Eigentlich gibt es beim Kocherabschwimmen die heißen Getränke erst hinterher. Doch Dennis Rudy und seine Kameraden von der DLRG Bad Rappenau haben vorgesorgt. Ein mit vier Thermoskannen beladenes Versorgungsfloß geht gemeinsam mit den abgehärteten Schwimmern am Samstagvormittag in Steinbach auf die Reise. Unterwegs genehmigen sie sich den ein oder anderen Schluck Glühwein. „Mir ist total warm. Das liegt sicher auch am dicken Neoprenanzug“, sagt Dennis Rudy, als er schließlich lächelnd und ganz entspannt an der Henkersbrücke aus dem Fluss steigt.  Tatsächlich hat es in der 41-jährgen Geschichte des Kocherabschwimmens schon wesentlich kältere Tage gegeben. Dieses Silvester zeigt des Thermometer für Luft und Wasser „milde“ fünf Grad plus an.

Zwei DLRG-Gruppen sagen ab

55 Teilnehmer haben sich diesmal bei Hauptorganisator Sebastian Zügel von der Haller DLRG angemeldet – deutlich weniger als im vergangenen Jahr, als sich 96 Schwimmer in die kalten Fluten stürzten. Mit Gschwend und Böblingen hätten diesmal zwei große DLRG-Gruppen ihre Teilnahme abgesagt, begründet Zügel den kleinen Einbruch. Zudem sei es wohl ungünstig, dass Silvester 2018 auf einen Montag falle.

Zwar nicht ganz so viele DLRG-ler, dafür einige neue Gruppen sind diesmal dabei: Die Haller Polizei geht mit vier Mann und einem aufblasbaren Rettungs-Einhorn an den Start. Die Freiwillige Feuerwehr wagt sich indes mit sechs Kameraden in den Kocher.

Schon auf den ersten Metern gibt Sebastian Zügel den Ton an: Mit dem Schlachtruf „Klatsch – Nass“ werden die mehreren hundert Neugierigen gegrüßt, die die Schwimmer am Ufer begleiten, fotografieren und filmen.

Nachdem am Wehr bei den Stadtwerken die erste Rutschpartie gemeistert ist, setzt sich Bernd Wichler aus Freudenstadt an die Spitze. „Man sollte dieses Flussschwimmen nicht unterschätzen und sich einmal im Jahr vom Arzt gründlich durchchecken lassen, wenn man mitmachen will“, erzählt der erfahrene DLRG-Schwimmer. Beim Stehversuch reicht ihm das Wasser immerhin bis zur Brust. Die Bedingungen sind somit deutlich besser als vor zwei Jahren, als der Kocher extremes Niedrigwasser führte und die Strecke mehr laufend als schwimmend zurückgelegt werden musste.

Am zweiten Wehr am Epinalsteg kommt das auseinandergerissene Teilnehmerfeld wieder zusammen. Auf Sebastian Zügels Kommando rutschen alle gleichzeitig hinab – neugierig beobachtet von den Zuschauern, die auf Unterwöhrd, Grasbödele und Steinernem Steg wie in einer Arena das Geschehen verfolgen.

Mit zehn Jahren schon dabei

Nachdem hinter dem Wehr schließlich doch einige Meter watend zurückgelegt werden müssen, geht es entlang der Mauerstraße wieder schwimmend auf die Zielgeraden. Da die Strömung nicht allzu stark ist, fällt der Ausstieg kurz hinter der Henkersbrücke leicht. Im Gegensatz zum abgehärteten Dennis Rudy ist einigen sichtlich kalt – zum Beispiel Mareike Fehrle, mit zehn Jahren die jüngste Teilnehmerin. Noch etwas zitternd beißt das Mädchen in eine heiße Bratwurst. Auch Waffeln, Glühwein und Punsch verkaufen die Organsiatoren von der DLRG im Zielbereich. Der Erlös kommt der Jugend-Wasserrettungsgruppe zugute.

Nach einer heißen Dusche fahren die Schwimmer zurück zum Clubhaus des SC Steinbach. Spätestens nach dem dortigen Mittagessen – Geschnetzeltes mit Pilzen und Spätzle – ist auch der Letzte wieder aufgetaut.

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