Es hätte kein plakativeres Wetter geben können, um die Notwendigkeit ihres Anliegens, den Klimawandel zu bekämpfen, deutlich zu machen. Bei über 35 Grad, mit dem Zeugnis in der Tasche und der Freiheit, an diesem Freitagmittag überall hingehen zu können (denn die Ferien haben begonnen), wählten nahezu 50 Schüler den Haller Marktplatz.

Paul Köster referiert auf der Großen Treppe über die Misere, die Flüchtlinge auf dem Mittelmeer erleiden.  Priscilla Reinauer übernimmt das Mikro. Mit ihr spricht erstmals auf der Haller Fridays for Future Demo eine Mutter. Sie gehört zu der in Künzelsau gegründeten Initiative „Parents for Future Hohenlohe“, eine rund 30-köpfige Gruppe. „Wir sind auch verantwortlich für das, was wir nicht tun!“, betont die Rednerin. Mit lauten Sprechgesängen geht die Gruppe durch die wegen der Hitze verwaiste Innenstadt. Ihr Ziel ist der Dietrich-Bonnhoeffer-Platz im Kocherquartier. „Leute lasst das Glotzen sein, reiht euch in die Demo ein!“ skandieren die jungen Menschen.

Antrag der Linken und Grünen

Sarah Bergmann, Grünen-Gemeinderätin, steht als nächste am Mikrophon. „Ich gehöre zu der Generation, die es verbockt hat.“ Sie geht auf die Vorwürfe ein, die sich die jungen Leute anhören müssen. „Was tun die denn eigentlich fürs Klima?“, heiße es vielfach. „Ich könnte Wetten abschließen, dass jede und jeder der hier steht schon einiges unternimmt, um die Natur als unsere Lebensgrundlage zu schützen. Von Handyzeiten reduzieren, über Bäume pflanzen und Plastiksparen bis hin zu Kleidertauschpartys.“

Bergmann hat gute Nachrichten für die Aktivisten: Die Fraktion der Grünen und Die Linke habe im Gemeinderat gemeinsam den Antrag zur Ausrufung des Klimanotstands in Schwäbisch Hall eingereicht. Im Herbst werde der Gemeinderat darüber einen Entschluss fassen. „Das ist zweifelsfrei euer Verdienst!“. Jubel, Freude, Klatschen bei den Demonstranten, die sich auf dem Platz im Halbkreis aufgestellt haben.

Crailsheim

Dritte Rednerin ist Rahel Lang aus Michelbach. Sie verkündet, dass Konstanz, Heidelberg, Kiel, Paris und weitere Städte bereits den Klimanotstand ausgerufen hätten. „Gut, am Anfang ist das vielleicht Symbolpolitik, aber wir können uns darauf beziehen, wenn wir unsere Anliegen durchsetzen wollen.“ Mit der Ausrufung des Klimanotstands würden sich die Regierungen sich dazu bekennen, dass es eine menschengemachte Klimakatastrophe gebe. Lang setzt darauf, dass dies die Regierungen in Zugzwang setze, das Pariser Klimaabkommen einzuhalten.

Ökologische Maßnahmen müssten auch im Gemeinderat beschlossen werden. „Darin steckt großes Potenzial“, sagt Lang. Sie fordert auch die Demonstranten und Passanten auf, die Aktion mit ihrem Namen zu unterstützen:  Auf der Instagram-Seite von Fridays for Future Schwäbisch Hall werden Unterschriften für die  Petition zum Klimanotstand gesammelt.

Weiter zieht die Truppe, die an diesem Freitag mit recht wenig Plakaten auskommt. Nächster Stopp ist vor dem Landratsamt. Tobias Herzig von der Linksjugend ruft dazu auf, am 8. August eine „Plastic Attac“ am Kaufland in Hessental durchzuführen. Nach dem Einkauf soll die Ware entpackt und die Lebensmittel in mitgebrachte Tüten und Dosen gefüllt werden. Die Verpackung soll vor dem Markt liegen bleiben. Dies, so Herzig, soll das Umweltbewusstsein der Kunden schärfen. „Ein Hausverbot im Laden ist nichts was mich kratzt“, so Herzig.

Bevor die Demonstration endet werden die Aktivisten von Sascha Hub vom Schwäbisch Hall TV aufgefordert ihm zuzurufen, auf was sie verzichten können. Die Teilnehmer machen gerne mit und rufen wild durcheinander. „SUV, Flugreisen, Autos“ sind einige der Worte, die man raushören kann.

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