Kriminalität Dekorationsartikel zur Waffe gemacht

Eine Statue von Justitia: In Öhringen hat das Gericht einen Mann wegen des Verstoßes gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz zu einer Haftstrafe verurteilt.
Eine Statue von Justitia: In Öhringen hat das Gericht einen Mann wegen des Verstoßes gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz zu einer Haftstrafe verurteilt. © Foto: dpa
Öhringen / Ranjo Doering 01.08.2017
Das Schöffengericht in Öhringen verurteilt einen Mann zu zwei Jahren und vier Monaten Haft, weil er Dekorationswaffen zu scharfen Maschinenpistolen umgebaut hat.

Der Vorwurf an den Mann aus Neuenstein wiegt schwer: Gemeinsam mit einem Freund soll der Angeklagte Mitte 2016 zwei Dekorationswaffen so umgebaut haben, dass sie wieder zu scharfen Waffen wurden. Für den Verstoß gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz wurde der 38-Jährige am vergangenen Mittwoch vom Öhringer Amtsgericht zu zwei Jahren und vier Monaten Freiheitsstrafe verurteilt.

Die beiden Kleinmaschinengewehre vom Fabrikat Skorpion 61, Browning, hatten die beiden Männer auf einer Schusswaffenmesse in Worms erworben. „Ich bereue meine Tat. Es war einfach nur dumm und ich habe daraus gelernt. Ich habe mir über die Konsequenzen damals keine Gedanken gemacht“, sagt der Angeklagte.

Gefunden wurden die Waffen und Tausende Schuss Munition bei einer Razzia nach dem Brand­anschlag auf eine geplante Flüchtlingsunterkunft in Neuenstein im Januar 2017. Die beiden Maschinenpistolen hatte der Angeklagte zusammen mit anderen, allerdings weniger gefährlichen Waffen, seinem Freund in zwei Kisten zur Aufbewahrung gegeben.

Bei dem Freund handelt es sich um einen 33 Jahre alten Deutschen, der den Anschlag verübt haben soll. Der Mann wird wegen seiner Tat gesondert vor dem Landgericht Heilbronn angeklagt. Beide sollen Veranstaltungen von „Hohenlohe Wacht Auf“ in Öhringen besucht haben.

Der Angeklagte wirkt bei der Verhandlung ruhig, er ist blass, sucht immer wieder Blickkontakt zu Freunden und Familie im Gerichtssaal. Seit sechs Monaten ist er in Untersuchungshaft. „Ich hatte viel Zeit, um nachzudenken. Wenn ich in Strafhaft komme, werde ich untergehen“, sagt er mit leiser Stimme.

Von klein auf sei er ein Tüftler gewesen, so der Angeklagte. Im Alter von 14 Jahren habe er seine erste eigene Pistole gebaut. Seinen Hang zu Waffen erklärt er auch durch seinen beruflichen und familiären Hintergrund. „Ich war schon immer technikinteressiert. Viele der Waffen habe ich von meinem Vater geerbt. Außerdem bin ich im Sportschützenverein.“ Ihm sei es bei dem Umbau in erster Linie um das technische Interesse gegangen. „Eigentlich ist es unmöglich, solch eine Dekorationswaffe wieder zurückzubauen. Das war einfach eine Herausforderung.“

Weitere Pläne hätten die beiden mit den Waffen nicht verfolgt. „Wir wollten die Waffen eigentlich vergraben, damit sie nicht in falsche Hände geraten“, sagt der 38-Jährige. Aufgrund der kalten Temperaturen hätten sie diesen Plan verworfen. Ein Verkauf oder eine Weitergabe sei zu keiner Zeit ein Thema gewesen. Der Neuensteiner hatte auch weitere, kleinere Waffen umgebaut und unter anderem einen Schalldämpfer selbst hergestellt. Mit diesem hätten sie die beiden Maschinenpistolen in einer Garage in Neuenstein getestet.

Die Staatsanwaltschaft hatte eine Haftstrafe von drei Jahren und sechs Monaten gefordert, die Verteidigung zwei Jahre Strafe auf Bewährung. Amtsrichter Lutz Göpfert hielt dem Angeklagten zu Gute, dass er nicht vorbestraft sei und ein umfassendes Geständnis abgelegt habe. Negativ sei vor allem „die Fülle an Waffen“, die bei der Hausdurchsuchung gefunden worden waren. Vor Gericht stand am Mittwoch auch ein weiterer Mann aus Neuenstein. Der 29 Jahre alte Mitangeklagte wurde wegen Beihilfe zu zehn Monaten auf Bewährung verurteilt. Er hatte Schweißarbeiten an einigen Teilen der Maschinenpistolen durchgeführt.

Auch er bereut seine Tat: „Es war eigentlich nur ein freundschaftlicher Gefallen. Ich habe eine falsche Entscheidung getroffen und mich strafbar gemacht“, sagt er am Ende der vierstündigen Verhandlung.