Einfach nur für den Patienten da sein und Zeit für ihn haben, ihm zuhören, ihn berühren – besonders wichtig ist das für Menschen, die durch eine Demenz die Situation im Krankenhaus nicht mehr einschätzen und verarbeiten können. Auch nach einer Operation haben ältere Menschen, selbst wenn sie vorher noch keine Anzeichen von Demenz hatten, häufig Wahrnehmungsstörungen, sind verwirrt und verängstigt. Postoperatives Delir nannte Professor Dr. Thorsten Steinfeldt diesen Zustand. Staatssekretärin Bärbl Mielich (Grüne) aus dem Sozialministerium, die das Demenz-Delir-Ehrenamtsprojekt im Diak besuchte, hörte gut zu.

Bei dem Projekt kümmern sich Ehrenamtliche speziell um diese Patienten. „Zum einem gibt es immer mehr alte Menschen. Zum anderen werden heute mehr alte Menschen operiert – auch demente Menschen, die schon pflegerisch versorgt werden  – weil die Medizin leistungsfähiger geworden ist. Nach einer Operation, etwa einem Oberschenkelhalsbruch, entwickeln sie ein Delir. Das fördert eine Demenz und es erhöht die Sterblichkeit um 20 Prozent. Solche Patienten brauchen mehr Betreuung und Fürsorge“, erklärte Steinfeldt. Er ist Chefarzt der Klinik für Anästhesiologie, operative Intensivmedizin und Schmerztherapie.

Eins-zu-eins-Betreuung

Für diese Menschen, die zum Teil extrem unruhig sind und sich Schläuche und Infusionen herausreißen, sei eigentlich eine Eins-zu-eins-Betreuung notwendig. Die aber könne das Pflegepersonal nicht leisten, so der Mediziner. Gut 20 Ehrenamtliche unter den schon lange am Diakoneo arbeitenden „Grünen Damen“ haben sich für den Umgang mit diesen Patienten weitergebildet.

„Dabei müssen sie emotional viel aushalten“, betonte Steinfeldt und würdigte den Einsatz der Ehrenamtlichen. Patienten, die diese Fürsorge während eines post-operativen Delirs erfahren, wachten früher aus der Verwirrung auf, lautet seine Erfahrung.

Christa Hagelloch ist schon seit über 30 Jahren eine der „grünen Damen“, die sich um Patienten kümmert, Zeit für persönliche Anliegen hat und auch die Angehörigen entlastet. Sie fühlt sich dabei  sehr gut unterstützt. „Wir hatten anfangs zwei Seminare und treffen uns regelmäßig zu Weiterbildungen. Man zeigt uns immer wieder, wie sehr man unsere Arbeit wertschätzt“, betonte sie. Elisa Johannsdottir, Expertin für Weiterentwicklung in der Pflege, berichtete von den Schulungen. Dabei  gehe es etwa um die Kommunikation und um Beschäftigungsmöglichkeiten mit diesen Patienten. „Ich wünsche mir, dass wir mehr Männer und Menschen mit Migrationshintergrund  für dieses Ehrenamt gewinnen“, sagte sie.

Vanessa Rodemich ist 25 Jahre alt und ehrenamtlich im Krankenhaus aktiv. Sie berichtete, wie es ihr mit einem einfachen Trick gelang, Kontakt zu einer rumänischen Patientin aufzunehmen. „Die Patientin war dement und ich kann kein Rumänisch. Dann habe ich auf meinem Handy rumänische Volksmusik laufen lassen. Damit habe ich einen Draht zu ihr gefunden“, berichtete die Studentin. Auch andere Damen schilderten ihre persönlichen, aber immer bereichernden Erfahrungen mit den Patienten.

Statssekretärin Bärbl Mielch zollt Anerkennung: „Ich bin froh, dass es ein solches Engagement gibt. Im Gesundheitswesen haben wir bis heute noch keine Antwort auf diese drängende Frage zum Umgang mit alten Menschen in Krankenhäusern gefunden. Das Engagement in Hall ist eine wertvolle Unterstützung für die Patienten und für die professionelle Pflege.“

Info Seit Anfang 2019 läuft das Projekt, bei dem Ehrenamtliche, Ärzte, Pflegepersonal und Seelsorger kooperieren. Bisher ist es auf eine Intensivstation und eine neurologische Station beschränkt. Doch der Bedarf ist viel größer. Bärbl Mielich ist die Bedeutung der Initiative klar. 2019 flossen dafür rund 17 000 Euro ans Diakoneo. Auch für das laufende Jahr steht die Unterstützung.