Gelbingen 3000 ehrenamtliche Stunden pro Jahr

Besucher des Waldbads Gelbingen genießen ihre Zeit. Das Bad feiert sein 20-Jahr-Bestehen.
Besucher des Waldbads Gelbingen genießen ihre Zeit. Das Bad feiert sein 20-Jahr-Bestehen. © Foto: xx
Gelbingen / Sonja Alexa Schmitz 28.06.2018
Der Sportverein Waldbad Gelbingen feiert sein 20-jähriges Bestehen.

Carlita Marie und Janna Luisa Monn blättern in einem Ordner und schauen Fotos von einer der Renovierungen des Freibades an. Die Schwestern, 21 und 27 Jahre alt, haben im Waldbad schwimmen gelernt. Viele gute Erinnerungen haben sie daran. „Hier haben wir immer Kinder aus dem Ort getroffen.“ Wenn die Eltern nicht mitgingen, zogen sie eben mit den Nachbarn los. Und als sie ein bisschen älter waren, auch alleine. „Hier ist immer einer, der aufpasst“, sagt die Mutter.

Diak beschließt Schließung

So geht es auch dem Ehepaar Schneider aus Breitenstein. Die vier Kinder wussten sie im Schwimmbad immer gut aufgehoben. Ihre erste Tochter wurde 1998 geboren, in dem Jahr, als das Schwimmbad unter der Trägerschaft des ehrenamtlichen Vereins wieder eröffnet wurde.

Zuvor war es ein Schwimmbad des Diakonie-Krankenhauses – ein Vergnügen ausschließlich für Mitarbeiter. Später durften es auch Nachbarn und andere Gäste besuchen. Nach gut 30 Jahren Nutzung standen Reparaturarbeiten an, die mehr als 800 000 DM kosteten. „Bad schließen!“ beschloss der Diak-Vorstand. Eine Handvoll Gelbinger, darunter Martin Riedel, der vom ersten Tag an erster Vorsitzender war und blieb, gründeten einen Verein zur Rettung ihres Freibades.

„Meine Kinder waren gerade sechs und sieben Jahre alt. Ich wollte, dass es für sie erhalten bleibt“, erzählt Riedel. Seither steht der selbständige Schreinermeister in der Saison vor der Arbeit um 7 Uhr morgens am Becken, holt den Wassersauger raus, prüft die Technik und alles, was es bedarf, um ein sauberes und sicheres Schwimmbad zu bieten.

Nach ihm kommen andere Ehrenamtliche ins Bad. Die machen sauber, öffnen den Kiosk, haben daheim Kuchen für den Verkauf gebacken, übernehmen die Badeaufsicht. Sechs Personen braucht es für einen Öffnungstag. 3000 ehrenamtliche Stunden stecken in einer Saison, hat der zweite Vorsitzende, Gerd Bornschein, errechnet. Rund 40 bis 50 Leute sind aktiv, knapp 500 Mitglieder zählt der Verein.

Das Ehepaar Schneider erinnert sich an die Anfänge. Beide hatten Bekannte, die im Diak arbeiteten. Deshalb durfte das Paar das Schwimmbad nutzen. Oft sind sie auf dem Gelände, manchmal auch nur, um im Eingangsbereich einen Kaffee zu trinken. Der ist nämlich auch ohne den Badeintritt zu haben.

Günstig seien sie mit drei, beziehungsweise 1,50 Euro Eintritt. „Wir sind hier kein Spaßbad“, sagt Martin Riedel. Das Gelbinger Freibad ist auf charmante Art altmodisch. Keine hohen Sprungtürme, keine Wasserrutsche, alles schön normal. Das gefällt Marita Rößler. Die Eltershofenerin kommt gerne mit ihren drei Kindern her. Weil es so eine familiäre Atmosphäre hat, man immer einen trifft – in allen Altersklassen – und weil es kindersicher ist. Das Planschbecken ist unten, das tiefe Becken oben. Man hat die Kleinen gut im Blick.

In den Feiertag ging es mit einem Gottesdienst, unterstützt vom Männergesangverein, dem Posaunenchor sowie dem Kirchenchor. Pfarrer Tobias Feldmeyer bedankte sich vor gut einhundert Gästen für die Arbeit, die sich der Verein macht.

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