Schwäbisch Hall Der Baustellen-Spotter Peter Klink

Peter Klink (47) erläutert im Gespräch, welche Impulse er als Fachbereichsleiter Planen und Bauen in Schwäbisch Hall setzen will.
Peter Klink (47) erläutert im Gespräch, welche Impulse er als Fachbereichsleiter Planen und Bauen in Schwäbisch Hall setzen will. © Foto: Ufuk Arslan
Schwäbisch Hall / TOBIAS WÜRTH 27.11.2014
Im Jahr 1986 hat er Hall nach dem Abi den Rücken gekehrt, er studierte, war zuletzt Stadtplanungsamtsleiter in Ravensburg. Jetzt kann Peter Klink als Fachbereichsleiter fürs Bauen seine Heimat selbst gestalten.

"Es ist eine interessante Erfahrung, wenn man seine eigenen Kinder in die Schule bringt, die man selbst besucht hat", sagt Peter Klink (47). Im Schulzentrum West hat der neue Fachbereichsleiter Planen und Bauen einst sein Abitur abgelegt. "Die Schule war damals nagelneu, ein beeindruckender Komplex, der sagenhaft ausgestattet war." Drei Jahrzehnte haben vor dem Betonbauwerk nicht Halt gemacht. "Heute bin ich an der Sanierung der Schule beteiligt."

Solche Déjà-vu-Erlebnisse hat Klink derzeit. Als er in den 80ern in Hall lebte, ging es um die großen Veränderungen der Stadt im Zuge der Landesgartenschau, den Bau der Blendstatthalle, die Freilegung des Schiedgrabens und den umstrittenen Bau des Glashauses. "Ich habe die Entwicklungen natürlich weiterverfolgt, als ich in den Ferien meine Eltern in Hall besucht habe."

Denn Klink ist ein Baustellen-Spotter. Mit Spotting werden in England Menschen bezeichnet, die ausdauernd alltägliche Phänomene beobachten - wie zum Beispiel Züge. "Ich finde das Bauen einfach faszinierend", begründet er das.

Für 40 Mitarbeiter im Baubereich zuständig

Was ihm an Hall schon damals gefallen hat: Altes werde erhalten, aber mit Neuem kombiniert. Damals waren es die modernen Lampen, die erstmals an alten Gebäuden angebracht wurden, oder der Metall-Steg über den Schiedgraben, der alte Mauern verbindet. Heute sei es der ZOB, der als filigranes Bauwerk ins Stadtbild passe. Manchmal hilft der Blick von außen, um die Haller auf Besonderheiten ihrer Stadt aufmerksam zu machen: "Der Haller ZOB ist in der Fachwelt ein Begriff und dient als Referenzobjekt", weiß Klink.

Der Stadtplaner ist seit 60 Tagen im Amt, freut sich über die freundliche Aufnahme durch die Mitarbeiter. Hochbau, Tiefbau, Stadtplanung, Vermessung, Haller Grundstücks- und Erschließungsgesellschaft (HGE): Klink ist Chef von rund 40 Angestellten. Bis zum Frühjahr steht ihm sein Vorgänger Eberhard Neumann zur Seite - wenn er eine Nachfrage hat. Klink verantwortet vieles: Vom zukunftsweisenden Flächennutzungsplan bis zur Frage, wo man die Mülleimer in der Haller Innenstadt verstecken soll.

Was hat Klink mit Schwäbisch Hall vor? Er arbeite sich noch in die Frage ein: "Wo steht die Stadt?" Der Mann im blauen Hemd, der vor sich auf den Tisch einen schwarzes Notizbuch legt - und dezent darunter den grünen Stadtplan Halls platziert - zeigt sich zurückhaltend. Ein Indiz für seinen Stil ist vielleicht das erste Poster, das er in den Räumen in der Gymnasiumstraße 4 aufgehängt hat. Es zeigt die geschwungenen, klaren Linien des Guggenheim-Museums in New York. Über seinem Schreibtisch hat er noch ein Gemälde hängen, lässt aber durchblicken, dass er es wohl ersetzt. Es ist ein wirres Spiel aus Formen und Farben zu sehen, das an den späten Kandinsky erinnert.

"Oberster Maßstab muss die Qualität des Bauens sein", erläutert Klink. Natürlich sei das teurer als eine Billigbauweise. "Aber irgendwann muss das Gebäude vererbt oder verkauft werden." Spätestens dann zahle sich Qualität aus.

Klink stellt die Frage, ob zwischen dem freistehenden Eigenheim und dem großen Geschosswohnungsbau nicht doch eine andere Bauweise in Hall einen Platz finden soll. "Was ist die richtige Form des verdichteten Wohnens?" Natürlich könne es kein einfallsloses Zurück zur 2,50 Meter breiten Doppelhaushälfte geben. Aber mehrstöckige Häuser, die zusammenhängend einen urbanen Raum bilden, hätten in Hall eine Zukunft.

Klink bringt dabei einige Erfahrungen mit, die er anwenden kann. Seine spannendste Baustelle war bisher die Umwandlung des ehemaligen Bahnhofs von Plön in Schleswig-Holstein. Das Gebäude in Seenähe wurde von der Stadt gekauft und in ein Tourist-Center samt Veranstaltungsräumen verwandelt.

Größtes Projekt in den nächsten Jahren: Haalplatz erneuern

In Hall gehört der Bahnhof im Tal bereits der Stadt und soll entweder mit Leben gefüllt oder abgerissen werden. Auch das Bahnhofsgebäude in Hessental hätte die Stadtverwaltung gerne besser genutzt.

Eines seiner größten Projekte wird aber der Haalplatz sein. Es könne nicht sein, dass der Salzbrunnen - als Herzstück der Stadtgeschichte - zwischen parkenden Autos versteckt sei. Er will die Ideen der Bürger miteinbeziehen und dann ein Konzepte erarbeiten.

Und noch ein Anliegen hat Klink: Der Busverkehr in Hall sei zwar gut. Wer aber zum Beispiel aus der Breiteich oder der Mittelhöhe in die Stadt will, müsse teils große Umwege fahren. Die Mobilität zwischen Altstadt und den Höhen zu verbessern wäre wichtig. Klink: "Dafür habe ich aber noch keine Idee."

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