Michelbach/Bilz Der Blick schweift in die Ferne

Dietmar Mattheus (links) und Hans Eichele schauen auf eine Wanderkarte.
Dietmar Mattheus (links) und Hans Eichele schauen auf eine Wanderkarte. © Foto: Andreas Scholz
Michelbach/Bilz / Andreas Scholz 07.09.2018
An der Bilz können Wanderer zwischen zahlreichen Wegvarianten wählen. Jetzt im Sommer zur Blütezeit der Golddistel ist eine kleine Entdeckungstour besonders empfehlenswert.

Dichte Wälder, dornige Hecken, kleine Wacholderheideflächen, prächtige Obstbäume, weitflächige Wiesen, sanfte Hügel: Die Kulturlandschaft an der Bilz am Rande der Limpurger Berge zeichnet sich durch großen Abwechslungsreichtum aus. Das vielseitige Landschaftsprofil an der Bilz sorgt für eine beachtliche Artenvielfalt, wie Martin Zorzi vom Umweltzentrum Schwäbisch Hall bestätigt. „Auf den Schafweideflächen am Keuperstufenhang hat sich dank einer pestizidfreien Bewirtschaftung eine spezielle und artenreiche Pflanzengesellschaft entwickeln können, die zahlreichen Vögeln und Insekten eine Heimstatt bietet“, betont er.

Die Landschaft an der Bilz schätzt Martin Zorzi als ganzjähriges Refugium für schöne Pflanzen und scheue Tiere. „Im zeitigen Frühjahr können Naturfreunde hier ein Meer an Buschwindröschen und anderen Frühblühern entdecken. Im Juni begeistern einen die bunten Blumenwiesen mit Zahntrost, Hauhechel und Skabiose“, schwärmt der Naturfreund. Im Sommer laufe man an der Bilz quasi durch „Wolken“ von Schachbrettfaltern und Blutströpfchen, die zu den farbenprächtigsten Vertretern der heimischen Schmetterlingsfauna zählen. „Im Herbst verzaubert einen an der Bilz das bunte Laub der Kirschbäume“, bekräftigt Martin Zorzi.

Unmut über Bauboom

In die Freude über die artenreiche Flora und Fauna an der Bilz mischt sich bei Zorzi Unmut über den Bauboom in Michelbach. Dass sich die Kulturlandschaft an der Bilz im Laufe der vergangenen Jahre geändert hat, stellen auch Dietmar Mattheus und Hans Eichele von der Albvereins-Ortsgruppe Michelbach fest. „An den Anblick der Windräder müssen wir uns erst noch gewöhnen“, gibt Mattheus zu. Obwohl das Jahresprogramm der Ortsgruppe auch Wanderausflüge in die Region vorsieht, zieht die Bilz beide stets aufs Neue magisch an. „Ich gehe mit meiner Frau mindestens einmal in der Woche an der Bilz spazieren. Wir drehen dann meistens eine zweistündige Runde, die am Landschaftspflegehof vorbeiführt“, so Dietmar Mattheus.

Jetzt im Sommer empfehlen Mattheus und Eichele den Bilzweg, der 7,5 Kilometer lang ist und bei dem 221 Höhenmeter bewältigt werden. Start und Ziel der Tour ist der Wanderparkplatz in Michelbach am Ende der Siedlungsstraße Bilzweg. Die Wanderung führt hinauf zur Bilz und gewährt sagenhafte Ausblicke auf Rosengarten, den Mainhardter Wald, Schwäbisch Hall, die Hohenloher Ebene und den Einkorn. „Beim Naturdenkmal der drei Linden sieht man am Horizont sogar die Kochertalbrücke“, betont Mattheus.

Die drei Linden, die 1888 im „Drei-Kaiser-Jahr“ auf der Bilz gepflanzt wurden, sind ein beliebter Rastplatz und Aussichtspunkt. Vorbei an Golddisteln auf den Heideflächen biegt der Wanderweg nach links zur Jakobsruhe ab. Auch an dem Denkmal für Friedrich Carl Eggel (1726-1796) kommen die Wanderer vorbei. „Friedrich Carl Eggel pflanzte einst die ersten Lärchen in Württemberg. Fünf Ur-Lärchen stehen heute noch in der Lärchenhalde, die sind also schon steinalt“, weiß Hans Eichele. Am Denkmal des legendären Lärchenpflanzers führt der Weg zurück nach Michelbach.

Wer in der Kulturlandschaft an der Bilz unterwegs ist, der begegnet immer wieder den Schafherden von Daniel Voigt. Er hat von seinen Eltern die Schäferei am Landschaftspflegehof übernommen. „Die abwechslungsreiche Landschaft an der Bilz ist zu meiner Heimat geworden. Wenn man auf der Bilz steht und die Ausblicke genießt, merkt man auch wie einen die Bilz in den Bann zieht“, erklärt der Schäfer. Seine Schafe werden dort zur Landschaftspflege eingesetzt. „Durch die jahrzehntelange Beweidung mit den Schafen haben diese natürlich auch die Landschaft an der Bilz geprägt“. Für den Schäfer sei es eine sinnvolle Aufgabe, sich in der schnelllebigen Landwirtschaft für die Erhaltung von schönen und hochwertigen Flächen einzusetzen. Von Wanderern, die an der Bilz seinen Schafen begegnen, wünscht er sich Respekt den Tieren gegenüber. „Bevor man gedankenlos durch die Herde geht, erst schauen ob man außen um die Schafe kommt. Wenn dies nicht gelingt, dann den Schäfer fragen ob es in Ordnung geht, die Schafherde langsam zu durchqueren“, so Daniel Voigt.

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