Stimpfach Den Notarzt ruft keiner

Ein Monat danach: Christopher Seyerle sitzt an der Sturzstelle.
Ein Monat danach: Christopher Seyerle sitzt an der Sturzstelle. © Foto: Privatfoto
Stimpfach / JUKA 16.06.2014
Christopher Seyerle war gestürzt und hat eine starke Gehirnerschütterung erlitten. Seine Freunde haben die Situation dann falsch eingeschätzt.

Christopher Seyerle ist mit seinen drei Freunden auf dem Fahrrad unterwegs. Sie sind auf dem Heimweg. Es sind nur noch geschätzte 500 Meter bis sie zu Hause sind. Bergab rast Christopher mit seinen Rad über den Asphalt. Einen Helm trägt er nicht. Er ist zu schnell, als er in die scharfe Kurve einfährt. Der Schotter auf der Straße sorgt für den Rest. Der 16-Jährige fliegt mit dem Kopf voraus über den Lenker. "Meine linke Hüfte tat weh, meine Knie und meine Unterarme waren verschrammt und mein Kopf hat stark geblutet", erzählt Christopher. "Ich musste meinen Sturz wohl mit dem Kopf abgebremst haben. Ich glaube, ich war kurz bewusstlos."

Seine Freunde sind erschrocken, halten den Sturz allerdings für harmlos. Den Notarzt ruft keiner. Just in diesem Moment kommt ein Nachbar vorbei und nimmt den 16-Jährigen mit dem Auto die restliche Strecke mit.

"Seither bin ich kein Fahrrad mehr gefahren"

Zu Hause angekommen, ruft die Stiefmutter, eine gelernte Krankenschwester, sofort den Notarzt. Sie weiß, wie gefährlich Kopfverletzungen enden können. Zwischen dem Unfall und der Ankunft des Krankenwagens vergeht eine halbe Stunde. Christopher muss sich mehrmals übergeben. "Die Sanitäter haben mich gleich befragt, aber ich konnte mich nicht mehr genau erinnern, wahrscheinlich weil ich unter Schock stand." Im Krankenhaus, in dem er zwei Tage bleiben muss, werden seine Organe per Ultraschall untersucht. Er wird geröntgt und seine Wunden werden versorgt. Die Kopfverletzung wird geklebt. Die Folgen des Unfalls: eine starke Gehirnerschütterung und Prellungen an Ellenbogen und Hüfte.

"Seither bin ich kein Fahrrad mehr gefahren." Würde er nochmal aufs Rad steigen, dann würde er über einen Helm nachdenken. "Ob ich und meine Freunde wirklich daraus gelernt haben, kann ich nicht sicher sagen", erklärt er. "Die erste Zeit hat es uns vielleicht abgeschreckt, ich glaube aber nicht, dass das lange anhält."

An einem Erste-Hilfe-Kurs haben bisher weder Christopher noch einer seiner Freunde teilgenommen. Vielleicht hätten sie sich in der Notsituation dann anders verhalten. "Ich denke, es wäre auf jeden Fall sinnvoll, wenn jeder von uns einen Erste-Hilfe-Kurs belegt hätte."

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