“ ans Tor schraubt. © Foto: Claudia Kern-Kalinke
Ilshofen / Claudia Kern-Kalinke 11.09.2018
Im Ilshofener Teilort Steinbächle sind mit der NABU-Aktion „Schwalbenfreundliches Haus“ vier Hofstellen ausgezeichnet worden. Die meisten Brutplätze gibt es bei Gerhard Leidig.

Auf dem Bauernhof von Gerhard Leidig kann man 100 Schwalbennester zählen. Insgesamt 60 sind an den Außenfassaden von Wohnhaus, Stall und Scheune auszumachen, alle belegt von Mehlschwalben. Weitere 40 kleben an den Deckenbalken im Innern von Kuhstall und Jungviehstall. „Hier brüten die Rauchschwalben“, weiß der Landwirt, der den Schwalben schon vor 20 Jahren die ersten künstlichen Bruthöhlen angeboten hat. „Weil alle angenommen wurden, habe ich dann immer mehr aufgehängt“, berichtet Leidig.

Am vergangenen Wochenende hat er dafür im Rahmen der bundesweiten Aktion „Schwalbenfreundliches Haus“ die Anerkennung des Nabu erhalten. Rudi Apel, Vorsitzender des Bezirksverbands Südbaden, schraubte ihm die Plakette „Schwalben willkommen“ ans Hoftor und schenkte ihm als Dankeschön ein weiteres Schwalbennest, das sicher im nächsten Sommer zwitschernde Bewohner findet.

Kaltes Frühjahr

„Wenn die Schwalben im Frühjahr aus ihrem Winterquartier zurückkommen und fertige Nester vorfinden, die sie nicht erst bauen müssen, fangen sie gleich mit dem Legen und Brüten an“, weiß Schwalbenexperte Apel. Umso schneller könnten sie die zweite Brut aufziehen. In besonders guten Jahren wachse sogar eine dritte Generation von Jungvögeln heran. In diesem Frühjahr seien über die Spanienroute rund 30 Prozent weniger Schwalben aus dem Winterquartier zurückgekommen, weil es Mitte März noch eisig kalt war und die Vögel kein Futter gefunden haben, beklagt der Nabu-Vorsitzende. Die Hohenloher Schwalben flögen aber in der Regel über Italien und hätten mehr Glück. So konnte sich Leidig freuen, dass wieder alle 100 Nester belegt waren.

Bedenkt man, dass jedes Schwalbenpaar mit einem Gelege drei bis fünf Junge aufzieht und meistens zweimal brütet, kommt schon eine ganze Menge Nachwuchs zusammen. Der Schwalbenfreund tut auch etwas für seine Glücksbringer im Stall. Jedes Frühjahr – rechtzeitig ehe die Zugvögel zurückkommen – putzt er die Nester aus und befreit sie von Staub, Milben und anderem lästigen Getier, das die Paare abhalten könnte, erneut zu brüten. Apels Tipp an den Landwirt: „Machen Sie das schon im Winter, dann krabbelt nichts mehr in den Nestern.“

Vor ein paar Jahren führte ihn eine Urlaubsreise nach Gibraltar, berichtet Leidig. „Da hab ich gestaunt, wie weit meine Schwalben fliegen.“ - „Und sie fliegen sogar noch viel weiter“, merkt Rudi Apel an, „sie überwintern südlich der Sahara“.

Der Landwirt wird etwas wehmütig, wenn der Sommer zur Neige geht und seine Schwalben davonfliegen. Er zitiert eine alte Bauernregel, die den Stichtag für den Abflug benennt: „8. September: An Mariä Geburt gehen die Schwalben fort.“ Jeden Abend hat er zwischen Stall und Wohnhaus das faszinierende Schauspiel bewundert, „wenn die Schwalben bis neunmal kreisen, immer tiefer kommen und dann mit einem Schlag alle in die Nester schlüpfen“.

Vier Plaketten für Steinbächle

Neben der von Gerhard Leidig sind in Steinbächle noch drei weitere Hofstellen mit der Plakette „Schwalben willkommen“ ausgezeichnet worden: die von Katrin und Hartmut Herrmann, Karl Ebert und Fritz Laukenmann, aus dessen Familie der Nabu den Tipp bekommen hat. Sie alle haben „vorbildliche Nistmöglichkeiten“ für die Vögel geschaffen.

Seit 2008 zeichnet Rudi Apel in Baden-Württemberg zusammen mit anderen Nabu-Mitgliedern schwalbenfreundliche Häuser aus. Ihre Zahl schätzt er auf 1300. clak

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