Schneematsch, grauer Himmel, den ganzen Samstag über herrscht Nieselregen. Bei dem Wetter mag man keinen Hund vor die Tür jagen. Am Sonntagmorgen sieht es etwas besser aus: Der Schnee ist zur Randerscheinung am Straßenrand verkommen, die Temperaturen sind auf vier Grad angestiegen. Der Nieselregen hört langsam auf. Schon seit dem frühen Morgen sind Menschen dabei, auf dem Haller Marktplatz alles für den 34. Dreikönigslauf der Turn- und Sportgemeinde vorzubereiten. Er ist das Haller Großereignis zum Jahresbeginn. Und für die TSG, die in diesem Jahr ihr 175-jähriges Bestehen feiert, die beste Gelegenheit, sich der Öffentlichkeit zu präsentieren.

Johannes Weingärtner, der den Lauf selbst schon gewonnen hat, ist optimistisch, dass auch heuer wieder viele Zuschauer kommen. Die Haller und die vielen Gäste aus den Nachbargemeinden enttäuschen ihn nicht. Der Marktplatz und die Stufen von St. Michael sind vielleicht nicht ganz so voll wie bei Sonnenschein, doch der guten Stimmung tut das keinen Abbruch.

Regen ist flüssiger Sonnenschein. Das ist Heldenwetter“, verkündet Moderator Hartwig Thöne, der Lauf- und Fußball­experte von Sport 1. Zum fünften Mal ist er mit von der Partie. Seine gute Laune schwappt schnell zu Läufern und vor allem zum Publikum über. „Für mich ist das der perfekte Start ins neue Jahr. Es geht bei aller Professionalität familiär zu“, so seine Beobachtung.

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Dass diese richtig ist, zeigen die vielen Omas und Opas, Tanten und Onkel, Väter und Mütter, die den Nachwuchs bei den 400-­Meter-Rennen mit Applaus und Anfeuerungsrufen begleiten. Richtig aufgeregt sind die Mädchen und Jungen, die zum ersten Mal dabei sind. Doch lange Zeit, darüber nachzudenken, haben sie nicht. Die Mitarbeiter der AOK halten sie mit Aufwärmübungen bei der Stange. Sie sind wahre Motivationskünstler. So vergehen die Minuten in Sekunden und schon sind sie auf der Strecke. „Schneller, lauf“, so schallt es aufmunternd von den Rändern. Doch das Schönste muss der Zieleinlauf sein. Getragen vom Jubel der Massen, vom Krach der Rasseln und Klatschpappen, werden sie ins Ziel getragen. Dazu schallt laute, mitreißende Musik aus den Lautsprechern, die DJ Odi abspielt. Verlierer gibt es nicht, alle, die mitmachen, sind Sieger.

„Es ist eine etwas hakelige Strecke. Bei den Richtungs- und Tempowechseln muss man bei der Feuchtigkeit aufpassen“, weiß TSG-Präsident Kurt Hocher, der Teile der Strecke in der Stadt am Morgen abgegangen ist. Aber alle Läufer scheinen dies beherzigt zu haben.

Nicht nur am Marktplatz stehen die Zuschauer. Am Dreikönig sieht man die Läufer schon, wenn sie über die Henkersbrücke in die Stadt rennen. Auch dort wird rhythmische Musik gespielt und die Klatschutensilien kommen zum Einsatz. Passend zum Dreikönigstag hat Kommentator Pascal Hermann eine Art Bischofsmütze aufgezogen. Er kennt viele der Mitlaufenden aus seiner Tätigkeit als einer der Geschäftsführer von „Firmenathleten“, die die Mitarbeiter von großen Firmen fit halten. Auch die Letzten muntert er mit persönlichen Ansprachen auf. „Das gehört sich auch so“, meint er. Fast kommt man sich vor wie beim Berlin-­Marathon. Keiner wird vergessen, sondern jeder angefeuert.

Anfeuern am Steinernen Steg

Am Steinernen Steg stehen Silke Ellenrieder und Tilmann Wahl mit den Kindern Pauline und Lotta. Pauline wollte eigentlich mitlaufen, hat sich aber am Sprunggelenk verletzt. Nun wird sie von ihrer Schwester im Rollstuhl geschoben. „Hier kann man am besten gucken. Das ist seit Jahren unser Stammplatz“, sagt Silke Ellenrieder. „Auch hier müssen die Läufer angefeuert werden.“ Besonders liegen ihnen die vom Circus Compostelli am Herzen.

Leonie Luibrand aus Tüngental ist nach dem 1700-Meter-Lauf etwas geschafft. Sie ist unter acht Minuten gelaufen und unter den ersten zehn. Jetzt muss sie mit Vater Alexander zur Siegerehrung in die Hagenbachhalle.

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Bühlerzell

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