Für 16.30 Uhr, wenn es an diesem an sich schon trüben zweiten Advent langsam dämmrig wird und die unzähligen Lichter umso stärker glitzern, hat sich das Christkind angekündigt. Rechtzeitig hat Petrus ein Einsehen und sorgt für eine längere Regenpause.

Junge Familien mit Kinderwagen, warm  eingepackten Kindern auf dem Arm und an der Hand haben sich bereits am Weinbrunnen postiert und schieben die Kinder, die sich alleine oder an der Hand des etwas älteren Geschwisters zu den verheißungsvollen Weihnachtsgestalten hin trauen, nach vorne.

Die Rute verloren

Endlich erscheint das Dreigestirn: das engelsgleiche Christkind im langen weißen Gewand und mit einem zarten Schleier über dem blonden Haar, daneben ihre beeindruckend großen Begleiter. Im roten langen Mantel der Nikolaus – nicht etwa der Weihnachtsmann – mit langem weißen Rauschebart, der sein Gesicht fast völlig verdeckt. Ein wenig furchteinflößend mag Knecht Ruprecht auf die Kleinsten in seiner dunkelbraunen Kutte und dem schwarzen Bart wirken. Aber seine Augen zwinkern den Kindern freundlich zu und seine Rute scheint er unterwegs verloren zu haben.

Eine Traube von Kindern umringt die drei, als sie damit beginnen, aus einem Jutesack weihnachtlich verpackte Leckereien und Äpfel an sie zu verteilen. Da ist Geduld angesagt. „Das dauert ja ewig“, mault ein Mädchen. „Da muss man halt warten“, antwortet die Mutter.

„Da ist das Christkind!“, staunt ein kleiner Bub auf dem Arm seines Vaters. Schön, wie die Kinder sich über die beeindruckenden weihnachtlichen Gestalten und ihre kleinen Geschenke freuen. Manches ist etwas zögerlich, wenn sich Knecht Ruprecht oder Nikolaus zu ihm hinunterbeugen. Wenn sie dann aber den Eltern ihre Süßigkeitenbeutel präsentieren, strahlen sie begeistert. Selbst die Erwachsenen erliegen dem Charme des Christkinds. Schnell das Handy gezückt und zur Dokumentation ein Foto mit der himmlischen Gestalt neben sich geschossen.

20 Jahre Erfahrung

Tina Färber ist mit ihren langen blonden Haaren das ideale Christkind. Die Kindheitspädagogin hat eine Zeit lang in einem Vellberger Kindergarten gearbeitet. Zum zweiten Mal ist sie in die Rolle des Christkinds geschlüpft, obwohl sie mittlerweile in Nürnberg lebt. „Ich komme oft und gern zurück nach Vellberg“, sagt sie.

Schon wesentlich länger ist Michael Ziffle fester Bestandteil des Vellberger Christkindlesmarkts. Der Hausmeister für die städtischen Gebäude hat über 20 Jahre Erfahrung als Knecht Ruprecht.

 Der Nikolaus, wie sein Knecht ein Schrank von Mann, ist eigentlich Bauhofmitarbeiter. „Manchmal erkennen mich ältere Kinder. Wahrscheinlich, weil ich öfter mal in einem der Kindergärten zu tun habe“, erklärt Dieter Badmann alias Nikolaus.

Das Interesse vieler Erwachsener zielt auf die Stände der Vereine mit ihren Angeboten für das leibliche Wohl. Überall stehen dicht gedrängt Gruppen und Grüppchen und lassen sich von der  reichhaltigen Auswahl an Getränken und Speisen verwöhnen. Glühwein und gegrillte Wurst gehen immer. Aber auch die Schupfnudeln mit Sauerkraut des Kindergartens Markgrafenallee, Spiralkartoffeln, Flammkuchen, Schaschlikspieße und Crêpes stehen hoch im Kurs. Alles vermischt sich zu dem typischen Weihnachtsmarktduft.

Ein attraktiver Mix

Mit den vielfältigen kunsthandwerklichen Ausstellern ergibt sich ein attraktiver Mix. Frostfeste Objekte aus Beton für den Garten stellt Johann Roos aus Kressberg-Bergbronn her. Noch hat er Zeit, zu erklären, wie er die Figuren fertigt. Er hofft, dass trotz des ungemütlichen Wetters die Besucher nicht ausbleiben.

Aber einige Interessenten hat er schon gehabt und seine Visitenkarte an sie verteilt. „Oft erinnern sich die Leute im Frühjahr, wenn sie wieder in den Garten gehen, an mich und ich bekomme dann Aufträge“, berichtet er.

Heidi Haßler aus Aalen und Beate Schulz aus Straitbach verkaufen seit einigen Jahren „Schönes aus Filz, Wolle, Holz, Stoff und Beton“ in Vellberg. „Das Kunsthandwerkliche wird hier richtig wertgeschätzt und der Markt ist immer gut besucht“, stellt Haßler fest. Das liege sicher auch an der mittelalterlichen Kulisse im Städtle, die bei der weihnachtlichen Beleuchtung der Giebel, Buden und Bäume noch besser zur Geltung kommt.

Auch der Vellberger Markt hat etwas unter dem Wetter am Wochenende gelitten, was die Besucherzahlen angeht. Trotzdem zieht Bürgermeisterin Ute Zoll beschließend ein positives Fazit und ergänzt: „Es sind zwar nicht so viele Leute da wie bei gutem Wetter, ich war aber überrascht, dass die Parkplätze doch alle voll sind.“