Mainhardt Der frühe Vogel schwimmt

Ulrich Herzog hat kein Problem damit, früh aufzustehen. Er findet an seinem Job im Mainhardter Mineralfreibad großen Gefallen.
Ulrich Herzog hat kein Problem damit, früh aufzustehen. Er findet an seinem Job im Mainhardter Mineralfreibad großen Gefallen. © Foto: Sonja Alexa Schmitz
Mainhardt / Sonja Alexa Schmitz 15.08.2018
Jeden Mittwoch um 6.30 Uhr schließt Ulrich Herzog das Mineralfreibad auf und beaufsichtigt die Frühschwimmer, die für dieses ehrenamtliche Tun sehr dankbar sind.

Er ist ein Frühaufsteher – immer schon gewesen. Sommers wie winters ist Ulrich Herzog früh auf den Beinen. Als er noch im Berufsleben stand, als Lehrer für Sport und Englisch an der Mainhardter Realschule, stand er vor der Arbeit schon im Stall. Sie hatten Pferde daheim in Ammertsweiler. Dann radelte er zur Schule. „Da hatte ich schon mein Pensum an Bewegung.“ Die holt sich der 74-Jährige jetzt im Ruhestand immer noch, unter anderem beim Schwimmen. Als er 2002 die Arbeit beendete, trat er in die DLRG ein und absolvierte die Rettungsschwimmerausbildung. Irgendwann fragte die Vorsitzende Meta Schoch ihn, ob sie nicht ein Frühschwimmen einrichten sollten. Der geborene Stuttgarter war sofort dabei und übernahm die frühmorgendliche Schicht.

Ein paar Runden vor der Arbeit

Im zweiten Jahr steht Herzog nun am Beckenrand, ein T-Shirt mit der Aufschrift „Mineralfreibad Mainhardt“ weist ihn aus. So patrouilliert er neben dem Blau und hat ein Auge auf die Schwimmer. Dieser harte Kern hat sich schon fast angefreundet. Am ersten Badetag, dem 13. Mai – einem kalten, regnerischen Tag –, kamen nur drei, jetzt im Sommer sind es mehr. Die Älteste ist 83 Jahre alt. Der Rest ist meist berufstätig und gönnt sich ein paar Runden vor der Arbeit. „Das ist eine dankbare Klientel. Nach jedem Schwimmen sagen sie mir, wie schön es ist, diese Möglichkeit zu haben und dass ich das mache.“

Wenn die Frühschwimmer um 7.30 Uhr das Bad verlassen, kommt Herzogs Stunde: Dann gehört das Becken ihm. Wunderschön liegt es da, eine flache, blau schimmernde Scheibe, in die nur er eintauchen darf. 25,6 Grad warm. Im Hintergrund erhebt sich der Schwäbisch-Fränkische Wald.

Die Zeiten, in denen der ehemalige Sportlehrer seine Runden zählte, sind vorbei. „Ich lasse mich nicht mehr von der Stoppuhr terrorisieren.“ Eine halbe Stunde, abwechselnd Kraulen und Rückenschwimmen, dann fährt er mit seinem Mountainbike heim.

An diesem Tag wird er noch einmal anrücken. Der Bademeister hat einen Termin im Rathaus, der ehrenamtliche Rettungsschwimmer ersetzt ihn. Herzog ist nicht der Einzige, der freiwillig die Badeaufsicht macht. Insgesamt sind es zwölf Leute. In der Saison hat er ungefähr zehn Extra-Dienste zusätzlich zu seinen frühen Schichten. Alle zwei Jahre legen die Helfer erneut eine Prüfung ab, und jährlich bekommen sie eine Auffrischung der lebensrettenden Griffe. Passiert ist noch nie etwas, während Ulrich Herzog Dienst hatte. „Gott sei Dank“, wobei er sagt: „Es ist das Höchste, wenn man retten kann.“

Die Frühschwimmer haben sich am Ende der vergangenen Saison herzlich bei den Ehrenamtlichen, im Besonderen bei Ulrich Herzog, bedankt dafür, dass er ihnen dieses besondere Morgenerlebnis ermöglicht. Wenn es mal vorkommt, dass der seit 1968 in Ammertsweiler wohnende Ehemann, zweifache Vater und Opa nicht die frühe Morgenschicht übernimmt, weil er doch auch mal in Urlaub fahren will, dann löst ihn Ulrike Bäumlisberger ab.

Auch in diesem Jahr wird es Herbst werden und die Saison geht zu Ende. Dann  steht der schlanke Mann weiterhin früh auf, isst sein Müsli und läuft eine Runde mit seinen beiden Golden Retrievern. Hauptsache, raus in die Natur, die ihn stets lockt.

Ehrenamtliche Rettungsschwimmer

Erfahrung Im Mainhardter Mineralfreibad übernehmen zwölf ausgebildete, ehrenamtliche Rettungsschwimmer die Badeaufsicht. „Viele von ihnen sind schon sehr lange dabei und geben ihre Erfahrung an die neu Hinzukommenden weiter“, sagt Meta Schoch, Vorsitzende der DLRG-Ortsgruppe Mainhardt. „Eine Ausbildung zum Rettungsschwimmer ist keine Tagesaufgabe, die einzelnen Themen werden gut vorbereitet und geübt, bevor es zur Prüfung geht.“ sasch

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