Crailsheim Voith entwickelt sich gut

Imposante Ausmaße: Die Bearbeitung der riesigen Hochleistungs-Gelenkwellen ist eine besondere Produkt-Spezialität des Standortes Crailsheim.
Imposante Ausmaße: Die Bearbeitung der riesigen Hochleistungs-Gelenkwellen ist eine besondere Produkt-Spezialität des Standortes Crailsheim. © Foto: Imposante Ausmaße: Die Bearbeitung von Hochleistungs-Gelenkwellen ist eine besondere Spezialtät am Standort Crailsheim
Crailsheim / Heribert Lohr 06.07.2018
Voith hat sich in den ersten sechs Monaten des laufenden Geschäftsjahres auch in Crailsheim gut entwickelt. Der Umbau des Konzerns fordert die Mitarbeiter überall.

Das Maschinenbauunternehmen, das im zurückliegenden Jahr sein 150-jähriges-Bestehen gefeiert hat, hat das erste Halbjahr des Geschäftsjahres 2017/18 „mit soliden Zahlen“ abgeschlossen. Ein noch besseres Abschneiden wurde nach Angaben des weltweit agierenden Technologiekonzerns mit seinem Stammsitz in Heidenheim/Brenz „vor allem durch negative Währungseffekte verhindert“.

Nicht ungewöhnlich lief das Geschäft in den Geschäftsbereichen Voith Hydro, Voith Paper und Voith Turbo sehr erfreulich. Voith Paper, unlängst noch das große Sorgenkind ist zwischenzeitlich wieder großer Ertragsbringer. Während Hydro etwas schwächelte, lag die Sparte Voith Turbo fast exakt im Plan.

Höhere Anlaufkosten

Insgesamt hat Voith in den ersten sechs Monaten seines laufenden Geschäftsjahres (Oktober 2017 bis März 2018), Aufträge im Wert von 2,29 Milliarden Euro erwirtschaftet. Der Auftragsbestand lag Ende März bei 5,32 Milliarden Euro. Der Umsatz summierte sich in den ersten sechs Monaten auf 2,05 Milliarden Euro (plus vier Prozent). Unter dem Strich stand ein  Betriebsergebnis von 75 Millionen Euro: Dass es nicht mehr war, ist den Anlaufkosten für den neuen standortübergreifenden Geschäftsbereich Voith Digital Solutions geschuldet, die nun höher ausfallen als geplant.

„Der Konzern präsentiert sich im operativen Geschäft weiterhin in robuster Verfassung. Wir werden uns in den kommenden Monaten vor allem darauf konzentrieren, auf dieser Basis die Voraussetzungen für künftiges profitables Wachstum zu verbessern. Wir verfügen über erhebliche finanzielle Handlungsspielräume für organisches und anorganisches Wachstum, die wir in den kommenden Jahren nutzen werden“, erklärte der Vorsitzende der Konzerngeschäftsführung, Stephan Schaller, der seit April dieses Jahres die Geschicke des Gesamtunternehmens lenkt.

Gute Nachrichten gibt es auch am Standort Crailsheim. Nach einer Zeit, eines strukturellen Umbaus, der auch den Abbau von rund 80 Arbeitsplätzen beinhaltete, entwickelte sich der Bereich Voith Turbo zuletzt gut, auch wenn das „in Teilen weiterhin herausfordernde Marktumfeld“ den Mitarbeitern in diesem Geschäftsbereich einiges abverlangte. Unter dem Strich stand bei den Aufträgen zuletzt ein leichter Zuwachs mit der Folge, dass der Geschäftsverlauf am zweitgrößten Standort von Voith in Europa „mit der Bewertung stabil ausgezeichnet wird“.

Rund 1000 Mitarbeiter entwickeln und produzieren hier komplexe Produkte für die Energieerzeugung, die Öl- und Gasindustrie, für den Bergbau, die Stahlindustrie sowie für Nutzfahrzeuge und Busse. Zum Leistungsportfolio gehören regelbare Antriebe, Flüssigkeitskupplungen, Hochleistungsgelenkwellen, Retarder sowie Stell- und Regeltechnik. „Die ansprechende Entwicklung am Standort“ ist laut Rolf Schweizer „unter anderem auch auf die Stabilisierung der Rohstoff- und Stahlpreise zurückzuführen“. Nach Aussage von Schweizer, dem Executive Vice President und CEO Industry Voith Turbo, wurde in Crailsheim wieder begonnen, „substanziell in die Markteinführung neuer Produkte bei den regelbaren Antrieben und den hydrodynamischen Kupplungen zu investieren. Dies werden wir im kommenden Jahr fortsetzen.“

Dazu investiert Voith in Crailsheim auch in seine Fertigung, etwa in ein Bearbeitungszentrum in der Großteilebearbeitung, in den Bereich kollaborative Robotik sowie in eine teilautonome Lagerlogistik und in die Thematik Manufacturing Execution Systems (MES), die die Führung, Lenkung, Steuerung oder Kontrolle der Produktion in Echtzeit ermöglicht. Im zurückliegenden Jahr hatte Voith Turbo für seinen standortübergreifenden Produktionsverbund (Crailsheim, Garching und Salzgitter) die Auszeichnung „Fabrik des Jahres“ erhalten. Basis dafür ist ein Datennetzwerk, das letztlich auch die Grundlage für den neuen Geschäftsbereich Voith Digital Solutions bildet. Damit konnte der Maschinenbauer, der seit 50 Jahren in Crailsheim ist, unter anderem seine Fertigung und Montage verzahnen und sich so zusätzliche Effizienzen erschließen, da die Maschinen besser ausgelastet sind. Dabei kommen auch kollaborative Roboter zum Einsatz.

Produktionsverbund

Wie diese arbeiten, erläuterte Werksleiter Jürgen Rieger vor einigen Tagen auch den 120 Besuchern beim gemeinsamen Business Forum der Sparkasse Schwäbisch Hall-Crailsheim, dem Personaldienstleister Bera und dem Wirtschaftsmagazin  unserer Tageszeitung RegioBusiness. Rieger verdeutlichte dabei auch die enormen Anforderungen an die hauseigenen IT-Strukturen: „Wenn etwa die Hälfte unserer Maschinen arbeitet, werden dafür in neun Monaten 400 Megabyte  an Daten benötigt.“ Voith zieht dabei rund ein Drittel des Strombedarfs der Stadt.

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Milliarden Euro Umsatz machte Voith in 2017 und beschäftigte 19 000 Mitarbeiter. Der Konzern bedient die Märkte Energie, Öl & Gas, Rohstoffe, Papier, Transport & Automotive.

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