Elektromobilität Der Einsatz von E-Bussen ist leise, aber kostspielig

Abfahrt um 8.55 Uhr am Haller Busbahnhof: Ein E-Bus des Unternehmens Röhler wartet gestern Morgen auf Fahrgäste.
Abfahrt um 8.55 Uhr am Haller Busbahnhof: Ein E-Bus des Unternehmens Röhler wartet gestern Morgen auf Fahrgäste. © Foto: just
Schwäbisch Hall / Jürgen Stegmaier 23.02.2018

Fünf Elektrobusse hat Röhler im Einsatz. Einer bedient den Crailsheimer Stadtverkehr, andere sind auf Strecken zwischen Hall und Künzelsau oder auf der Route Hall-Michelfeld-Waldenburg unterwegs. Ist die Zukunft des öffentlichen Nahverkehrs elektrisch? Wenn im Landkreis Schwäbisch Hall jemand diese Frage aus praxisnaher Sicht beantworten kann, dann sind es die Röhler-Brüder Frank und Jochen. Sie führen das Familienunternehmen, das insgesamt rund 160 Busse auf der Straße hat, zusammen mit ihrem Vater Peter und ihrer Schwester Sabine in zweiter und dritter Generation. Frank Röhler hat eher den kaufmännischen Aspekt im Blick, Jochen Röhler gilt als Fachmann für das Technische.

Alle fünf E-Busse von Röhler fahren mit einem Antrieb, der in der Nachbarschaft entwickelt und hergestellt wurde – mit dem getriebelosen Radnabenantrieb von Ziehl-Abegg aus Künzelsau beziehungsweise Waldenburg. Diesem wird ein besonders hoher Wirkungsgrad zugeschrieben.

Rund 200 Kilometer weit fährt ein Bus mit einer Batterieladung. Wenn es sehr kalt ist, sinkt die Kapazität, ebenso wenn es heiß ist. Die Linie Hall-Künzelsau bedienen die Röhler-Busse täglich von 5 bis 20 Uhr. Dafür reicht eine Batterieladung nicht. Obwohl die Akkus in Künzelsau in kurzen Pausen teilweise nachgeladen werden, ist es erforderlich, dass ein Bus mit leerer Batterie gegen einen mit frisch geladener getauscht wird. Effektiv ist so ein Tausch nicht. Ein Bus rechnet sich für den Betreiber nur, wenn er fährt.

Um den E-Bus-Einsatz effektiver zu machen, wünschten sich die Röhler-Brüder Ladestationen an strategisch geschickten Orten, beispielsweise dem Hessentaler Bahnhof. Doch dies lässt sich nicht leicht umsetzen: Die Errichtung eines 150-Kilowatt-Anschlusses, der eine schnelle Ladung ermöglicht, kostet rund 100 000 Euro, die dafür erforderliche Ladetechnik nochmals 50 000 Euro. Außerdem: Einen Anschluss darf sich nur derjenige einrichten lassen, dem auch das jeweilige Grundstück gehört.

Die Vorteile von Elektrobussen liegen für die Brüder auf der Hand: Sie sind leise.  „Mit unserem Elektrobus fahren wir morgens um fünf in Crailsheim durch ein Wohngebiet – und keiner hört’s“, erklärt Frank Röhler. Ist das Fahrzeug auch umweltfreundlich? „Das ist relativ“, schränkt Jochen Röhler ein. Der Bus erzeuge zwar keine Abgase, doch umweltfreundlich ist er nur, wenn er mit Strom geladen wird, der regenerativ erzeugt wurde.

Und die Nachteile? Frank Röhler muss nicht lange überlegen: „Die Kosten. Antrieb und Batterien schlagen erheblich zu Buche.“ Für einen Bus mit Dieselantrieb sind zwischen 200 000 und 350 000 Euro zu investieren. Die Anschaffung eines E-Busses wird zwar hoch gefördert, kostet aber 600 000 Euro.

Kein Vorteil ergibt sich hinsichtlich der Betriebskosten. Die Unsicherheit liegt nicht zuletzt darin, dass die Haltbarkeit der elektronischen Komponenten wegen fehlender Erfahrungswerte noch nicht einzuschätzen ist. Das Zusammenspiel von Motoren für Antrieb, Lenkung, Kühlung sei komplex und anfällig. Anders bei einem Dieselfahrzeug – dort treibt der Motor über direkte Verbindungen oder Riemen auch die anderen Komponenten an.

Ist die Zukunft im Bus-Nahverkehr elektrisch? Die Röhlers betonen, dass die Entwicklung in die richtige Richtung geht. „Ja, wenn die Industrie ihre Produkte weiter verbessert“, sagt Jochen Röhler. „Ja, wenn die Kosten sinken“, ergänzt Frank Röhler.

50

Prozent des Kaufpreises eines E-Busses werden durch die Batterien verursacht.

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